Schöne Weihnachtsgedichte
Wenn im Dezember das besinnliche Weihnachtsfest vor der Tür steht, schreibt so mancher Karten an Freunde und Verwandte. Ein schönes Weihnachtsgedicht kann diese Weihnachtsgrüße abrunden. Passende Gedichte behandeln die besinnliche Zeit auf eine besonders kreative Art.
Wenn draußen der erste Schnee fällt, der Christbaum geschmückt wird, sich Gedanken über Geschenke gemacht werden und die Weihnachtszeit dazu genutzt wird, um an seine Liebsten zu denken, eignen sich schöne Weihnachtsgedichte perfekt, um diese Stimmung einzufangen und zu beschreiben. Viele Gedichte sind warmherzig und vermitteln eine positive Botschaft. Aber auch Verse mit Witz und Humor wissen zu gefallen.
Ein schönes Weihnachtsgedicht kann daher humorvoll, stimmungsvoll oder nachdenklich sein. Meist machen weihnachtliche Gedichte Motive wie den Weihnachtsbaum, das Christkind, Engel, Geschenke oder den Schnee aus. Beliebte Themen sind Familie, Gemeinschaft, Nächstenliebe sowie ein positiver Ausblick auf das kommende Jahr. Diese Motive und Themen machen ein schönes Weihnachtsgedicht aus. Doch seinen Feinschliff bekommt es durch einen tollen Schreibstil und natürlich durch seine Reime.
Wer zu Weihnachten die Herzen seiner Liebsten berühren möchte, der kann auf schöne Weihnachtsgedichte zurückgreifen, wie sie auf unserer Seite zu finden sind. Da wir eine recht breite Auswahl zur Verfügung stellen, dürfte für zahlreiche Vorlieben ein geeignetes Gedicht zu finden sein. Wir wünschen viel Freude damit!
Inhaltsverzeichnis
- Schöne Weihnachtsgedichte
- Was macht ein Weihnachtsgedicht schön? Ästhetische Qualität erklärt
- Sprachliche Eleganz und poetische Schönheit
- Emotionale Resonanz: Wenn Weihnachtsgedichte das Herz berühren
- Harmonie und Ausgewogenheit in der Komposition
- Universelle Schönheit vs. persönlicher Geschmack
- Wie du die Schönheit eines Weihnachtsgedichts anderen vermittelst

Schöne Weihnachtsgedichte
Vorfreude auf Weihnachten
Ein Kind – von einem Schiefertafel-SchwämmchenAutor: Joachim Ringelnatz
Umhüpft – rennt froh durch mein Gemüt.
Bald ist es Weihnacht! – Wenn der Christbaum blüht,
Dann blüht er Flämmchen.
Und Flämmchen heizen. Und die Wärme stimmt
Uns mild. – Es werden Lieder, Düfte fächeln. -
Wer nicht mehr Flämmchen hat, wem nur noch Fünkchen glimmt,
Wird dann doch gütig lächeln.
Wenn wir im Traume eines ewigen Traumes
Alle unfeindlich sind – einmal im Jahr! –
Uns alle Kinder fühlen eines Baumes.
Wie es sein soll, wie’s allen einmal war.
Weihnacht
Wenn in den ersten blauen AbendtraumAutor: Ernst Goll
Mit süßem Klang die Feierglocken läuten,
Entzünden wir an unserm Weihnachtsbaum
Die hundert Lichter, die das Glück bedeuten.
Doch einer Kerze andachtsvolles Licht
Lass uns den Göttern weihen und vertrauen,
Dass sie aus ihrer seligen Höhe nicht
Mit Neid auf diese milde Stunde schauen.
Dann seh’n wir schweigend in den hellen Glanz
Und wagen nicht, die Hände uns zu reichen.
Dein Aug’ ist feucht. Und ich beginne ganz,
Ganz leise dir das liebe Haar zu streichen.
Christkind im Walde
Christkind kam in den Winterwald,Autor: Ernst von Wildenbruch
der Schnee war weiß, der Schnee war kalt.
Doch als das heil’ge Kind erschien,
fing’s an, im Winterwald zu blühn.
Christkindlein trat zum Apfelbaum,
erweckt ihn aus dem Wintertraum.
„Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart,
schenk Äpfel mir von aller Art!“
Der Apfelbaum, er rüttelt sich,
der Apfelbaum, er schüttelt sich.
Da regnet’s Äpfel ringsumher;
Christkindlein’s Taschen wurden schwer.
Die süßen Früchte alle nahm’s,
und so zu den Menschen kam’s.
Nun, holde Mäulchen, kommt, verzehrt,
was euch Christkindlein hat beschert!
O heiliger Abend
O heiliger Abend,Autor: Karl Gerok
mit Sternen besät,
wie lieblich und labend
dein Hauch mich umweht!
Vom Kindergetümmel,
vom Lichtergewimmel
auf schau ich zum Himmel
im leisen Gebet.
Da funkelt’s von Sternen
am himmlischen Saum,
da jauchzt es vom fernen,
unendlichen Raum.
Es singen mit Schalle
die Engelein alle,
ich lausche dem Halle,
mir klingt’s wie ein Traum.
O Erde, du kleine,
du dämmernder Stern,
dir gleichet doch keine
der Welten von fern!
So schmählich verloren,
so selig erkoren,
auf dir ist geboren
die Klarheit des Herrn!
Weihnachten bei den Großeltern
Heut abend, als wir zu euch gingen,Autor: Jakob Loewenberg
da war in der Luft ein leises Klingen,
da war ein Rauschen, man wußt’ nicht woher,
als ob man in einem Tannenwald wär,
da huschte vorüber und ging nicht aus
ein heimliches Leuchten von Haus zu Haus.
Der Mond kam über die Dächer gesprungen:
"Wohin noch so spät, ihr kleinen Jungen?
Ihr müßt ja zu Bett, was fällt euch ein?"
und lachte uns an mit vollem Schein.
Da lachten wir wieder: "Du alter Klöner,
heut abend ist alles anders und schöner.
Und glaubst du’s nicht, kannst mit uns gehen,
da wirst du ein blaues Wunder sehn."
Da sprang er leuchtend uns voran,
bei diesem Hause hielt er an.
Wir gingen hinein mit froher Begier,
und Klingen und Rauschen und Leuchten ist hier.
Die Weihe der Nacht
Nächtliche Stille!Autor: Friedrich Hebbel
Heilige Fülle,
Wie von göttlichem Segen schwer,
Säuselt aus ewiger Ferne daher.
Was da lebte,
Was aus engem Kreise
Auf ins Weitste strebte,
Sanft und leise
Sank es in sich selbst zurück
Und quillt auf in unbewußtem Glück.
Und von allen Sternen nieder
Strömt ein wunderbarer Segen,
Daß die müden Kräfte wieder
Sich in neuer Frische regen,
Und aus seinen Finsternissen
Tritt der Herr, so weit er kann,
Und die Fäden, die zerrissen,
Knüpft er alle wieder an.
Wintertraum
Christkindlein trat zum Apfelbaum,Autor: Ernst von Wildenbruch
Erweckt ihn aus dem Wintertraum -
"Schenk Apfel süß, schenk Apfel zart,
Schenk Äpfel mir von aller Art!"
Der Apfelbaum, er rüttelt sich,
Der Apfelbaum, er schüttelt sich.
Da regnet’s Äpfel rings umher;
Christkindleins Taschen wurden schwer.
Eine dauerhafte Botschaft
Tief in uns muß Weihnachten sein.Autor: unbekannt
Nur im Herzen kann sie werden
und von hier aus Licht der Erden
dauerhafte Botschaft sein.
Nicht das Wort, das sich bekennt
laut und prahlend vor der Menge
sprengt des Herzens dumpfe Enge,
daß es still sein Heil erkennt.
Laß die Weihnacht in dich ein,
daß ihr Licht dich ganz erfülle!
Und du darfst Gelaß und Hülle
ihrem ew'gen Wunder sein.
Weihnachten bewahren
Das ist Weihnachten bewahren.Autor: Henry van Dyke
Ich beschließe zu vergessen,
was ich für andere getan habe,
und will mich daran erinnern,
was andere für mich taten;
ich will übersehen,
was die Welt mir schuldet,
und daran denken
was ich der Welt schulde.
Ich will erkennen,
daß meine Mitmenschen genauso
wirkliche Wesen sind wie ich,
und will versuchen,
hinter ihren Gesichtern
ihre Herzen zu sehn,
die nach Freude und Frieden hungern.
Ich will das Beschwerdebuch gegen die Leistungen
des Universums schließen
Und mich nach einem Platz umsehen,
wo ich ein paar Saaten Glücklichsein säen kann.
Christkindchen
Wo die Zweige am dichtesten hangen,Autor: Anna Ritter
die Wege am tiefsten verschneit,
da ist um die Dämmerzeit
im Walde das Christkind gegangen.
Es mußte sich wacker plagen,
denn einen riesigen Sack
hat's meilenweit huckepack
auf den schmächtigen Schultern getragen.
Zwei spielende Häschen saßen
geduckt am schneeigen Rain.
Die traf solch blendender Schein,
daß sie das Spielen vergaßen.
Doch das Eichhorn hob schnuppernd die Ohren
und suchte die halbe Nacht,
ob das Christkind von all seiner Pracht
nicht ein einziges Nüßchen verloren.
Heiliger Morgen
Von den Tannen träufelt Märchenduft;Autor: Otto Ernst
Leise Weihnachtsglocken sind erklungen
Blinkend fährt mein Hammer durch die Luft;
Denn ein Spielzeug zimmr' ich meinem Jungen.
Graue Wolken kämpfen fernen Kampf;
Blau darüber strahlt ein harter Himmel.
Durch die Nüstern stößt den weißen Dampf
Vor der Tür des Nachbars breiter Schimmel.
Kommt Herr Doktor Schlapprian daher,
Zigaretten- und Absinthvertilger!
Voll erhab'nen Hohns lächelt er,
Hirn- und lendenlahmer Abwärtspilger.
Spöttisch grüßend schlendert er dahin
Und - verachtet mich, den blöden Gimpel,
Der gefügig spannt den dumpfen Sinn
In die Enge, ein Familiensimpel.
Rote Sonne überm Schneegefild:
Und das weite Feld ein Sterngewimmel!
Und ins Auge spann ich euer Bild,
Wundererde - unerforschter Himmel.
Und den frischen, kalten, klaren Tag
Saug' ich ein mit gierig starken Lungen
Pfeifend trifft mein Hammer Schlag um Schlag,
Und ein Spielzeug zimmr' ich meinem Jungen.
Weihnachtsgedicht
Für euch, o Kinder, blüht das Fest der Feste,Autor: Hermann Ritter von Lingg
Was bringt's wohl diesmal? Welch ein Meer von Licht?
Könnt ihr's erwarten? Wißt, das Allerbeste,
Das habt ihr schon. Das ist's: ihr wißt's noch nicht.
Was wir zum Spiel, was wir zum Ernst euch geben,
Als reine Freude gebt ihr's uns zurück.
Das ist das Beste, daß es eurem Leben
Noch Wahrheit ist und ungetrübtes Glück.
Noch goldne Früchte trägt an seinen Zweigen
Für euch der Tannbaum, der im Wintergraun
Und einsam steht im Wald mit ernstem Schweigen,
Auf den die goldnen Sterne niederschaun.
Ein ganzes Jahr mit vielen, vielen Tagen
Erglänzt an dieses Tages Widerschein.
Mög' jeder Ernst euch goldne Früchte tragen
Und jedes Spiel euch lehren, froh zu sein.
O Tannenbaum
O Tannenbaum, O Tannenbaum,Autor: Ernst Gebhard Salomon Anschütz
Wie treu sind deine Blätter.
Du grünst nicht nur zur Sommerzeit,
Nein auch im Winter wenn es schneit.
O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Wie grün sind deine Blätter!
O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Du kannst mir sehr gefallen!
Wie oft hat schon zur Winterszeit
Ein Baum von dir mich hoch erfreut!
O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Du kannst mir sehr gefallen!
O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Dein Kleid will mich was lehren:
Die Hoffnung und Beständigkeit
Gibt Mut und Kraft zu jeder Zeit!
O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Dein Kleid will mich was lehren.
Weihnacht
Ich bin der Tischler Josef,Autor: Klabund
Meine Frau, die heißet Marie.
Wir finden kein' Arbeit und Herberg'
Im kalten Winter allhie.
Habens der Herr Wirt vom goldnen Stern
Nicht ein Unterkunft für mein Weib?
Einen halbeten Kreuzer zahlert ich gern,
Zu betten den schwangren Leib.
Ich hab kein Bett für Bettelleut;
Doch scherts euch nur in den Stall.
Gevatter Ochs und Base Kuh
Werden empfangen euch wohl.
Wir danken dem Herrn Wirt für seine Gnad
Und für die warme Stub.
Der Himmel lohns euch und unser Kind,
Seis Madel oder Bub.
Marie, Marie, was schreist du so sehr?
Ach Josef, es sein die Wehn.
Bald wirst du den elfenbeinernen Turm,
Das süßeste Wunder sehn.
Der Josef Hebamme und Bader war
Und hob den lieben Sohn
Aus seiner Mutter dunklem Reich
Auf seinen strohernen Thron.
Da lag er im Stroh. Die Mutter so froh
Sagt Vater Unserm den Dank.
Und Ochs und Esel und Pferd und Hund
Standen fromm dabei.
Aber die Katze sprang auf die Streu
Und wärmte zur Nacht das Kind.
Davon die Katzen noch heutigen Tags
Maria die liebsten Tiere sind.
Am Weihnachtsabend
Ach, wie unendlich lang ist heut' der Tag!Autor: Julius Sturm
Die Kinder zählen jeden Glockenschlag.
Nun endlich doch verglüht hoch über'm Tal
Im Westen sanft der Sonne gold'ner Strahl.
"Sieh, Schwesterlein, nun wird es draußen Nacht;
Schon ist ein gold'nes Sternlein aufgemacht.
Ein zweites jetzt und mehr und immer mehr.
Dort wohnt das Christkind mit dem Engelheer."
Die Kleinste spricht: "Kennt ich nur seinen Stern!
Vom Himmel fliegen säh ich's zu gern;
Doch weiß ich wohl, die Mutter sieht's allein,
Es huscht ganz heimlich in das Haus hinein."
"Horch! Hörst du's knistern?" Und sie atmen kaum,
"Gewiss, das Christkind bringt den Tannenbaum!
Er brennt! Er brennt!" Es fällt ein heller Schein.
Durchs Schlüsselloch ins dunkle Kämmerlein.
Nun spürt man schon der Tanne würz'gen Hauch.
Der Bruder fragt: "Kannst du dein Sprüchlein auch?
Ich hab' mir mein's soeben aufgesagt,
Dass ich nicht stocke, wenn das Christkind fragt."
Die Schwester nickt! - Ein helles Glöcklein klang;
Dem kleinen Pärchen wird so wonnigbang.
Die Tür springt auf; aus grüner Zweige Kranz
Strahlt blendend hell der Weihnachtskerzen Glanz.
Und jetzt zum Tisch! Oh, wie das jauchzt und lacht:
"Oh, sieh nur, was das Christkind mir gebracht!"
Die Wangen glühn, die Augen blitzen klar;
Am Hals der Eltern hängt das frohe Paar.
Nun spielen sie am hellen Weihnachtstisch;
Wie bleiben doch die Äuglein heut' so frisch!
Der Sandmann, der zu früher Zeit sonst naht,
Hat sicher heut verfehlt den rechten Pfad.
Doch endlich ruft die Mutter: "Nun ins Nest,
Damit ihr frisch erwacht am Weihnachtsfest!
Zu Bett! Zu Bett!" Die Lichter löschen aus,
Und Engel halten Wacht am stillen Haus.
Auf des Weihnachtsmanns Spuren
In dieser Nacht,Autor: Paul Kaestner
als niemand wacht,
ging durch den Tann'
der Weihnachtsmann.
Sein Sack hing schwer
vom Rücken her
und schleift im Schnee,
ganz deutlich seh'
ich seine Spur,
folgt mir nur!
Hier an diesem Dornenbusch
ging er eine Strecke,
deutlich seh ich's, glaubt ihr's nicht?
Folgt mir um die Ecke!
Aber sacht,
kein Geräusch gemacht!
Hier an diesem Dornenbusch
blieb der Sack ihm hängen,
und er musste mühsam sich
durch das Dickicht zwängen!
Hier an diesem Dornenbusch
ist sein Sack zerrissen!
Aus dem Sack,
klick klack, klick klack
tröpfelte es Nüssen!
Eichhörnchen hat vom Tannenzweig
das Unglück schon gesehen,
doch warnt es nicht den Weihnachtsmann,
es lässt ihn weitergehen.
Er schlägt den Schwanz zum Kringel,
der kleine braune Schlingel,
und klettert flink und munter
vom Tannenbaum herunter.
Nun sitzt es dort in guter Ruh'
am Weihnachtstisch, seht ihm nur zu,
knackt Nüsse sehr bedächtig.
Ihr seht, es schmeckt ihm prächtig!
Vergnügten Gesichts
tat der Alte, als merkte er nichts,
dachte an Kinder und frohe Gesichter,
dachte an Spielzeug und Weihnachtsbaumlichter,
ging indessen zum Wald hinaus.
Immer näher an unser Haus
führte ganz deutlich seine Spur,
denkt euch nur!
"Mutter, Mutter, wir haben's gesehen,
denkt doch, des Weihnachtsmanns Spuren gehen
deutlich bis dicht vor unsere Tür!
Mutter, war er vielleicht schon hier?"
Spricht die Mutter: "Denkt doch mal an,
eben war bei mir der Weihnachtsmann!
Plötzlich hört' ich ein starkes Klopfen,
öffnete selbst, da trat er ein,
bat mich, ich möchte den Sack ihm stopfen,
denkt doch, ihm riss ein Loch hinein!
Und da hat er mir vieles erzählt,
wie ihm dies und jenes gefehlt.
Aber der Sack war doch noch sehr voll,
hat auch gefragt, was er hier lassen soll!?
Sachte, Kinder, hübsch artig immer!
Und geht mir nicht an das Weihnachtszimmer!"
Der Christbaum im Himmel
Da droben, da droben muss Christtag es sein,Autor: Georg Christian Dieffenbach
es leuchten und flimmern die Lichtelein,
viel hundert und tausend, ach, mehr wohl gar,
die glänzen am Himmel so hell und klar.
Dort oben, dort oben wohnt allezeit
Christkindchen in himmlischer Herrlichkeit.
Es hat wohl den Engeln in dunkler Nacht
ein Bäumchen mit flimmernden Lichtern gebracht.
Dort oben, dort oben möchte gerne ich sein,
mich freu'n mit den heiligen Engelein
und wandeln im hellen, im himmlischen Saal
und schauen die flimmernden Lichtlein zumal.
Der Tannenbaum
Im Walde steht ein TannenbaumAutor: Georg Christian Dieffenbach
Mit Nadeln spitz und fein.
Damit näht sich der Distelfink
Sein buntes Röckelein.
Er stehet da, so kerzengrad',
Und grün ist stets sein Kleid,
Im Frühling und im Sommer wohl
Und auch zur Winterzeit.
Christkindlein schickt durch Schnee und Eis
Knecht Ruprecht dann hinaus.
Der schneidet ab den Tannenbaum
Und nimmt ihn mit nach Haus'.
Christkindlein hängt mit zarter Hand
Viel' Nüss' und Äpfel dran,
Und Lichtlein steckt's auf jeden Zweig,
Dazu auch Marzipan.
Und kommt die liebe Weihnachtszeit,
Dann klingelt die Mama. -
Wie steht der grüne Tannenbaum
So bunt und helle da!
Du Tannenbaum im dunklen Wald,
Bald wirst du abgestutzt.
Drum freue dich, dann wirst du auch
Gar herrlich aufgeputzt.
Die verschwundene Puppe
Was war das heute für ein Schreck!Autor: Heinrich Seidel
Denkt euch: Elisabeth ist weg,
die schöne, große Puppe!
Gleich nach der Morgensuppe,
da wollt' ich eilig zu ihr gehn -
oh weh, da war sie nicht zu sehn!
Ich hatte in den Wagen
doch selber sie getragen
und ihr das Kissen fein geklopft
und ihr die Decke eingestopft,
nun war das liebe Bettchen leer -
da schrie sie laut und weinte sehr.
So schön und heil war sie ja noch!
Sie hatte nur im Kopf ein Loch,
auch fehlte die Perücke -
ein Arm ging ihr in Stücke.
Die Nase war zerschmettert,
weil sie so gerne klettert,
dabei vom Schrank gefallen war.
Sonst war sie heil noch ganz und gar.
Ach niemand könnt' mir sagen,
wer sie davongetragen,
die mir so lieb gewesen ist.
Bei Onkel Heinrich fragt' ich an.
Der dachte nach und sagte dann:
"Vielleicht hat sie der Weihnachtsmann
und heilt sie in der Klinik aus,
in seinem Puppenkrankenhaus.
Dort kriegt sie viel Rhabarber ein
und wird dann wieder hübsch und fein.
Vielleicht kommt sie mail wieder
und hat dann heile Glieder,
ein neues Seidenkleid dazu
mit Spitzen - feuerrote Schuh'
und Locken, wie von reinem Gold
und ist so lieb und ist so hold,
daß du sie gar nicht wiederkennst
und sie nur Frau Prinzessin nennst.
Ach, wenn das ist, ach, wenn das wär',
da freut' ich mich erschrecklich sehr,
und tischhoch wollt' ich springen
und wollt' ein Loblied singen
dem lieben, guten Weihnachtsmann,
der alles hat und alles kann!
Weihnacht
Wie haben wir den Winter doch gefürchtet,Autor: Robert Reinick
als ob er selber ein Knecht Ruprecht wär'!
's ist wahr, mitunter zieht er auch Gesichter
und brummt und macht Spektakel, heult ums Haus,
verschüttet Weg und Steg mit Schnee, dass
man nicht weiß wohin und fast im Wald verirrt.
Und was den Frost betrifft, da ist er Meister;
wen er nicht leiden kann, dem macht aus Bosheit
er rote Nasen und verfrorne Füße.
Es ist schon arg; doch ist es einmal so.
Wie aber der Knecht Ruprecht braven Kindern,
die sich nicht fürchten und die Spaß verstehen,
auch Freude bringt, so tut's der Winter auch.
An klaren Tagen, wenn der Teich voll Eis
und alle Felder weiß bedeckt von Schnee,
was ist das eine Lust dann Schlittschuhlaufen
und Schlittenfahren und den Schneemann bau'n!
Und an den schönen langen Abenden,
wie liest man da so still beim Lampenschimmer
und klebt in Pappe, schnitzt sich allerlei!
Und kommt zuletzt der Weihnachtsabend her
mit seinem Markt, mit Buden und Laternen,
da möchte' man, dass es immer Winter bliebe.
Das ist ein Fest, wenn die Bescherung fertig!
Der Vater klingelt und wir Kinder alle,
eins nach dem andern, treten in die Stube,
und vor uns glänzt der Baum mit seinen Lichtern.
Das ist ein Fest! Ach, wär' es nur erst da!
Der Weihnachtsbaum
Steht er da der WeihnachtsbaumAutor: Ernst Moritz Arndt
Wie ein bunter goldner Traum,
Spiegelt Unschuldkinderglück,
All sein Paradies zurück.
Und wir schau'n und denken dann,
Wie uns heut das Heil begann,
Wie das Kindlein Jesus Christ
Heut zur Welt geboren ist;
Wie das Kind von Himmelsart
Lag auf Stroh und Halmen hart,
Wie der Menschheit Hort und Trost
Erdenelend hat erlost.
Also steh'n und schauen wir
Gottes Lust und Gnade hier:
Was uns in dem Kindlein zart
Alles heut geboren ward.
Blüh' denn, leuchte, goldner Baum,
Erdentraum und Himmelstraum,
Blüh' und leucht' in Ewigkeit
Durch die arme Zeitlichkeit!
Sei uns Bild und sei uns Schein,
Daß wir sollen fröhlich sein,
Fröhlich durch den süßen Christ,
Der des Lebens Leuchte ist.
Sei uns Bild und sei uns Schein,
Daß wir sollen tapfer sein
Auf des Lebens Pilgerbahn,
Kämpfend gegen Lug und Wahn.
Sei uns Bild und sei uns Schein,
Daß wir sollen heilig sein,
Rein wie Licht und himmelklar,
Wie das Kindlein Jesus war.
Zu Weihnachten
Das ist der liebe Weihnachtsbaum.Autor: Victor Blüthgen
Ja solch ein Baum!
Der grünt bei Schnee, der glänzt bei Nacht
wie die himmlische Pracht,
trägt alle Jahre seine Last,
Äpfel und Nüsse am selben Ast,
Zuckerwerk obendrein -
so müßten alle Bäume sein!
Nun hat ihn gebracht der Weihnachtsmann,
drei Kinder steh'n und seh'n ihn an.
Das erste spricht:
Der ist doch Weihnacht das Schönste, nicht?
Das andre: Woher an Äpfeln und Nüssen
Gold und Silber wohl kommen müssen?
Ich denk mir, das Christkind faßte sie an,
gleich war Gold oder Silber dran.
Das dritte: Christkind müßte einmal
den ganzen Wald so putzen im Tal;
dann würde gleich aller Schnee zergeh'n,
und dann - das gäb ein Spazierengeh'n!
Des Schiffsjungen Weihnacht
Er wollte fort – hinaus – hinweg –Autor: Alice von Gaudy
die Welt in ihrer Schönheit sehen.
Nun steht er traurig oft auf Deck
und hört den Wind im Segel wehen,
und hört, wie rauschend hoch am Kiel
die wilden Meereswogen quellen ...
So fern die Heimat, fern das Ziel,
und ringsum nichts als Wellen – Wellen. –
... Und heut' ist heil'ges Weihnachtsfest –
jetzt läuten sie daheim die Glocken.
Ob sich ein Christfest denken lässt
auch ohne weiße Winterflocken?
Daheim jetzt der Bescherung Glück,
bei Tannenduft und Lichtgefunkel –
Und hier? – Er kämpft den Schmerz zurück
und flüchtet in der Koje Dunkel.
– Dort sucht er lang im Kasten nach,
bis er den kleinen Zweig gefunden,
den er vom letzten Christbaum brach,
daheim in frohen Weihnachtsstunden.
Braundürre Nadeln knistern leis –
er starrt und starrt – und Tränen blinken,
dann neigt er tief sich auf das Reis
den trauten Waldgeruch zu trinken.
– Eintönig, unablässig rauscht
das Weltmeer an des Schiffes Planken.
Der Knabe hört es nicht. Er lauscht
auf andre Klänge in Gedanken.
Er hört in klarer Winterluft
das „Stille Nacht“ die Seinen singen –
ihn trug des Tannenreises Duft
Zur Heimat auf der Sehnsucht Schwingen.
Der Christbaum
Gott in der Höh' allein sei Ruhm und EhreAutor: Franz Graf von Pocci
Und Menschen guten Willens Freud und Frieden!
Frohlocket, groß und klein! Nun sproßt hienieden
Der Christbaum uns, der ewig grüne, hehre!
Hin starb die Welt, die trost- und liebeleere,
Den Fluren gleich, die Sommerlust gemieden:
Da ward uns jener Heilesbaum beschieden,
Das Kreuz, an Hoffnung reich und sel'ger Lehre.
Licht blüht aus seiner Krone, Himmelsgaben
Trägt er, das Herz durch höhern Trost zu laben
Als aller Weisen Kunst und Erdenschätze.
Denn froh verkündigt ist im Engelliede
Des Höchsten Ehr' und guter Menschen Friede,
Und Liebe heißt die Summe der Gesetze.
Der Weihnachtsbaum
Juchheissassa, juchheissassa,Autor: Robert Reinick
Wir bringen ihn gebracht
Den Christbaum, den Tannenbaum,
Der alles lustig macht!
Du armer, armer Tannenbaum,
Wie war dir draußen weh!
Du strecktest deine Arme aus
Und trugst doch nichts als Schnee!
So sag uns doch, du schmucker Baum,
Was wirst du morgen tragen?
Hoho, so darf man Narren wohl,
Doch keinen Christbaum fragen.
Juchheissassa, juchheissassa!
Wie ist der Schnee so weiß,
Wie grün ist doch der Tannenbaum!
Der weiß schon, was er weiß!
Der Weihnachtsbaum
Schön ist im Frühling die blühende Linde,Autor: Heinrich Seidel
bienendurchsummt und rauschend im Winde,
hold von lieblichen Düften umweht;
schön ist im Sommer die ragende Eiche,
die riesenhafte, titanengleiche,
die da in Wetter und Stürmen besteht;
schön ist im Herbst des Apfelbaums Krone,
die sich dem fleißigen Pfleger zum Lohne
beugt von goldener Früchte Pracht;
aber noch schöner weiß ich ein Bäumchen
strahlt in der eisigen Winternacht.
Keiner kann mir ein schöneres zeigen:
Lichter blinken in seinen Zweigen,
goldene Äpfel in seinem Geäst,
und mit schimmernden Sternen und Kränzen
sieht man ihn leuchten, sieht man ihn glänzen
anmutsvoll zum lieblichen Fest.
Von seinen Zweigen ein träumerisch Düften
weihrauchwolkig weht in den Lüften,
füllet mit süßer Ahnung den Raum!
Dieser will uns am besten gefallen,
ihn verehren wir jauchzend von allen,
ihn, den herrlichen Weihnachtsbaum!
Weihnachtslied
Lieblich wieder durch die WeltAutor: Johannes Trojan
geht die holde Kunde,
die den Hirten auf dem Feld
klang aus Engelsmunde.
Was den Hirten wurde kund,
blieb uns unverloren:
wieder kündet Engelsmund,
daß uns Christ geboren.
Welch ein Glanz durchbricht die Nacht
in des Winters Mitte!
Welche Freude wird gebracht
in die ärmste Hütte!
Winters Nacht und Sorge weicht
hellem Jubel wieder,
und der Himmel wieder steigt
auf die Erde nieder.
Wenn die goldnen Sterne glüh'n
in des Himmels Ferne,
leuchten aus dem Tannengrün
auch viel goldne Sterne.
Haus an Haus mit hellem Schein
flammen auf die Kerzen,
durch die Augen fällt hinein
Licht auch in die Herzen.
Sei willkommen, Weihnachtslust,
kling empor im Liede!
Freude wohn in Menschenbrust,
auf der Erde Friede!
Ein Leuchten
An jedem Haus ein festliches LichtAutor: weihnachtsgedichte.biz
Und auch die Kerzen fehlen nicht
Die Menschen dekorieren reich
Es weihnachtet, das merkt man gleich!
Es leuchtet und strahlt in kalter Nacht
Hinter den Fenstern wird fröhlich gelacht
Und am schönsten leuchtet das Licht
In einem glücklichen Kindergesicht.
Die Plätzchen sind gebacken
Die Plätzchen sind gebacken,Autor: weihnachtsgedichte.biz
jetzt ist es Zeit, die Geschenke zu verpacken.
Bücher, Spielsachen und noch viel mehr –
über ein Geschenk, das von Herzen kommt, freut sich jeder sehr.
Was ich noch viel schöner find?
Dass wir alle zusammen sind.
Am Himmel funkeln grell die Sterne
Am Himmel funkeln grell die Sterne.Autor: weihnachtsgedichte.biz
Glockengeläut dringt aus der Ferne.
Wärme und Besinnlichkeit
machen sich in unsren Herzen breit.
Und wie in einem schönen Traum
steht bunt geschmückt der Weihnachtsbaum.
Überall liegt in der Luft
ein wunderbarer Weihnachtsduft.
Kerzenschein, Freude und Heimlichkeit -
Auf eine schöne Weihnachtszeit.
Was macht ein Weihnachtsgedicht schön? Ästhetische Qualität erklärt
Der Begriff "schön" ist subjektiv und doch gibt es objektive Kriterien, die ein Gedicht ästhetisch ansprechend machen. Bei Weihnachtsgedichten kommen zusätzlich noch spezifische Erwartungen hinzu, die mit dem Fest und seiner Atmosphäre verbunden sind. Die Schönheit eines Weihnachtsgedichts ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
Zunächst ist da die formale Vollendung. Ein schönes Gedicht zeigt handwerkliches Können. Die Reime klingen nicht erzwungen, sondern natürlich. Der Rhythmus fließt, ohne zu stolpern. Die Verse haben eine angenehme Länge - weder abgehackt noch endlos. Die Strophen sind ausgewogen. Diese formale Qualität muss nicht bewusst wahrgenommen werden, aber sie wird gespürt. Ein Gedicht, das handwerklich gut gemacht ist, liest sich leicht, klingt harmonisch, bleibt im Gedächtnis. Das Gegenteil - holprige Reime, unstimmiger Rhythmus, unausgewogene Struktur - stört sofort, auch wenn der Leser vielleicht nicht genau sagen kann, warum.
Ein weiteres Kriterium ist die Bildkraft. Schöne Weihnachtsgedichte malen mit Worten. Sie erzeugen innere Bilder, die lebendig und konkret sind. Wenn ein Gedicht von Schnee spricht, siehst du ihn fallen, fühlst die Kälte, hörst die Stille. Wenn es von Kerzenlicht spricht, siehst du das warme Flackern, riechst vielleicht sogar das Wachs. Diese sinnliche Qualität macht Gedichte schön - sie sprechen nicht nur den Verstand an, sondern die Sinne. Sie lassen uns erleben, nicht nur verstehen.
Schönheit in Gedichten hat auch mit Originalität zu tun, allerdings auf subtile Weise. Ein schönes Weihnachtsgedicht muss das Rad nicht neu erfinden - es greift bekannte Motive auf, Tannenbaum, Sterne, Geschenke. Aber es findet einen frischen Blickwinkel, eine unerwartete Wendung, ein Bild, das so noch nicht gesagt wurde. Diese Balance zwischen Vertrautheit und Überraschung ist schwierig. Zu vertraut, und das Gedicht wird belanglos. Zu überraschend, und es wirkt gewollt oder passt nicht mehr zu Weihnachten. Die schönsten Gedichte finden den goldenen Mittelweg.
Auch die Stimmigkeit gehört zur Schönheit. Alle Elemente des Gedichts sollten zusammenpassen. Der Ton - feierlich oder verspielt, ernst oder heiter - sollte konsistent sein. Die Bilder sollten zueinander passen und nicht wirr durcheinander geworfen sein. Die Aussage des Gedichts sollte klar sein, auch wenn sie nicht explizit ausgesprochen wird. Diese innere Kohärenz macht ein Gedicht zu einem Ganzen, zu einem kleinen Kunstwerk, in dem nichts fehlt und nichts zu viel ist.
Schließlich gehört zur Schönheit auch eine gewisse Zeitlosigkeit. Wirklich schöne Gedichte altern nicht. Sie nutzen keine Moden, keine Szenesprache, keine Verweise auf Vergängliches. Sie sprechen von universellen Dingen auf eine Weise, die gestern gültig war und morgen noch sein wird. Diese Zeitlosigkeit ist schwer zu erreichen, aber sie ist es, die manche Gedichte zu Klassikern macht, während andere nach kurzer Zeit verstaubt wirken.
Sprachliche Eleganz und poetische Schönheit
Die Schönheit eines Weihnachtsgedichts manifestiert sich vor allem in seiner Sprache. Wie die Worte gewählt werden, wie sie angeordnet sind, wie sie klingen - all das trägt zur ästhetischen Wirkung bei. Sprachliche Eleganz ist erlernbar und erkennbar, wenn man weiß, worauf man achten muss.
Wortwahl und Register: Schöne Weihnachtsgedichte nutzen eine Sprache, die zum Anlass passt. Sie ist weder zu umgangssprachlich noch zu geschwollen. Veraltete Ausdrücke wie "fürwahr" oder "holdselig" können charmant wirken, wenn sie dosiert eingesetzt werden, aber in Massen machen sie ein Gedicht unzugänglich. Umgekehrt wirken allzu moderne Ausdrücke oder Slang in einem Weihnachtsgedicht meist fehl am Platz. Die schönsten Gedichte finden eine mittlere Sprachebene, die zeitlos und würdevoll ist, ohne abgehoben zu wirken. Sie wählen Worte, die präzise sind und gleichzeitig Klang haben. "Schnee" ist klar, aber "Schneegestöber" malt ein lebendigeres Bild. "Licht" ist einfach, aber "Kerzenschimmer" ist poetischer.
Klangliche Qualität: Gedichte sind auch für das Ohr geschrieben. Die Abfolge der Laute, die Wiederholung von Konsonanten oder Vokalen, die Melodie der Sätze - all das trägt zur Schönheit bei. Alliteration, die Wiederholung von Anfangslauten, kann ein Gedicht musikalischer machen: "Stille Sterne strahlen sacht". Assonanz, die Wiederholung von Vokalen, schafft innere Reime: "Der Schnee fällt leise nieder". Diese klanglichen Mittel sollten nicht aufdringlich sein, aber sie sind da, subtil wirkend. Ein schönes Gedicht klingt schön, wenn man es laut liest. Es hat einen Rhythmus, der zum Inhalt passt - ruhig und gleichmäßig für besinnliche Themen, lebhafter für fröhliche.
Metaphern und Vergleiche: Poetische Sprache arbeitet mit Bildern, und die schönsten Bilder entstehen durch Metaphern und Vergleiche. Wenn der Schnee mit einer Decke verglichen wird, die die Welt zudeckt, ist das ein vertrautes, aber schönes Bild. Wenn Sterne als Himmelslichter bezeichnet werden, die die Nacht erhellen, entsteht ein poetisches Bild ohne Kitsch. Die Kunst liegt darin, Metaphern zu finden, die frisch genug sind, um zu überraschen, aber nicht so abwegig, dass sie unverständlich werden. Die besten Metaphern erhellen, sie machen etwas sichtbar, das vorher verborgen war.
Konkretheit und Abstraktheit: Schöne Gedichte balancieren zwischen konkreten, sinnlichen Details und abstrakten Konzepten. Zu konkret, und das Gedicht wird banal - eine bloße Beschreibung ohne Tiefe. Zu abstrakt, und es wird leer - schöne Worte ohne Substanz. Die elegantesten Gedichte verankern abstrakte Ideen in konkreten Bildern. Wenn sie von "Liebe" sprechen, zeigen sie sie: eine Hand, die eine andere hält, ein Blick, der über den Tisch geht. Wenn sie von "Frieden" sprechen, malen sie ihn: die Stille nach dem Schneefall, das gemeinsame Schweigen am Weihnachtsbaum. Diese Verankerung macht Gedichte greifbar und gleichzeitig bedeutungsvoll.
Ökonomie der Mittel: Eleganz bedeutet auch Zurückhaltung. Schöne Gedichte sagen nicht zu viel. Sie häufen nicht Adjektiv auf Adjektiv, Bild auf Bild, Aussage auf Aussage. Sie setzen präzise, wählen das eine treffende Wort statt drei ungefähre. Diese Ökonomie macht sie kraftvoll. Jedes Wort zählt, nichts ist Füllmaterial. Der Dichter Antoine de Saint-Exupéry sagte sinngemäß: "Perfektion ist erreicht, nicht wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann." Das gilt auch für Gedichte. Die schönsten sind diejenigen, in denen kein Wort zu viel ist.
Natürlichkeit der Syntax: Trotz aller Poetik sollte die Satzstellung natürlich bleiben. Gedichte, die krampfhaft umstellen, um einen Reim zu erzwingen - "Die Kerze brennt am Baum so hell, das Licht erstrahlt ganz schnell" - wirken holprig. Schöne Gedichte finden Reime, die sich ergeben, ohne dass der Satzbau vergewaltigt werden muss. Die Sprache fließt, als wäre sie so gemeint, nicht als wäre sie zurechtgebogen worden. Diese Natürlichkeit ist ein Zeichen von Meisterschaft.
Emotionale Resonanz: Wenn Weihnachtsgedichte das Herz berühren
Ein Gedicht kann formal perfekt sein und doch kalt lassen. Was ein Gedicht wirklich schön macht, ist oft seine Fähigkeit, Emotionen zu wecken, zu berühren, zu bewegen. Diese emotionale Resonanz ist schwer zu definieren, aber unmittelbar spürbar, wenn sie da ist.
Authentizität der Gefühle: Schöne Weihnachtsgedichte transportieren echte Gefühle, keine aufgesetzten. Du spürst, dass der Dichter meint, was er schreibt, dass er selbst empfindet, was er beschreibt. Diese Authentizität kann nicht vorgetäuscht werden. Ein Gedicht, das nur Klischees bedient - "Oh wie schön ist Weihnachten, alle sind so froh" - ohne dahinterstehende echte Emotion, bleibt leer. Aber ein Gedicht, das aus wirklichem Erleben kommt, sei es Freude, Sehnsucht, Wehmut oder Dankbarkeit, berührt. Der Leser spürt: Hier spricht jemand aus dem Herzen.
Die Balance zwischen Gefühl und Form: Emotion allein macht kein schönes Gedicht - sonst wäre jeder gefühlvolle Erguss Poesie. Die Kunst liegt darin, starke Gefühle in eine kontrollierte Form zu bringen. Das Gedicht darf nicht überwältigen, nicht hysterisch werden, nicht in Kitsch kippen. Die Form - Rhythmus, Reim, Struktur - kanalisiert die Emotion, gibt ihr Gestalt. Diese Kontrolle macht Gefühle mitteilbar. Statt nur auszurufen "Ich bin so glücklich!", zeigt ein schönes Gedicht das Glück in Bildern, in Szenen, in Beobachtungen, die der Leser nachvollziehen kann.
Universalität der Erfahrung: Die emotionale Wirkung ist am stärksten, wenn der Leser sich wiedererkennt. Schöne Weihnachtsgedichte sprechen von Gefühlen und Erfahrungen, die viele teilen: die Vorfreude auf das Fest, die Wärme der Familie, die Erinnerung an Kindheitsweihnachten, die Sehnsucht nach Frieden. Diese universellen Themen schaffen Verbindung. Der Leser denkt: "Ja, genau so fühle ich mich auch" oder "Genau das habe ich auch erlebt". Diese Identifikation ist der Grund, warum wir uns von Gedichten berührt fühlen - sie zeigen uns, dass wir nicht allein sind mit unseren Gefühlen.
Nuancierung statt Plattheit: Schöne Gedichte vermeiden emotionale Eindimensionalität. Weihnachten ist nicht nur fröhlich - es kann auch wehmütig sein, nostalgisch, manchmal sogar traurig. Die schönsten Gedichte fangen diese emotionale Komplexität ein. Sie zeigen Freude mit einem Hauch Melancholie, Gemütlichkeit mit einem Bewusstsein für Vergänglichkeit. Diese Nuancierung macht sie reifer, tiefer, wahrer. Sie erkennen an, dass echte Gefühle selten eindeutig sind, sondern oft gemischt, widersprüchlich sogar.
Der richtige emotionale Ton: Verschiedene Anlässe erfordern verschiedene emotionale Töne. Ein Gedicht für eine Weihnachtskarte an enge Freunde darf herzlich und intim sein. Eines für eine geschäftliche Karte sollte warmherzig, aber zurückhaltend sein. Ein Gedicht zum Vortrag im Familienkreis kann verspielt oder besinnlich sein, je nach Tradition der Familie. Schöne Gedichte treffen den richtigen Ton für ihren Kontext. Sie sind nicht zu überschwänglich für formelle Anlässe und nicht zu kühl für persönliche Momente.
Die Kraft der Stille: Manchmal entsteht die stärkste emotionale Wirkung nicht durch das, was gesagt wird, sondern durch das, was ungesagt bleibt. Ein Gedicht, das andeutet statt auszusprechen, das Raum lässt für eigene Gefühle, kann tiefer wirken als eines, das alles ausformuliert. Diese Zurückhaltung respektiert den Leser. Sie traut ihm zu, selbst zu empfinden, selbst zu ergänzen. Die schönsten Momente in Gedichten sind oft die stillen, wo zwischen den Zeilen mehr steht als in ihnen.
Harmonie und Ausgewogenheit in der Komposition
Ein schönes Weihnachtsgedicht ist wie eine gut komponierte Musik - alle Elemente fügen sich zu einem harmonischen Ganzen. Diese Harmonie entsteht durch bewusste oder intuitive Entscheidungen über Struktur, Länge, Variation und Balance.
Strukturelle Klarheit: Schöne Gedichte haben eine erkennbare Struktur. Das kann eine klassische Form sein - drei Strophen zu je vier Zeilen - oder eine freiere. Wichtig ist, dass eine Ordnung spürbar ist. Diese Struktur gibt dem Gedicht Halt und dem Leser Orientierung. Er weiß, wo er ist im Gedicht, wohin die Reise geht. Strukturlose Gedichte, die scheinbar beliebig anfangen und enden, wirken unbefriedigend. Die Struktur muss nicht symmetrisch sein - manchmal ist eine bewusste Asymmetrie reizvoll - aber sie sollte intentional sein, nicht zufällig.
Länge und Proportion: Die Länge eines Gedichts sollte zu seinem Inhalt passen. Ein einfacher Gedanke braucht keine zehn Strophen. Eine komplexe Reflexion lässt sich nicht in vier Zeilen zwängen. Schöne Gedichte haben die richtige Länge - nicht zu lang, sodass sie ermüdend werden, nicht zu kurz, sodass sie abrupt wirken. Auch innerhalb des Gedichts ist Proportion wichtig. Wenn eine Strophe erheblich länger ist als die anderen, stört das die Balance. Wenn alle Strophen exakt gleich sind, kann das monoton wirken. Die schönsten Gedichte finden eine Ausgewogenheit, die natürlich wirkt.
Variation und Wiederholung: Ein gutes Gedicht balanciert zwischen Wiederholung und Variation. Zu viel Wiederholung - dieselben Worte, dieselben Bilder, dieselben Strukturen - wird langweilig. Zu viel Variation - jede Zeile völlig anders - wird chaotisch. Schöne Gedichte wiederholen mit Variationen. Vielleicht kehrt ein Motiv wieder, aber in anderer Form. Vielleicht hat jede Strophe eine ähnliche Struktur, aber unterschiedlichen Inhalt. Diese Balance schafft Kohärenz ohne Monotonie. Der Leser fühlt sich geborgen durch Vertrautes, aber angeregt durch Neues.
Spannungsbogen und Klimax: Auch kurze Gedichte können einen dramatischen Bogen haben. Sie beginnen, entwickeln sich, erreichen einen Höhepunkt, kommen zu einem Schluss. Dieser Bogen muss nicht spektakulär sein - ein Weihnachtsgedicht ist kein Action-Film. Aber eine gewisse Bewegung sollte spürbar sein. Vielleicht beginnt das Gedicht mit einer ruhigen Szenerie, steigert sich zu einem Moment der Intensität - das Anzünden der Kerzen, das Öffnen der Tür, der erste Schneefall - und findet dann zu einer befriedigenden Ruhe. Dieser Bogen macht das Lesen zu einem Erlebnis, nicht zu einer monotonen Aneinanderreihung.
Der gelungene Schluss: Das Ende eines Gedichts ist entscheidend. Es ist das, was bleibt, wenn alles gelesen ist. Ein schöner Schluss rundet ab, ohne zu simpel zu sein. Er kann offen sein - eine Frage, eine Andeutung, ein Ausblick - oder geschlossen - eine Erkenntnis, eine Zusammenfassung, ein letztes Bild. Aber er sollte das Gefühl vermitteln: Hier endet etwas zu Recht. Nichts fehlt, nichts ist zu viel. Manche Gedichte haben einen überraschenden Schluss, der alles Vorherige in neuem Licht erscheinen lässt. Andere enden, wie sie begonnen haben, in einem Kreis. Beide Varianten können schön sein, wenn sie zum Gedicht passen.
Einheit in der Vielfalt: Ein schönes Gedicht kann verschiedene Elemente enthalten - Beschreibung, Reflexion, Handlung, Dialog - aber alle fügen sich zu einem Ganzen. Es springt nicht zusammenhanglos von Thema zu Thema, sondern entwickelt sich organisch. Jeder Teil trägt zum Gesamten bei. Diese Einheit entsteht oft nicht im ersten Wurf, sondern durch Überarbeitung. Der Dichter entfernt, was nicht passt, fügt hinzu, was fehlt, ordnet neu, bis alles stimmig ist. Das Ergebnis ist ein Gedicht, das wie aus einem Guss wirkt, harmonisch und ausgewogen.
Universelle Schönheit vs. persönlicher Geschmack
Die Frage "Was ist schön?" hat eine objektive und eine subjektive Dimension. Es gibt Kriterien, die allgemein anerkannt sind, aber letztlich entscheidet jeder für sich, welches Gedicht er schön findet. Diese Spannung zu verstehen, hilft dir bei der Auswahl von Gedichten.
Objektive Qualitätsmerkmale: Manche Aspekte von Schönheit sind relativ objektiv beurteilbar. Ein Gedicht mit holprigen, erzwungenen Reimen ist technisch schlechter als eines mit natürlich fließenden Reimen. Ein Gedicht mit inkonsistentem Rhythmus, das mal stolpert, mal rast, ist formal schwächer als eines mit durchgehendem Fluss. Ein Gedicht voller Rechtschreib- und Grammatikfehler ist handwerklich mangelhaft. Diese objektiven Qualitätskriterien sind erlernbar und erkennbar. Sie machen den Unterschied zwischen Profi- und Amateurlyrik, zwischen ausgefeilten und rohen Texten. Wenn du nach schönen Gedichten suchst, achte auf diese handwerkliche Qualität.
Kulturelle Prägungen: Was als schön gilt, ist auch kulturell geprägt. In der deutschen Lyrik-Tradition werden bestimmte Formen und Ausdrucksweisen geschätzt, die in anderen Kulturen vielleicht fremd wirken. Die Vorliebe für Reime ist kulturell - in manchen Sprachen und Traditionen sind Reime weniger wichtig. Die Erwartung, dass Gedichte "tief" sein sollen, ist ebenfalls kulturell bedingt. In anderen Kontexten dürfen Gedichte spielerisch, oberflächlich, rein musikalisch sein. Wenn du Gedichte als schön empfindest, die einem klassischen deutschen Ideal entsprechen, ist das eine kulturelle Prägung - nicht falsch, aber auch nicht universell.
Persönliche Vorlieben und Assoziationen: Letztlich ist Schönheit auch sehr persönlich. Ein Gedicht, das dich an deine Kindheit erinnert, an glückliche Weihnachten, wird dir schöner erscheinen als eines ohne solche Assoziationen. Ein Gedicht, das genau die Gefühle ausdrückt, die du gerade empfindest, wird dich mehr ansprechen als eines über etwas, das dir fremd ist. Diese persönliche Resonanz ist subjektiv und legitim. Du musst kein Gedicht schön finden, nur weil andere es schön finden. Umgekehrt darfst du ein Gedicht lieben, das objektiv vielleicht nicht perfekt ist, aber dich persönlich berührt.
Geschmacksentwicklung: Dein Geschmack ist nicht statisch. Was du mit zwanzig schön findest, findest du mit vierzig vielleicht kitschig. Was du als Kind geliebt hast, langweilt dich als Erwachsener. Und umgekehrt: Gedichte, die du früher nicht verstanden hast, öffnen sich dir später. Diese Entwicklung ist normal und zeigt, dass du dich veränderst. Sie bedeutet nicht, dass dein früherer Geschmack "falsch" war - er war angemessen für die Person, die du damals warst. Sei offen für diese Entwicklung. Lies auch Gedichte, die nicht sofort deinem Geschmack entsprechen. Manche enthüllen ihre Schönheit erst beim zweiten oder dritten Lesen.
Konsens und Kanon: Es gibt einen gewissen Konsens darüber, welche Gedichte als besonders schön gelten. Dieser Konsens zeigt sich darin, welche Gedichte immer wieder veröffentlicht werden, welche in Anthologien aufgenommen werden, welche zum Schulstoff gehören. Dieser Kanon schöner Gedichte ist nicht in Stein gemeißelt - er wandelt sich über Generationen - aber er existiert. Wenn du unsicher bist, was schön ist, kann dieser Konsens Orientierung bieten. Gedichte, die seit Jahrzehnten geschätzt werden, haben wahrscheinlich objektive Qualitäten. Gleichzeitig solltest du dich nicht sklavisch daran halten. Auch außerhalb des Kanons gibt es Schönheit zu entdecken.
Die Freiheit der eigenen Wahl: Am Ende hast du die Freiheit - und die Verantwortung - selbst zu entscheiden, welches Gedicht für dich schön ist. Niemand kann dir vorschreiben, was du zu mögen hast. Wenn ein Gedicht dich berührt, ist es für dich schön, unabhängig davon, was Kritiker sagen. Vertraue deinem eigenen Urteil. Aber bilde es auch. Lies viel, vergleiche, denke nach, warum dir manches gefällt und anderes nicht. So entwickelst du einen informierten, persönlichen Geschmack, der sowohl subjektiv als auch begründet ist.
Wie du die Schönheit eines Weihnachtsgedichts anderen vermittelst
Ein schönes Gedicht zu finden ist das eine. Seine Schönheit so zu präsentieren, dass auch andere sie wahrnehmen können, ist eine eigene Kunst. Ob du ein Gedicht verschenkst, vorträgst oder teilst - die Art der Vermittlung beeinflusst, wie es ankommt.
Die richtige Auswahl für den Empfänger: Ein Gedicht, das du selbst schön findest, passt nicht zwangsläufig zu jedem Empfänger. Überlege: Was mag diese Person? Welche Art von Sprache spricht sie an? Ein älterer Mensch schätzt vielleicht klassische, traditionelle Gedichte. Ein junger Mensch bevorzugt vielleicht modernere Formen. Jemand mit literarischem Interesse freut sich über komplexe, anspruchsvolle Verse. Jemand ohne besondere Lyrik-Affinität braucht etwas Zugängliches, Klares. Diese Anpassung an den Empfänger zeigt Respekt und erhöht die Chance, dass das Gedicht seine Schönheit entfalten kann.
Die ästhetische Präsentation: Wie ein Gedicht präsentiert wird, beeinflusst seine Wirkung. Auf einer liebevoll gestalteten Karte wirkt es schöner als auf einem schnell ausgedruckten Blatt. In schöner Handschrift geschrieben, gewinnt es an Wert. Mit einem passenden Bild oder einer dezenten Dekoration kombiniert, entsteht ein Gesamtkunstwerk. Diese äußere Schönheit ergänzt die innere. Sie signalisiert: Dieses Gedicht ist wertvoll, es verdient diese sorgfältige Präsentation. Der Empfänger spürt die Wertschätzung und geht mit mehr Aufmerksamkeit an das Gedicht heran.
Der Vortrag mit Gefühl: Wenn du ein Gedicht vorträgst, ist deine Art des Vortrags entscheidend. Ein schönes Gedicht mechanisch heruntergerattert, verliert seine Schönheit. Langsam vorgelesen, mit Pausen an den richtigen Stellen, mit Betonung, die den Sinn unterstreicht, mit Emotion in der Stimme - so entfaltet es seine volle Wirkung. Übe vorher, finde den richtigen Rhythmus, spüre nach, wo Höhepunkte sind, wo Ruhe einkehren soll. Dein Vortrag ist eine Interpretation, eine Darbietung. Du gibst dem Gedicht deine Stimme und machst es lebendig.
Den Kontext schaffen: Manchmal hilft es, ein Gedicht mit ein paar Worten einzuleiten. Nicht mit langen Erklärungen, die die Spannung nehmen, sondern mit einer kurzen Rahmung. "Dieses Gedicht hat mich berührt, weil..." oder "Ich habe dieses Gedicht für dich ausgewählt, weil es mich an uns erinnert" oder "Der Dichter war..." - solche kurzen Hinweise schaffen einen Kontext, der das Verständnis erleichtert. Sie zeigen auch: Ich habe mir Gedanken gemacht. Dieses Gedicht ist nicht zufällig gewählt.
Raum für eigene Reaktion lassen: Nachdem du ein Gedicht geteilt hast, dränge den Empfänger nicht zu einer Reaktion. Frage nicht sofort: "Wie findest du es?" Das setzt unter Druck. Lass Zeit. Manche Menschen brauchen einen Moment, um ein Gedicht wirken zu lassen. Manche möchten ihre Reaktion für sich behalten. Diese Zurückhaltung respektiert die Intimität der Begegnung mit Poesie. Wenn der Empfänger von sich aus reagiert - mit Worten, einem Lächeln, Tränen - dann weißt du: Das Gedicht hat sein Ziel erreicht.
Schönheit nicht erzwingen: Manchmal kommt ein Gedicht, das du wunderschön findest, bei anderen nicht an. Das ist okay. Schönheit lässt sich nicht erzwingen. Respektiere, wenn jemand ein anderes ästhetisches Empfinden hat. Vielleicht ist dieser Mensch nicht empfänglich für Lyrik. Vielleicht ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt. Vielleicht passt dieses konkrete Gedicht nicht zu ihm. Das wertet weder das Gedicht noch den Menschen ab. Es zeigt nur: Ästhetische Erfahrungen sind individuell. Die Schönheit, die du siehst, ist trotzdem real und wertvoll - auch wenn nicht alle sie teilen.
Schöne Weihnachtsgedichte sind Geschenke in mehrfacher Hinsicht. Sie schenken ästhetischen Genuss, emotionale Berührung, sprachliche Eleganz. Sie schenken einen Moment des Innehaltens in einer oft hektischen Zeit. Sie schenken Verbindung zu anderen Menschen, die dasselbe Gedicht schön finden, zu Traditionen, die über Generationen weitergegeben werden, zu den tieferen Bedeutungen von Weihnachten jenseits von Kommerz und Konsum. Wenn du nach schönen Weihnachtsgedichten suchst, suchst du im Grunde nach etwas, das dich und andere bereichert, das einen Unterschied macht, das bleibt, wenn die Geschenke längst ausgepackt und die Kerzen erloschen sind. Denn wahre Schönheit - in Gedichten wie im Leben - ist nicht vergänglich. Sie prägt sich ein, verändert uns, macht uns sensibler, offener, lebendiger. Und das ist vielleicht das schönste Geschenk, das Poesie zu bieten hat.