Weihnachtslied
Kategorie: Christliche Weihnachtsgedichte
Weihnachtslied
Ein Kindlein ist gekommenAutor: Karl Friedrich Adolf Konrad Bartsch
Vom hohen Himmelssaal,
Das hat hinweggenommen
Der Erde Weh und Qual.
In einer Krippe liegen
Sieht man das Gotteskind,
In dem sich niederbiegen
Der Esel und das Rind.
Damit wir Frieden hätten
Von unsrer Sünde Last,
Ließ sich so niedrig betten
Der königliche Gast.
Da hörten frohe Märe
Die Hirten auf dem Feld,
Daß uns geboren wäre
Der Heiland aller Welt.
Des Dankes Lieder klangen
Zum Himmel nah und fern;
Viel Tausend Englein sangen:
Lob, Ehr' und Preis dem Herrn!
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Biografischer Kontext des Autors
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Bartschs "Weihnachtslied" ist ein klassisches Beispiel für ein erzählendes Kirchenlied, das die christliche Weihnachtsbotschaft in einfachen, aber kraftvollen Bildern verdichtet. Das Gedicht folgt einer klaren theologischen Erzählung: Es beginnt mit der kosmischen Herkunft des "Kindleins" aus dem "Himmelssaal" und benennt sofort den zentralen Heilsgedanken – die Aufhebung von "Weh und Qual" der Erde. Diese universale Rettungstat kontrastiert der Autor bewusst mit der äußersten Niedrigkeit der Szenerie: Die Krippe, das strohige Bett, die anwesenden Tiere. Diese Demut Gottes wird als bewusste Entscheidung des "königlichen Gastes" dargestellt, um den Menschen Frieden von der "Sünde Last" zu schenken.
Spannend ist die gewählte Perspektive. Das Gedicht wechselt von der allgemeinen Erzählung ("Ein Kindlein ist gekommen") zur konkreten Szene ("Sieht man das Gotteskind") und schließlich zur persönlichen Einbeziehung des Lesers ("Damit wir Frieden hätten"). Die frohe Botschaft erreicht zuerst die einfachen Hirten, die gesellschaftlich am Rande standen, was die umfassende, alle einschließende Bedeutung der Geburt unterstreicht. Der krönende Abschluss ist ein himmlischer Lobgesang, der die irdische Szene mit dem Kosmos verbindet und die angemessene Antwort auf das Wunder beschreibt: "Lob, Ehr' und Preis dem Herrn!" Die Struktur ist somit eine Bewegung vom Himmel zur Erde und wieder zurück zum Himmel, getragen von Dankbarkeit.
Biografischer Kontext des Autors
Karl Friedrich Adolf Konrad Bartsch (1855 - 1908) war ein bedeutender deutscher Literaturhistoriker und Mediävist. Anders als viele Dichter von Weihnachtsliedern war er primär ein Wissenschaftler, der sich der Erforschung und Edition mittelalterlicher deutscher und romanischer Literatur verschrieben hatte. Sein Hauptwerk, die Sammlung "Deutsche Liederdichter des zwölften bis vierzehnten Jahrhunderts", ist bis heute eine wichtige Quelle. Dieses Fachwissen prägte offenbar auch sein dichterisches Schaffen.
Sein "Weihnachtslied" atmet den Geist der Volksliedhaftigkeit und Einfachheit, die er aus den mittelalterlichen Vorlagen kannte. Bartsch schuf hier kein komplexes Kunstgedicht, sondern ein liedhaftes, leicht memorierbares und sangbares Werk, das in der Tradition der geistlichen Volkspoesie steht. Es verbindet die tiefe Gläubigkeit seiner Zeit mit dem Streben nach sprachlicher Klarheit und eingängiger Rhythmik, die er aus seiner wissenschaftlichen Arbeit mit historischen Texten schätzte. Das Gedicht ist somit ein interessantes Zeugnis dafür, wie akademische Beschäftigung mit alter Literatur in neues, volkstümliches Schaffen einfließen kann.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine warme, hoffnungsvolle und friedvolle Stimmung, die von tiefer Ehrfurcht durchzogen ist. Der einfache, fließende Rhythmus und die klaren Reime vermitteln ein Gefühl der Geborgenheit und Ordnung. Bilder wie die "Krippe", der "Esel und das Rind" und die "Hirten auf dem Feld" wecken idyllische und besinnliche Assoziationen. Gleichzeitig transportieren Worte wie "Himmelssaal", "Gotteskind" und "königlicher Gast" eine feierliche und erhabene Würde.
Der zentrale emotionale Drehpunkt ist die Spannung zwischen der Niedrigkeit der Umstände und der unermesslichen Bedeutung des Geschehens. Diese Spannung löst sich in dankbarer Freude und befreiendem Frieden auf, der in den "frohen Mären" der Hirten und dem jubelnden Engelsgesang gipfelt. Die Stimmung ist daher nicht ausgelassen oder laut, sondern eher eine stille, innige Freude, gemischt mit demütigem Staunen über das göttliche Wunder.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Absolut. Die zentralen Fragen, die das Gedicht aufwirft, sind zeitlos: die Sehnsucht nach Frieden, die Suche nach Erlösung von persönlicher und gesellschaftlicher "Last" und die Hoffnung auf einen Neuanfang. In einer oft hektischen und konfliktreichen Welt spricht die Botschaft von einem Frieden, der aus Demut und Einfachheit erwächst, nach wie vor viele Menschen an.
Moderne Parallelen lassen sich in der Wertschätzung des Einfachen und Authentischen ziehen, einem Gegenentwurf zur materiellen Überfülle. Die Figur des "königlichen Gastes", der sich in ärmlichster Umgebung finden lässt, kann heute als starkes Symbol für Bescheidenheit und die Würde des Unscheinbaren gelesen werden. Die Frage, wo wahre Bedeutung und Rettung zu finden sind – in äußerem Glanz oder in inneren Werten – bleibt höchst relevant. Das Gedicht lädt dazu ein, in der Weihnachtszeit inne zu halten und über diese grundlegenden menschlichen Themen nachzudenken.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Sprachlich ist das Gedicht als leicht bis mittelschwer einzustufen. Der Satzbau ist klar und überwiegend parataktisch, also aneinandergereiht. Der Wortschatz ist größtenteils allgemein verständlich und der Gegenwartssprache nah, auch wenn Begriffe wie "Weh und Qual", "Märe" (für Botschaft, Kunde) oder "Ehr'" heute etwas altertümlich klingen. Diese Worte sind jedoch aus dem Kontext leicht erschließbar und tragen zum feierlichen Charakter bei.
Die größte Herausforderung liegt nicht im Verständnis der Worte, sondern im Nachvollziehen der theologischen Konzepte wie "Sünde Last" oder der Bedeutung der Menschwerdung Gottes. Für Leser ohne christlichen oder kirchengeschichtlichen Hintergrund bedarf diese Ebene vielleicht einer kurzen Erklärung. Die sprachliche Zugänglichkeit selbst ist jedoch hoch, was das Gedicht gut vorlesbar und für viele Altersgruppen geeignet macht.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht ist perfekt für verschiedene weihnachtliche Anlässe geeignet. Sein klassischer, andächtiger Charakter macht es zu einer ausgezeichneten Wahl für:
- Den Gottesdienst oder eine Christvesper am Heiligabend.
- Das familiäre Weihnachtsfest, etwa als festlicher Beitrag vor der Bescherung.
- Schulfeiern oder Adventssingen in der Grundschule oder Sekundarstufe.
- Seniorennachmittage in der Adventszeit, wo der vertraute Ton und die Botschaft besonders geschätzt werden.
- Private Advents- oder Weihnachtslesungen im kleinen Kreis, um eine besinnliche Stimmung zu schaffen.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht eignet sich für ein breites Altersspektrum. Aufgrund seiner einfachen Bilder und des eingängigen Rhythmus können es Kinder ab dem Grundschulalter (etwa 6-7 Jahre) schon verstehen und genießen, besonders wenn die zentralen Begriffe kurz erklärt werden. Die erzählende Struktur von Engeln, Hirten und dem Kind in der Krippe spricht sie direkt an.
Für Jugendliche und Erwachsene erschließt sich zusätzlich die tiefere theologische und emotionale Dimension. Die Reflexion über Frieden und Erlösung gewinnt mit zunehmender Lebenserfahrung an Bedeutung. Auch für Senioren ist das Gedicht mit seinem traditionellen, liedhaften Duktus oft sehr vertraut und wertgeschätzt. Es ist somit ein generationenübergreifendes Werk.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Das Gedicht eignet sich weniger für Menschen, die eine explizit nicht-christliche oder säkulare Feier der Weihnachtszeit suchen, da sein Inhalt zentral auf der christlichen Heilsgeschichte basiert. Auch für Leser, die moderne, experimentelle oder kritisch-hinterfragende Lyrik bevorzugen, könnte der traditionelle, ungebrochen gläubige und erzählende Stil zu konventionell wirken.
In sehr lockeren oder rein geselligen Weihnachtsfeiern, bei denen der Fokus ausschließlich auf Unterhaltung und Party liegt, könnte der andächtige und besinnliche Ton des Gedichts fehl am Platz sein. Es ist eindeutig ein Werk für Momente der Stille, der Reflexion und des Glaubens.
Wie lang dauert der Vortrag?
Ein ruhiger und bedächtiger Vortrag des gesamten Gedichts, bei dem du die schönen Bilder und die feierliche Stimmung wirken lässt, dauert etwa 45 bis 60 Sekunden. Wenn du es besonders langsam und betont vorliest, um jede Strophe wirken zu lassen, kann es auch knapp über eine Minute dauern. Ein flüssigerer, aber dennoch würdevoller Lesevortrag liegt sicherlich unter einer Minute. Die Länge macht es perfekt für einen kurzen, aber inhaltlich dichten Beitrag innerhalb eines größeren Programms.
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