Hört ihr’s nicht...
Kategorie: Kurze Weihnachtsgedichte
Hört ihr’s nicht...
Hört ihr’s nicht, wie die Glocken schallenAutor: Engelbert Albrecht
Fern im winterstillen Wald?
Seht ihr nicht durch Tannendunkel
Wandeln eine Lichtgestalt?
Wenn die weißen Flocken fallen,
Sternbesät erglänzt der Wald:
Mit der Wintersonnenwende,
Kinder, kommt das Christkind bald.
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Engelbert Albrechts Gedicht "Hört ihr's nicht..." ist ein fein gesponnenes Werk, das die Ankunft des Christkinds nicht als lautes Ereignis, sondern als zarten, geheimnisvollen Vorboten inszeniert. Gleich zu Beginn wendet sich der Sprecher direkt an die Lesenden und zieht sie mit zwei eindringlichen Fragen in das winterliche Geschehen hinein. Das "Schallen" der Glocken aus der Ferne und die "Lichtgestalt" im dunklen Tannenwald sind keine plumpen Hinweise, sondern sinnliche Andeutungen. Sie fordern dazu auf, genau hinzuhören und hinzusehen, um das Wunderbare in der scheinbar stillen Natur zu entdecken.
Die zweite Strophe verdichtet dieses Bild. Die "weißen Flocken" und der "sternbesät erglänzt" Wald verwandeln die Welt in einen magischen, glitzernden Raum. Diese natürliche Schönheit wird direkt mit dem zyklischen Ereignis der "Wintersonnenwende" verknüpft, dem tiefsten Punkt des Winters, ab dem das Licht wieder zunimmt. Albrecht verbindet geschickt dieses uralte, vorchristliche Naturereignis mit der christlichen Tradition. Das Christkind erscheint so nicht nur als religiöse Figur, sondern auch als Symbol der Hoffnung und des wiederkehrenden Lichts in der dunkelsten Zeit des Jahres. Die liebevolle Ansprache "Kinder" am Schluss unterstreicht den märchenhaften und zuversichtlichen Ton der Verkündigung.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine ganz besondere, ruhig-gespannte Vorfreude. Es ist keine laute, festliche Stimmung, sondern eine stille und innige Erwartung. Durch die bildhafte Sprache des "winterstillen Walds", des gleißenden Schnees und der geheimnisvollen Lichtgestalt entsteht eine fast märchenhafte Atmosphäre. Man fühlt sich in eine stille, verschneite Welt versetzt, in der etwas Wunderbares im Verborgenen geschieht. Die direkten Fragen am Anfang machen die Leserin oder den Leser zum unmittelbaren Zeugen dieses stillen Wunders. Die finale Ankündigung "kommt das Christkind bald" löst die Spannung in eine warme, sichere und freudige Gewissheit auf, die typisch für die besinnliche Adventszeit ist.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Absolut. Auch heute spricht das Gedicht zentrale menschliche Bedürfnisse an. In unserer hektischen, lauten und oft überreizten Welt sehnen sich viele Menschen nach genau dieser Art von Stille, Achtsamkeit und geheimnisvoller Andeutung. Die Aufforderung "Hört ihr's nicht?" und "Seht ihr nicht?" ist ein zeitloser Appell, innezuhalten, die Sinne zu schärfen und die kleinen Wunder in der Natur zu erkennen. Die Verbindung von Wintersonnenwende und Weihnachtsfest ist heute sogar aktueller denn je, da viele Menschen wieder die natürlichen, zyklischen Rhythmen hinter den Festen entdecken. Das Gedicht wirft die Frage auf, ob wir in der Vorweihnachtszeit noch die Stille und die leisen Zeichen wahrnehmen können oder ob wir von Kommerz und Termindruck überrollt werden. Es ist eine poetische Einladung zur Entschleunigung.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Sprachlich lässt sich das Gedicht als leicht bis mittelschwer einstufen. Der Satzbau ist klar und die Wortwahl größtenteils gut verständlich. Einzelne, etwas altertümliche Wendungen wie "sternbesät erglänzt" oder die verkürzte Form "Hört ihr's" könnten für jüngere Kinder eine kleine Hürde darstellen, die sich aber durch den Kontext leicht erschließen lässt. Die Bilder sind konkret und anschaulich (Glocken, Wald, Flocken, Lichtgestalt), was das Verständnis ungemein erleichtert. Die größte "Herausforderung" liegt vielleicht im genauen Nachvollziehen der poetischen Verknüpfung von Naturphänomen und christlicher Botschaft, was das Gedicht aber auch für Erwachsene interessant macht.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Dieses Gedicht ist wie geschaffen für die besinnlichen Momente in der Adventszeit. Es passt perfekt:
- Als Einstimmung bei einer gemütlichen Familienfeier am Advent.
- Für den Morgenkreis oder eine besinnliche Runde in der Schule oder im Kindergarten in der Vorweihnachtszeit.
- Als textliche Umrahmung bei einem Adventskonzert oder einer weihnachtlichen Lesung.
- Für eine persönliche Advents- oder Weihnachtskarte, die etwas Besonderes sein soll.
- Als ruhiger Programmpunkt bei der Weihnachtsfeier eines Vereins oder Chores.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Die primäre Zielgruppe sind Kinder im Vorschul- und Grundschulalter (ab etwa 4 bis 10 Jahren). Die märchenhafte Stimmung, die klaren Naturbilder und die freudige Ankündigung am Ende sprechen diese Altersgruppe direkt an. Durch seine schöne Sprache und tiefere Bedeutung ist es aber auch ein Gedicht, das Jugendliche und Erwachsene schätzen können, besonders wenn sie nach einem nicht-kitschigen, stimmungsvollen Weihnachtstext suchen. Es eignet sich also für ein generationenübergreifendes Publikum.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Das Gedicht eignet sich weniger für Menschen, die explizit nach einem humorvollen, modern-kritischen oder rein religiös-dogmatischen Weihnachtstext suchen. Es ist kein Gedicht, das den Weihnachtsmann besingt oder die kommerzielle Seite des Festes thematisiert. Auch wer eine direkte, theologische Abhandlung über die Geburt Christi sucht, wird hier nicht fündig, da die Botschaft hier viel poetischer und indirekter vermittelt wird. Für sehr kleine Kinder unter drei Jahren könnten die Sätze noch etwas zu lang und die Bilder zu abstrakt sein.
Wie lang dauert der Vortrag?
Bei einem ruhigen, bedächtigen und betonten Vortrag, der der stillen Stimmung des Gedichts gerecht wird, liegt die Dauer bei etwa 30 bis 40 Sekunden. Ein sehr langsamer, besonders nachdenklicher Vortrag könnte auch knapp eine Minute dauern. Es ist ein kurzes, aber inhaltlich dichtes Gedicht, das Zeit zum Wirken braucht. Ein zu schnelles Hersagen würde seinen Zauber und seine eindringliche Atmosphäre zerstören.
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