Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen
Kategorie: Kurze Weihnachtsgedichte
Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen
Nun leuchten wieder die WeihnachtskerzenAutor: Gustav Falke
und wecken Freude in allen Herzen.
Ihr lieben Eltern, in diesen Tagen,
was sollen wir singen, was sollen wir sagen?
Wir wollen euch wünschen zum heiligen Feste
vom Schönen das Schönste, vom Guten das Beste!
Wir wollen euch danken für alle Gaben
und wollen euch immer noch lieber haben.
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Biografischer Kontext des Autors
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Gustav Falkes Gedicht "Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen" ist ein klassisches, inniges Familienporträt in Versform. Es beginnt mit einer stimmungsvollen Beobachtung: Das Kerzenlicht, ein zentrales Weihnachtssymbol, wird als aktive Kraft dargestellt, die "Freude in allen Herzen" weckt. Diese personifizierende Beschreibung legt nahe, dass die Festzeit eine fast magische, belebende Wirkung auf die Gemüter hat. Der Fokus verschiebt sich dann direkt von der allgemeinen Atmosphäre hin zur kleinsten sozialen Einheit, der Familie. Die Frage "was sollen wir singen, was sollen wir sagen?" ist der Schlüssel zum Verständnis. Sie zeigt die kindliche oder jugendliche Perspektive der Sprechenden, die vor Dankbarkeit und Zuneigung fast sprachlos sind. Diese rhetorische Frage unterstreicht die Echtheit der Empfindung – Worte scheinen für das, was empfunden wird, kaum auszureichen.
Dennoch finden die Sprecher die passenden Wünsche: "vom Schönen das Schönste, vom Guten das Beste". Diese Steigerung ins Superlativische ist kein materieller Wunsch, sondern ein allgemeiner, tief menschlicher. Es geht um die Essenz des Guten und Schönen im Leben, was dem Gedicht eine zeitlose Qualität verleiht. Der folgende Dank "für alle Gaben" bezieht sich sicherlich auf Geschenke, aber im weiteren Sinne wohl auch auf die Gaben der Erziehung, der Fürsorge und der Liebe. Die letzte Zeile "und wollen euch immer noch lieber haben" ist die emotionale Pointe. Sie geht über den bloßen Dank hinaus und verspricht eine stetig wachsende Liebe. Es ist ein Versprechen für die Zukunft, das die familiäre Bindung als etwas Lebendiges, sich Entwickelndes beschreibt, was den sentimentalen Moment vor Kitsch bewahrt.
Biografischer Kontext des Autors
Gustav Falke (1853–1916) war ein deutscher Schriftsteller, der vor allem für seine Lyrik und Kinderlieder bekannt ist. Er gehörte zum Kreis der literarischen Epoche des Impressionismus und des Jugendstils, wobei seine Werke oft von einer gemäßigten, bürgerlichen und heimatverbundenen Tonlage geprägt sind. Falke verfasste zahlreiche Gedichte, die das einfache, idyllische Familienleben, die Natur und die Jahreszeiten besangen. Seine Verbindung zu bedeutenden Zeitgenossen wie Detlev von Liliencron und sein Wirken in Hamburg prägten sein Schaffen. Dieses Weihnachtsgedicht ist typisch für Falkes Œuvre: Es stellt ein harmonisches, konfliktfreies Familienideal dar, das in der wilhelminischen Zeit großen Anklang fand. Sein Werk steht damit in der Tradition der bürgerlichen Hausmusik und der Geselligkeitslyrik, die zum Vortrag in der Familie gedacht war. Das Verständnis seines Hintergrunds erklärt, warum das Gedicht nicht gesellschaftskritisch, sondern auf die Pflege zwischenmenschlicher Werte im privaten Raum fokussiert ist.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine durchweg warme, dankbare und friedvolle Stimmung. Es ist von einer sanften Innigkeit getragen, die unmittelbar ein Gefühl von Geborgenheit und familiärer Verbundenheit vermittelt. Die Bilder des Kerzenlichts und der erwachenden Freude sind positiv und hell. Es herrscht keine Weihnachtshektik, sondern eine besinnliche Pause, in der Raum für Dank und Zuneigung ist. Die Stimmung ist nicht überschwänglich oder laut, sondern eher verhalten und aufrichtig, was durch die fast schüchterne Frage nach den richtigen Worten unterstrichen wird. Insgesamt atmet das Werk eine heitere Ruhe und Zufriedenheit, die ideal zum stilleren Teil der Weihnachtsfeierlichkeiten passt.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Absolut. Die zentralen Themen des Gedichts – Dankbarkeit, familiäre Liebe und der Wunsch nach dem immateriell "Guten" und "Schönen" – sind zeitlos. In einer modernen, oft hektischen und materialistisch geprägten Welt gewinnt der einfache Appell, innezuhalten und den Menschen, die einem wichtig sind, bewusst Zuneigung und Dank zu zeigen, sogar noch an Bedeutung. Das Gedicht wirft implizit Fragen auf, die heute hochrelevant sind: Wie drücken wir echte Dankbarkeit aus, jenseits von Geschenken? Wie pflegen wir bewusst unsere familiären Beziehungen in einem durchgetakteten Alltag? Die kindliche Perspektive kann auch als Aufruf verstanden werden, die Welt wieder mit mehr unvoreingenommener Wertschätzung zu betrachten. Es eignet sich somit perfekt als Gegenentwurf zur kommerzialisierten Weihnachtszeit.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Sprachlich ist das Gedicht als leicht einzustufen. Es verwendet einen einfachen, klaren Satzbau und einen direkten, unkomplizierten Wortschatz. Es gibt keine veralteten oder schwer verständlichen Begriffe, und der Reim sowie das regelmäßige Metrum machen es eingängig und leicht vortragbar. Die einzige leichte Hürde könnte das veraltete "euch" (statt "euch") in der drittletzten Zeile sein, was aber aus dem Kontext sofort verständlich ist. Die Botschaft ist unmittelbar zugänglich, was das Gedicht für einen sehr breiten Leser- und Hörerkreis geeignet macht.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht ist wie geschaffen für den intimen Rahmen der familiären Weihnachtsfeier. Es passt hervorragend als festlicher Beitrag am Heiligabend, sei es als vorgetragenes Gedicht vor der Bescherung oder als Text in einer selbstgestalteten Weihnachtskarte an die Eltern. Darüber hinaus eignet es sich gut für kleine Weihnachtsfeiern in Kindergärten oder Grundschulen, wo Kinder es ihren Eltern vortragen können. Auch in Seniorenheimen oder bei generationsübergreifenden Treffen kommt seine betonte Dankbarkeit und Herzlichkeit gut an. Es ist weniger ein Gedicht für große, öffentliche Veranstaltungen, sondern entfaltet seinen Charme in der privaten Sphäre.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Primär spricht das Gedicht aus der Perspektive von Kindern oder Jugendlichen und ist daher ideal für diese Altersgruppe zum Vortrag geeignet, etwa ab dem Vorschulalter (zum gemeinsamen Sprechen) bis ins junge Erwachsenenalter. Durch seine universelle Botschaft der Dankbarkeit und Liebe spricht es aber genauso Erwachsene an, insbesondere Eltern und Großeltern, die diese Worte von ihren Kindern oder Enkeln hören. Es ist also ein generationenverbindendes Werk, das für alle Altersstufen ab etwa 5 Jahren verständlich und emotional ansprechend ist.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Das Gedicht eignet sich weniger für Menschen, die nach kritischer, hinterfragender oder modern-experimenteller Literatur suchen. Wer eine Auseinandersetzung mit den Schattenseiten des Festes, mit Einsamkeit oder gesellschaftlicher Kritik erwartet, wird hier nicht fündig. Ebenso ist es für rein formale Betrachtungen oder literarische Analysen komplexer Strukturen weniger interessant, da seine Stärke in der emotionalen Einfachheit und Direktheit liegt. In einem sehr nüchternen oder ausschließlich sachlichen Kontext könnte der herzliche Ton als zu sentimental empfunden werden.
Wie lang dauert der Vortrag?
Bei einem gemäßigten, bedächtigen und gefühlvollen Vortragstempo, das der innigen Stimmung des Textes gerecht wird, liegt die Vortragsdauer bei ungefähr 30 bis 40 Sekunden. Ein sehr langsamer, betonter Vortrag könnte auch knapp eine Minute dauern. Die acht kurzen Zeilen erlauben jedoch einen prägnanten, in sich geschlossenen Auftritt, der nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt und sich daher ideal in den Ablauf einer Weihnachtsfeier einfügen lässt.
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