Zu Weihnachten
Kategorie: Schöne Weihnachtsgedichte
Zu Weihnachten
Das ist der liebe Weihnachtsbaum.Autor: Victor Blüthgen
Ja solch ein Baum!
Der grünt bei Schnee, der glänzt bei Nacht
wie die himmlische Pracht,
trägt alle Jahre seine Last,
Äpfel und Nüsse am selben Ast,
Zuckerwerk obendrein -
so müßten alle Bäume sein!
Nun hat ihn gebracht der Weihnachtsmann,
drei Kinder steh'n und seh'n ihn an.
Das erste spricht:
Der ist doch Weihnacht das Schönste, nicht?
Das andre: Woher an Äpfeln und Nüssen
Gold und Silber wohl kommen müssen?
Ich denk mir, das Christkind faßte sie an,
gleich war Gold oder Silber dran.
Das dritte: Christkind müßte einmal
den ganzen Wald so putzen im Tal;
dann würde gleich aller Schnee zergeh'n,
und dann - das gäb ein Spazierengeh'n!
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Biografischer Kontext des Autors
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Victor Blüthgens "Zu Weihnachten" ist mehr als nur eine einfache Beschreibung eines geschmückten Baumes. Das Gedicht blickt durch die Augen von drei Kindern auf das Wunder des Weihnachtsbaums und enthüllt dabei verschiedene Schichten der kindlichen Wahrnehmung und Fantasie. Zunächst wird der Baum fast hymnisch gepriesen: Er ist "lieb", grünt im Schnee und glänzt wie "himmlische Pracht". Die Zeile "trägt alle Jahre seine Last" verleiht ihm fast menschliche Züge und stellt eine subtike Verbindung zur Tradition und zur jährlichen Wiederkehr des Festes her. Die Aufzählung von Äpfeln, Nüssen und Zuckerwerk malt ein Bild des Überflusses und der reinen Freude, das im Wunsch gipfelt: "so müßten alle Bäume sein!" Hier schimmert eine kindliche Utopie durch, in der die ganze Welt so wunderbar und reich beschenkt wäre wie der Weihnachtsbaum.
Der zweite Teil mit den drei Kinderstimmen vertieft diese magische Sichtweise. Das erste Kind bestätigt die ästhetische Faszination. Das zweite Kind fragt nach dem Ursprung des Glanzes und findet eine zauberhafte Erklärung: Das Christkind habe die Früchte nur berühren müssen, um sie in Gold und Silber zu verwandeln. Diese naive Theorie zeigt, wie im kindlichen Glauben das Wunderbare selbstverständlich und logisch ist. Das dritte Kind spinnt den Gedanken weiter und wünscht sich, das Christkind möge den ganzen Wald "putzen". Diese Vorstellung verbindet die magische Verwandlung mit einem konkreten, kindlichen Nutzen: Der lästige Schnee würde schmelzen und herrliche Spaziergänge wären möglich. Die Interpretation zeigt, wie das Gedicht von der staunenden Betrachtung über die fantastische Erklärung bis hin zum verspielten Wunschdenken fortschreitet und so ein komplettes Bild kindlicher Weihnachtswunder zeichnet.
Biografischer Kontext des Autors
Victor Blüthgen (1844-1920) war ein äußerst produktiver und zu seiner Zeit sehr populärer deutscher Schriftsteller. Obwohl er heute nicht mehr zu den kanonischen Größen der Literaturgeschichte zählt, war er als Autor von Gedichten, Märchen, Romanen und vor allem als Redakteur bedeutender Zeitschriften wie "Daheim" eine zentrale Figur im literarischen Leben des späten 19. Jahrhunderts. Sein Werk ist stark von der Spätromantik und dem bürgerlichen Realismus geprägt, mit einem besonderen Schwerpunkt auf heimatverbundener, gefühlvoller und oft moralisierender Dichtung. Viele seiner Texte, darunter auch "Zu Weihnachten", richten sich an Kinder und Familien und atmen den Geist einer behaglichen, innigen Welt. Sein Stil ist geprägt von eingängiger Rhythmik und einer klaren, bildhaften Sprache, die direkt ansprechen soll. Das Wissen um Blüthgens Rolle als Vermittler bürgerlicher Familienwerte und als erfolgreicher Kinderbuchautor hilft, das Gedicht einzuordnen: Es ist kein avantgardistisches Kunstwerk, sondern eine liebevolle, in traditionellen Formen verankerte Feier des familiären Weihnachtszaubers, die genau den Geschmack und die Erwartungen seines großen Publikums traf.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine durchweg warme, staunende und heimelige Stimmung. Von der ersten Zeile an wird ein Gefühl der vertrauten Freude und Zuneigung ("der liebe Weihnachtsbaum") geweckt. Die Beschreibung des glänzenden Baumes in der Nacht ruft ein Bild der festlichen Pracht und des friedlichen Staunens hervor. Die Einbeziehung der drei Kinder mit ihren naiven Dialogen verstärkt diese Stimmung enorm. Es entsteht eine Atmosphäre unverfälschter kindlicher Neugier, grenzenloser Fantasie und unbeschwerter Vorfreude. Die Gedanken der Kinder sind frei von jeder kommerziellen oder stressigen Komponente des Festes; es geht rein um das Wunder, den Glanz und die daraus entspringenden, verspielten Träume. Die abschließende Vorstellung vom schneefreien Wald zum Spazierengehen rundet das Stimmungsbild mit einer Note versöhnlicher Heiterkeit und Leichtigkeit ab. Insgesamt transportiert das Gedicht das Ideal eines besinnlichen, von magischem Glauben und familiärer Geborgenheit geprägten Weihnachtsfestes.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Absolut, denn es berührt zeitlose Themen. In einer oft hektischen und materialistischen Weihnachtszeit erinnert es an den Kern des kindlichen Festempfindens: das Staunen über einfache, schöne Dinge wie einen geschmückten Baum. Die Fragen der Kinder ("Woher an Äpfeln und Nüssen Gold und Silber wohl kommen müssen?") sind heute genauso relevant. Sie laden ein, über den Ursprung von Schönheit und Wert nachzudenken – jenseits von Preisschildern. Die kindliche Erklärung, das Christkind habe alles durch Berührung verwandelt, ist eine schöne Metapher für die Kraft von Zuwendung und Liebe, die gewöhnliche Dinge besonders macht. Der Wunsch des dritten Kindes, der ganze Wald möge "geputzt" werden, damit der Schnee schmilzt und man spazieren gehen kann, wirft sogar eine moderne, ökologische Frage auf: Wie sähe eine Welt aus, in der ein freundlicher Zauber die Natur nicht ausbeutet, sondern sie nur ein wenig für den Menschen zugänglicher macht? Das Gedicht fordert uns damit indirekt auf, die Welt wieder mit den staunenden Augen eines Kindes zu sehen.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Sprachlich ist das Gedicht als leicht bis mittelschwer einzustufen. Der Satzbau ist überwiegend einfach und geradlinig, der Wortschatz gut verständlich. Einige veraltete Schreibweisen wie "müßten" oder "seh'n" sind für heutige Leser leicht zu entschlüsseln und bieten sogar einen charmanten historischen Anklang. Die wenigen poetischen Wendungen ("wie die himmlische Pracht") sind bildhaft und nicht abstrakt. Die größte "Herausforderung" liegt vielleicht im Verständnis der kindlichen Logik und der verspielten Gedankensprünge im Dialogteil, was jedoch weniger eine sprachliche als eine interpretatorische Aufgabe ist. Insgesamt ist der Text sehr zugänglich und eignet sich hervorragend, um auch von weniger geübten Lesern oder Zuhörern sofort erfasst und genossen zu werden.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Dieses Gedicht ist ein perfekter Begleiter für verschiedene festliche Anlässe in der Advents- und Weihnachtszeit. Es passt wunderbar:
- Als Vortrag beim familiären Weihnachtsfest, unter dem eigenen geschmückten Baum.
- In der Weihnachtsfeier im Kindergarten oder in den unteren Grundschulklassen, um über die Bedeutung des Baumes zu sprechen.
- Als Einstieg oder Beitrag in einem adventlichen Literaturabend oder einer Weihnachtslesung.
- Für die Gestaltung einer Weihnachtskarte oder eines festlichen Familiennewsletters.
- Als kleines Ritual am Heiligabend, um gemeinsam in Stimmung zu kommen und den Blick auf das Wunder des Festes zu lenken.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht spricht mit seinem klaren Aufbau und den kindlichen Protagonisten vorrangig Kinder im Alter von etwa 4 bis 10 Jahren an. Jüngere Kinder lieben die rhythmische Sprache und das vertraute Bild des Baumes. Kinder im Vorschul- und Grundschulalter identifizieren sich leicht mit den drei fragenden und fantasierenden Kindern im Text und können deren Gedankengänge nachvollziehen. Darüber hinaus eignet es sich aber auch ausgezeichnet für die ganze Familie. Erwachsene und ältere Geschwister schätzen den nostalgischen Charme, die liebevolle Darstellung der kindlichen Perspektive und die unaufdringliche, heimelige Weihnachtsstimmung, die es verbreitet. Es ist somit ein generationenübergreifendes Gedicht.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Das Gedicht könnte für Menschen weniger passend sein, die eine kritische, nüchterne oder dezidiert nicht-christliche Auseinandersetzung mit dem Weihnachtsfest suchen. Wer nach komplexer Metaphorik, gesellschaftskritischer Tiefe oder avantgardistischer Sprache in der Poesie sucht, wird hier nicht fündig. Es ist ein Gedicht der ungebrochenen Freude und des naiven Glaubens, frei von Ironie oder Zweifel. Daher eignet es sich weniger für einen sehr analytischen Literaturkreis, der nach versteckten Bedeutungen und Brüchen sucht. Auch für eine rein erwachsene Feier, die einen eher besinnlich-reflektierenden oder humorvollen Ton wünscht, könnten andere Gedichte eine bessere Wahl sein.
Wie lang dauert der Vortrag?
Ein ruhiger und betonter Vortrag des gesamten Gedichts dauert ungefähr 45 bis 60 Sekunden. Diese kurze Dauer macht es zu einem idealen Beitrag, der nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt, aber dennoch eine vollständige und in sich geschlossene Weihnachtsgeschichte erzählt. Wenn du es besonders ausdrucksstark vorliest und zwischen den Strophen und Kinderreden kleine, natürliche Pausen setzt, um die Stimmung wirken zu lassen, kann sich die Zeit auch auf etwa eineinhalb Minuten ausdehnen. Seine Kürze ist ein großer Vorteil: Es lässt sich leicht auswendig lernen und eignet sich auch für jüngere Kinder als Vortragstück.
Mehr Schöne Weihnachtsgedichte
- Vorfreude auf Weihnachten
- Weihnacht
- Christkind im Walde
- O heiliger Abend
- Weihnachten bei den Großeltern
- Die Weihe der Nacht
- Wintertraum
- Eine dauerhafte Botschaft
- Weihnachten bewahren
- Christkindchen
- Heiliger Morgen
- Weihnachtsgedicht
- O Tannenbaum
- Weihnacht
- Am Weihnachtsabend
- Auf des Weihnachtsmanns Spuren
- Der Christbaum im Himmel
- Der Tannenbaum
- Die verschwundene Puppe
- Weihnacht
- Der Weihnachtsbaum
- Des Schiffsjungen Weihnacht
- Der Christbaum
- Der Weihnachtsbaum
- Der Weihnachtsbaum
- 4 weitere Schöne Weihnachtsgedichte