Christliche Weihnachtsgedichte

Was wäre Weihnachten ohne Gedichte? Insbesondere christliche Weihnachtsgedichte sind Teil unseres traditionellen Weihnachtsbrauches. Sie behandeln Themen wie die Nächstenliebe und die Familie oder beziehen sich direkt auf die Geburt Christi am 24. Dezember. Auch christliche Symbole wie der Fisch oder das Alpha und das Omega sind beliebte Bestandteile vieler christlicher Gedichte.

Weihnachtsgedichte, die sich mit dem christlichen Glauben befassen, erzählen häufig von der Geburt Christi in Bethlehem. Die Erzählung um Maria und Josef, die Krippe und die Heiligen Drei Könige bieten Stoff für besinnliche und freudige Strophen, die den Geist der Weihnacht auf einzigartige Weise einfangen.
Auch das Christkind ist Teil vieler christlicher Weihnachtsgedichte. Die engelsgleiche Gestalt hat eine deutliche Verbindung zu Jesus Christus. Sie wird jedoch auch mit dem Weihnachtsmann assoziiert. Da in der Vorweihnachtszeit noch immer viele Kinder ihre Briefe mit Wünschen an das Christkind schicken, ist die heilige Gestalt auch Teil vieler moderner Gedichte.

Der Advent ist die Zeit, in der sich Christen auf das Fest der Geburt Jesu Christi - Weihnachten - vorbereiten. Gerade jetzt machen sich viele Menschen Gedanken über den Sinn des Lebens. Auch die Stille der Weihnachtszeit regt zum Nachdenken an und löst das Gefühl von Nächstenliebe im ein oder anderen Herzen aus. Christliche Weihnachtsgedichte transportieren dieses Empfinden besonders gut. Deshalb tragen viele Familien am Weihnachtsabend besinnliche Gedichte vor, um sich auf das Fest der Liebe einzustimmen. Ein christliches Weihnachtsgedicht kann demnach für die ideale Abwechslung im vorweihnachtlichen Alltag gläubiger Menschen sorgen.

Die heiligen drei Könige
Aus fernen Landen kommen wir gezogen;
Nach Weisheit strebten wir seit langen Jahren,
Doch wandern wir in unsern Silberhaaren.
Ein schöner Stern ist vor uns hergeflogen.

Nun steht er winkend still am Himmelsbogen:
Den Fürsten Juda’s muss dies Haus bewahren.
Was hast du, kleines Bethlehem, erfahren?
Dir ist der Herr vor allen hochgewogen.

Holdselig Kind, lass auf den Knie’n dich grüßen!
Womit die Sonne unsre Heimat segnet,
Das bringen wir, obschon geringe Gaben.

Gold, Weihrauch, Myrrhen, liegen dir zu Füßen;
Die Weisheit ist uns sichtbarlich begegnet,
Willst du uns nur mit Einem Blicke laben.

Autor: August Wilhelm Schlegel

Die heilige Nacht
Gesegnet sei die heilige Nacht,
die uns das Licht der Welt gebracht!

Wohl unterm lieben Himmelszelt
die Hirten lagen auf dem Feld.

Ein Engel Gottes, licht und klar,
mit seinem Gruß tritt auf sie dar.

Vor Angst sie decken ihr Angesicht,
da spricht der Engel: „Fürcht’t euch nicht!“

„Ich verkünd euch große Freud:
Der Heiland ist geboren heut.“

Da gehn die Hirten hin in Eil,
zu schaun mit Augen das ewig Heil;

zu singen dem süßen Gast Willkomm,
zu bringen ihm ein Lämmlein fromm.

Bald kommen auch gezogen fern
die heilgen drei König‘ mit ihrem Stern.

Sie knieen vor dem Kindlein hold,
schenken ihm Myrrhen, Weihrauch, Gold.

Vom Himmel hoch der Engel Heer
frohlocket: „Gott in der Höh sei Ehr!“

Autor: Eduard Mörike

Ein Licht, das leuchten will
Ein Licht, das leuchten will, muss sich verzehren;
Trost, Licht und Wärme spendend, stirbt es still.
Ein Licht, das leuchten will, kann nichts begehren,
als dort zu stehen, wo’s der Meister will.

Ein Licht, das leuchten will, dem muss genügen,
dass man das Licht nicht achtet, nur den Schein.
Ein Licht, das leuchten will, muss sich drein fügen,
für andre Kraft und für sich nichts zu sein.

Ein Licht, das leuchten will, darf auch nicht fragen,
ob’s vielen leuchtet oder einem nur.
Ein Licht, das leuchten will, muss Strahlen tragen,
wo man es braucht, da lässt es seine Spur.

Ein Licht, das leuchten will in Meisters Händen,
es ist ja nichts, als nur ein Widerschein;
des ew’gen Lichtes Glanz darf es uns spenden,
ein Licht, das leuchten will für Gott allein.

Autor: Hedwig von Redern

Weihnachtslied
Mir klingt ein Lied in Ohren
Aus uralt heil'ger Nacht:
Ein Kindlein ward geboren,
Das hat uns Heil gebracht!

Trüb durch den Nebel flimmern
Die Sterne allzumal -
Doch hell und heller schimmern
Die Lichter d'rin im Saal.

Da quillt und wogt entgegen -
- Wenn silbern die Glocke ruft -
Wie aus des Wald's Gehegen
Lebendig warmer Duft.

Da grünt zu holdem Troste
Des Lebens Unterpfand -
Ob auch im Todesfroste
Erstarrt das ganze Land.

Da wandelt ein Beglücken
Von Hand zu Hand, da sprüht
Ein strahlendes Entzücken
Im Auge und Gemüt!

Ja! dem Beglückungstriebe,
O schöne Weihnachtszeit,
Hat dich die ew'ge Liebe
Zu allererst geweiht!

Mir klingt ein Lied in Ohren
Uralter Zaubermacht:
Es ward das Licht geboren!
Es schwand die längste Nacht!

Autor: Ernst Rauscher

Weihnacht
Wie bewegt mich wundersam
Euer Hall, ihr Weihnachtsglocken,
Die ihr kündet mit Frohlocken,
Dass zur Welt die Gnade kam.

Überm Hause schien der Stern,
Und in Lilien stand die Krippe,
Wo der Engel reine Lippe
Hosianna sang dem Herrn.

Herz, und was geschah vordem,
Dir zum Heil erneut sich's heute:
Dies gedämpfte Festgeläute
Ruft auch dich nach Bethlehem.

Mit den Hirten darfst du ziehn,
Mit den Königen aus Osten
Und in ihrer Schar getrosten
Muts vor deinem Heiland knien.

Hast du Gold nicht und Rubin,
Weihrauch nicht und Myrrhenblüte:
Schütt' aus innerstem Gemüte
Deine Sehnsucht vor ihm hin!

Sieh, die Händchen zart und lind
Streckt er aus, zum Born der Gnaden,
Die da Kinder sind, zu laden,
Komm! Und sei auch du ein Kind!

Autor: Emanuel Geibel

Es kommt ein Schiff
Es kommt ein Schiff, geladen
bis an den höchsten Bord.
trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
des Vaters ewig's Wort.

Das Schiff geht still im Triebe,
trägt eine teure Last;
das Segel ist die Liebe,
der Heilige Geist der Mast.

Der Anker haft' auf Erden,
da ist das Schiff an Land.
Das Wort soll Fleisch uns werden,
der Sohn ist uns gesandt.

Zu Bethlehem geboren
im Stall ein Kindelein,
gibt sich für uns verloren;
gelobet muß es sein.

Und wer dies Kind mit Freuden
umfangen, küssen will,
muss vorher mit ihm leiden
groß Pein und Marter viel.

Danach mit ihm auch sterben
und geistlich aufersteh'n,
das Leben zu ererben,
wie an ihm ist geschehn.

Autor: Johannes Tauler

Macht hoch die Tür, die Tore weit!
Macht hoch die Tür, die Tore weit!
Es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich’,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

Autor: Georg Weissel

Friede auf Erden
Da die Hirten ihre Herde
Ließen und des Engels Worte
Trugen durch die niedre Pforte
Zu der Mutter und dem Kind,
Fuhr das himmlische Gesind
Fort im Sternenraum zu singen,
Fuhr der Himmel fort zu klingen:
"Friede, Friede! auf der Erde!"

Seit die Engel so geraten,
O wie viele blutge Taten
Hat der Streit auf wildem Pferde,
Der geharnischte, vollbracht!
In wie mancher heil'gen Nacht
Sang der Chor der Geister zagend,
Dringlich flehend, leis verklagend:
"Friede, Friede...auf der Erde!"

Doch es ist ein ew'ger Glaube,
Daß der Schwache nicht zum Raube
Jeder frechen Mordgebärde
Werde fallen allezeit:
Etwas wie Gerechtigkeit
Webt und wirkt in Mord und Grauen,
Und ein Reich will sich erbauen,
Das den Frieden sucht der Erde.

Mählich wird es sich gestalten,
Seines heil'gen Amtes walten,
Waffen schmieden ohne Fährde,
Flammenschwerter für das Recht,
Und ein königlich Geschlecht
Wird erblühn mit starken Söhnen,
Dessen helle Tuben dröhnen:
Friede, Friede auf der Erde!

Autor: Conrad Ferdinand Meyer

Bereitet die Wege
Bereitet die Wege!
Bereitet die Bahn!
Bereitet die Wege
und machet die Stege
im Glauben und Leben
dem Höheren ganz eben,
Messias kommt an!

Autor: Salomo Franck

Der Seelchenbaum
Weit draußen, einsam im öden Raum
steht ein uralter Weidenbaum
noch aus den Heidenzeiten wohl,
verknorrt und verrunzelt, gespalten und hohl.
Keiner schneidet ihn, keiner wagt
vorüberzugehn, wenn's nicht mehr tagt,
kein Vogel singt ihm im dürren Geäst,
raschelnd nur spukt drin der Ost und West;
doch wenn am Abend die Schatten düstern,
hörst du's wie Sumsen darin und Flüstern.
Und nahst du der Weide um Mitternacht,
siehst sie von grauen Kindlein bewacht:
Auf allen Ästen hocken sie dicht,
lispeln und wispeln und rühren sich nicht.
Das sind die Seelchen, die weit und breit
sterben gemußt, eh' die Tauf' sie geweiht:
Im Särglein liegt die kleine Leich',
nicht darf das Seelchen ins Himmelreich.
Und immer neue, - siehst es du? -
in leisem Fluge huschen dazu.
Da sitzen sie nun das ganze Jahr
wie eine verschlafene Käuzchenschar.
Doch Weihnachts, wenn der Schnee rings liegt
und über die Länder das Christkind fliegt,
dann regt sich's, pludert sich's, plaudert, lacht,
ei, sind unsre Käuzlein da aufgewacht!
Sie lugen aus, wer sieht was, wer?
Ja freilich kommt das Christkind her!
Mit seinem helllichten Himmelsschein
fliegt's mitten zwischen sie hinein:
Ihr kleines Volk, nun bin ich da -
glaubt ihr an mich? Sie rufen: Ja!
Da nickt's mit seinem lieben Gesicht
und herzt die Armen und ziert sich nicht.
Dann klatscht's in die Hände, schlingt den Arm
ums nächste - aufwärts schwirrt der Schwarm
ihm nach und hoch ob Wald und Wies'
ganz graden Weges ins Paradies.

Autor: Ferdinand Ernst Albert Avenarius

O selige Nacht
O selige Nacht! In himmlischer Pracht
erscheint auf der Weide ein Bote der Freude
den Hirten, die nächtlich die Herde bewacht.

Wie tröstlich er spricht: O fürchtet euch nicht!
Ihr waret verloren, heut ist euch geboren
der Heiland, der allen das Leben verspricht.

Seht Bethlehem dort, den glücklichen Ort!
Da werdet ihr finden, was wir euch verkünden,
das sehnlich erwartete göttliche Wort.

Autor: Christoph Bernhard Verspoel

Weihnachtslied
Ein Kindlein ist gekommen
Vom hohen Himmelssaal,
Das hat hinweggenommen
Der Erde Weh und Qual.

In einer Krippe liegen
Sieht man das Gotteskind,
In dem sich niederbiegen
Der Esel und das Rind.

Damit wir Frieden hätten
Von unsrer Sünde Last,
Ließ sich so niedrig betten
Der königliche Gast.

Da hörten frohe Märe
Die Hirten auf dem Feld,
Daß uns geboren wäre
Der Heiland aller Welt.

Des Dankes Lieder klangen
Zum Himmel nah und fern;
Viel Tausend Englein sangen:
Lob, Ehr' und Preis dem Herrn!

Autor: Karl Friedrich Adolf Konrad Bartsch

In dem Lichte wohnt das Heil
In dem Lichte wohnt das Heil,
Doch der Pfad ist uns verloren
Oder unerklimmbar steil.
Wenn wir außer uns ihn steigen
Werden wir am Abgrund schwindeln
Aber in uns selbst, da zeigen
Klar und rein die Pfade sich
Glauben, Hoffen, Lieben, Schweigen,
Laß uns diese Pfade steigen,
Daß wir nicht am Abgrund schwindeln.
Wollte Gott herab sich neigen
Und uns seine Hände reichen,
Sieh den Gottessohn in Windeln!

Autor: Clemens Brentano

Den Blick ins Herz und frage dich,
Den Blick ins Herz und frage dich,
Ob drinnen aufgestellt
Die Krippe mit dem Christuskind,
Dem Herren aller Welt,
Und ob das Kreuz dabei nicht fehlt
Mit seinem blut'gen Schein;
Für Bethlehem und Golgatha
Muß Raum im Herzen sein!

Und dann hinaus in alle Welt!
Und wo noch weilt die Nacht,
Verkünde du als Morgenstern
Den Tag, den Gott gemacht!
Gründ' überall ein Bethlehem,
Wo man die Krippe sieht,
Und überall ein Golgatha,
Wo man am Kreuze kniet.

Autor: Julius Sturm

Weihnacht
Nun hör, wer Ohren
Zu hören hat,
Christ ist geboren
In Davids Stadt.
Der konnt uns bringen
Das Heil allein,
Des wolln wir singen
Und fröhlich sein.
Gloria Deo!

Und laßt euch sagen
Das Wunder groß:
Es ward getragen
Im reinsten Schoß
Der nie verloren
Die Jungfrauschaft
Und doch geboren
In Gottes Kraft.
Gloria Deo!

Nun ist gebrochen
Des Satans Macht,
Was Gott gesprochen,
Hat er vollbracht,
All was auf Erden,
Seis noch so fern,
Soll selig werden
Durch Christ, den Herrn
Gloria Deo!

Und Schmerz und Leiden
Und Schmach und Spott,
Nichts kann uns scheiden
Von unserm Gott.
Drum hebt die Hände,
Und fern und nah
Jauchzt ohne Ende
Der Herr ist da –
Gloria Deo!

Autor: Helene Most

An der Krippe
Kleiner Knabe, großer Gott,
schönste Blume, weiß und rot,
von Maria neugeboren,
unter tausend auserkoren,
allerliebstes Jesulein,
lasse mich dein Diener sein!

Nimm mich an, geliebtes Kind,
und befiel mir nur geschwind,
rege deine süßen Lippen,
rufe mich zu deiner Krippen:
tu mir durch deinen holden Mund
deinen liebsten Willen kund.

Dir soll meine Seel' allzeit
samt den Kräften sein bereit,
und mein Leib mit allen Sinnen
soll nichts ohne dich beginnen;
mein Gemüte soll an dich
denken jetzt und ewiglich.

Nimm mich an, o Jesu mein,
denn ich wünsche dein zu sein!
Dein verleib' ich, weil ich lebe,
dein, wenn ich den Geist aufgebe.
Wer dir dient, du starker Held,
der beherrscht die ganze Welt.

Autor: Angelus Silesius

Gebet eines kleinen Knaben an den heiligen Christ
Du lieber heil'ger frommer Christ,
Der für uns Kinder kommen ist,
Damit wir sollen weiß und rein
Und rechte Kinder Gottes sein,

Du Licht vom lieben Gott gesandt
In unser dunkles Erdenland,
Du Himmelskind und Himmelschein,
Damit wir sollen himmlisch sein:

Du lieber heil'ger frommer Christ,
Weil heute dein Geburtstag ist,
Drum ist auf Erden weit und breit,
Bei allen Kindern frohe Zeit.

O segne mich! ich bin noch klein,
O mache mir den Busen rein!
O bade mir die Seele hell
In deinem reichen Himmelsquell!

Daß ich wie Engel Gottes sei
In Demut und in Liebe treu,
Daß ich dein bleibe für und für,
Du heil'ger Christ, das schenke mir!

Autor: Ernst Moritz Arndt

Das Wunder kommt
Schwarz ist die Nacht; es kracht das Eis;
Die ganze Welt ist eingeschneit;
Es steht kein Stern am Himmel,
Am Himmel.

Da sieh: es blitzt ein zitternd Licht,
Ein Stern blitzt aus dem Schwarz heraus,
Ein roter Stern von Golde,
Von Golde.

So hat dereinst der Stern geblitzt,
Nach dem die heiligen Drei gereist
Mit Weihrauch und mit Myrrhen,
Mit Myrrhen.

Den Heiland hat der Stern gebracht;
In dieser Nacht zerbrach das Eis;
Das Wunder kommt: Der Frühling,
Der Frühling.

Autor: Otto Julius Bierbaum

Weihnachtsstimmen
Unter tiefem Schnee die Welt,
Doch im Herzen Blühn und Sprossen -
Sternenlicht vom Himmelszelt
Auf die Erde ausgegossen -
Fromme Hirten hier im Tal,
Dort des Welterlösers Krippe:
Heil'ge Nacht voll Licht und Strahl,
Feiernd grüßt dich jede Lippe!

Heil'ge Nacht, du süße Nacht,
Nacht der grünen Tannenbäume,
Wo die Engel halten Wacht
Über goldne Kinderträume,
Wo die ärmste Menschenbrust
Sich dem heil'gen Licht erschließet,
Das vom Himmel unbewusst
Weihnachtsfreuden niedergießet:

Führe du gen Bethlehem
Heute noch die frommen Hirten;
Kön'ge von Jerusalem,
Bringet Weihrauch, bringet Myrten:
Zeigt es, dass der große Streit,
Der die Menschen trennt nur Lüge,
Dass die Liebe Blumen streut
Auf des ärmsten Kindes Wiege! -

Engel grüßen euch daraus; -
Habt ihr nicht den Ruf vernommen:
Treten in des Armen Haus,
Lasst die Kindlein zu euch kommen!?
Jedes Kind ein Christuskind,
Dessen Herz noch rein vor Lüge,
Und die Hütten Bethlehems sind
Wo die Armut in der Wiege.

Drum, ihr Hirten, nehmt den Stab
Und verlasset eure Herden:
Zieht gen Bethlehem hinab:
Fried' und Freud sei auf Erden!
Denn es leuchtet hell der Stern,
Dem zu folgen euch beschieden:
Gebt die Ehre Gott dem Herrn -
Aber seiner Welt den Frieden!

Autor: Rudolf Bunge

Zigeuners Weihnachten
Durch das Dunkel des Walds überm Tannenreis,
da flackerts wie Lichter so brennend und heiß,
da traben die Wölfe und bellen und schrein
mir eine einsame Christnacht ein,
denn heut soll der Heiland geboren sein.

Müd' lös ich die Riemen am rissigen Schuh
und lausch den verlorenen Glocken zu.
Durch so viele Lande ich auch schon schritt,
stets zog mir das liebliche Märchen mit,
dass ein Gott am Kreuze für mich auch litt.

Und plötzlich werden die Augen mir nass,
ich wein und bete und weiß nicht, was.
O du Gottessohn, du Marienkind,
erbarm dich der Seelen in Wald und Wind,
die so wie ich in der Irre sind...

Autor: Georg Busse-Palma

Die Hirten
Hirten wachen im Feld;
Nacht ist rings auf der Welt;
Wach sind die Hirten alleine
Im Haine.

Und ein Engel so licht
Grüßet die Hirten und spricht:
Christ, das Heil aller Frommen,
Ist kommen!

Engel singen umher:
Gott im Himmel sei Ehr!
Und den Menschen hienieden
Sei Frieden!

Eilen die Hirten fort,
Eilen zum heiligen Ort,
Beten an in den Windlein
Das Kindlein.

Autor: Peter Cornelius

Die Könige
Drei Könige wandern aus Morgenland,
ein Sternlein führt sie zum Jordanstrand,
in Juda fragen und forschen die drei,
wo der neugeborne König sei.
Sie wollen Weihrauch, Myrrhen und Gold
zum Opfer weihen dem Kindlein hold.

Und hell erglänzet des Sternes Schein,
zum Stalle gehen die Könige ein,
das Knäblein schauen sie wonniglich,
anbetend neigen die Könige sich,
sie bringen Weihrauch, Myrrhen und Gold
zum Opfer dar dem Knäbelein hold.

O Menschenkind, halte treulich Schritt,
die Könige wandern, o wandere mit!
Der Stern des Friedens, der Gnade Stern
erhelle dein Ziel, wenn du suchest den Herrn;
und fehlen dir Weihrauch, Myrrhen und Gold,
schenke dein Herz dem Knäblein hold!

Autor: Peter Cornelius

Weihnachtsglocken
Tauchet, heil'ge Klänge, wieder
ganz in meinen Glauben mich!
Quellet, quellt, ihr alten Lieder:
füllet ganz mit Reinheit mich!

Daß ich in die Kniee fallen,
Ein Mal wieder beten kann,
Ein Mal wie ein Kind noch lallen
und die Hände falten kann!

Denn ich fühl's: die Liebe lebet,
die in Ihm geboren worden,
ob sie gleich in Rätseln schwebet,
ob gleich Er gekreuzigt worden;

denn ich sehe fromm sie werden –
heute, Ewig fromm – die Menschen,
wenn es klinget: Fried' auf Erden
und ein Wohlgefall'n den Menschen!

Autor: Richard Dehmel

Herein
Das Glöcklein erklingt: Ihr Kinder, herein!
Kommt alle, die Türe ist offen!
Da steh'n sie, geblendet vom goldigen Schein,
von Staunen und Freude betroffen.
Wie schimmert und flimmert von Lichtern der Baum!
Die Gaben zu greifen, sie wagen's noch kaum,
sie steh'n wie verzaubert in seligem Traum. -
So nehmt nur mit fröhlichen Händen,
ihr Kleinen, die köstlichen Spenden!

Und mächtig ertönen die Glocken im Chor,
zum Hause des Herrn uns zu rufen:
Das Fest ist bereitet und offen das Tor,
heran zu den heiligen Stufen!
Und steht ihr geblendet vom himmlischen Licht,
und faßt ihr das Wunder, das göttliche, nicht:
Ergreift, was die ewige Liebe verspricht,
und laßt euch den seligen Glauben,
ihr Kinder des Höchsten, nicht rauben!

Und hat er die Kinder nun glücklich gemacht,
die großen so gut wie die kleinen,
dann wandert der Engel hinaus in die Nacht,
um anderen zum Gruß zu erscheinen.
Am Himmel, da funkeln die Sterne so klar,
auf Erden, da jubelt die fröhliche Schar. -
So tönen die Glocken von Jahr zu Jahr,
so klingt es und hallt es auch heute,
o seliges Weihnachtsgeläute!

Autor: Karl von Gerok

Weihnachtsode
Die Nacht ist hin, nun wird es Licht,
Da Jacobs Stern die Wolken bricht.
Ihr Völker, hebt die Häupter auf
Und merkt der goldnen Zeiten Lauf!

Du süßer Zweig aus Jesse Stamm,
Mein Heil, mein Fürst, mein Schatz, mein Lamm,
Ach, schau doch hier mit Freuden her,
Wie mein Herz die Wiege wär!

Ach komm doch, liebster Seelenschatz!
Der Glaube macht dir reinen Platz,
Die Liebe steckt das Feuer an,
Das auch den Stall erleuchten kann.

Ihr Töchter Salems, küßt den Sohn!
Des Höchsten Liebe brennet schon.
Kommt, küßt das Kind! Es stillt den Zorn.
Ach, nun erhebt der Herr mein Horn!

Autor: Johann Christian Günther

Weihnachtsglocken
Hörst du, wie die Glocken klingen?
Hörst du rings der Lieder Pracht?
Wieder kommt auf Engels Schwingen
ernst und still die „Heilge Nacht“.

Auf die frosterstarrten Wälder,
auf der Heide ödes Grab,
auf die Städte, auf die Felder
sinkt es wie ein Lenz herab.

Denn die Liebe ward geboren,
um zu sühnen jede Schuld;
alle, selbst die sie verloren,
nimmt sie auf mit gleicher Huld.

Komm o komm zu uns hernieder,
lang erwartet Gotteskind!
Gib uns Mut und Tröstung wieder,
die uns lang entschwunden sind.

Autor: Johann Nepomuk Vogl

Christnacht
Es steht ein Stern verloren
Hoch über einem Haus;
Drin ist ein Kind geboren:
Ein Licht geht von ihm aus.

Von wenigen vernommen
Tönt eine Botschaft fern:
Die Weisen und die Frommen
Verkünden jenen Stern.

Da lauschen alle Ohren,
Zu denen Kunde dringt:
Wo ist der Mensch geboren,
Der mir Erlösung bringt?

Die Stätte zu betreten,
Welch Weges muss ich ziehn?
Das Wunder anzubeten,
Wo gläubig niederknien?

Autor: Hedwig Lachmann

Das Wunder der Heiligen Nacht
Dies ist der Tag, den Gott gemacht,
sein werd' in aller Welt gedacht;
ihn preise, was durch Jesus Christ
im Himmel und auf Erden ist.


Die Völker haben dein geharrt,
bis dass die Zeit erfüllet ward;
da sandte Gott von seinem Thron
das Heil der Welt, dich, seinen Sohn.


Wenn ich dies Wunder fassen will,
so steht mein Geist vor Ehrfurcht still;
er betet an und er ermisst,
dass Gottes Lieb' unendlich ist.


Damit der Sünder Gnad' erhält,
erniedrigst du dich, Herr der Welt,
nimmst selbst an unsrer Menschheit teil,
erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil.


Du, unser Heil und höchstes Gut,
vereinest dich mit Fleisch und Blut,
wirst unser Freund und Bruder hier,
und Gottes Kinder werden wir.


Dies ist der Tag, den Gott gemacht,
sein werd' in aller Welt gedacht;
ihn preise, was durch Jesus Christ
im Himmel und auf Erden ist.

Autor: Friedrich von Bodelschwingh

Heilige Nacht
Das Licht wird aus dem Schloss der Nacht geboren,
es leuchten Sterne nur auf dunklem Grunde,
drum, Menschenkind, gib nimmer dich verloren
und harr’ getrost der weihnachtlichen Stunde!

Wenn du beharrst, es nah’n auch deiner Kammer
dereinst die Hirten mit der frohen Kunde -
die Nacht wird hell, es schwinden Not und Jammer,
und Lobgesang tönt von der Engel Mund.

Autor: Gerhard von Amyntor

Weihnachten
Wenn ich in Bethlehem wär,
du Christuskind,
lief ich zur Krippe hin,
o wie geschwind!

Drinnen liegst du auf Heu,
auf hartem Stroh,
blickst uns doch an so treu,
so lieb und froh!

Und wer nur recht dich liebt,
Groß oder Klein,
der ist nie mehr betrübt,
soll sich stets freu'n.
Kann ich denn nicht zu dir,
zur Krippe gehn,
kommst du doch gern zu mir,
kannst hier mich sehn.

Sieh in mein Herz hinein,
ob's recht dich liebt,
mit allen Kräften sein',
sich dir ergibt.

Autor: Wilhelm Hey

Hinweis:

Unsere Gedichte-Sammlung wird durch unsere fleißigen Besucher in der Weihnachtszeit stets erweitert. Mach auch Du mit und trage christliche Weihnachtsgedichte ein, die auf unserer Seite bisher nicht zu finden sind. Gedicht eintragen

0.0 von 5 – Wertungen: 0