Der Weihnachtsbaum
Kategorie: Schöne Weihnachtsgedichte
Der Weihnachtsbaum
Juchheissassa, juchheissassa,Autor: Robert Reinick
Wir bringen ihn gebracht
Den Christbaum, den Tannenbaum,
Der alles lustig macht!
Du armer, armer Tannenbaum,
Wie war dir draußen weh!
Du strecktest deine Arme aus
Und trugst doch nichts als Schnee!
So sag uns doch, du schmucker Baum,
Was wirst du morgen tragen?
Hoho, so darf man Narren wohl,
Doch keinen Christbaum fragen.
Juchheissassa, juchheissassa!
Wie ist der Schnee so weiß,
Wie grün ist doch der Tannenbaum!
Der weiß schon, was er weiß!
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Biografischer Kontext des Autors
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Robert Reinicks "Der Weihnachtsbaum" ist mehr als nur ein fröhlicher Kinderreim. Auf den ersten Blick beschreibt es den festlichen Einzug des geschmückten Baumes, getragen von einem kindlich-jubelnden "Juchheissassa". Doch schon in der zweiten Strophe schwingt ein unerwarteter Unterton mit. Der Baum wird als "arm" bezeichnet, dem "draußen weh" war. Diese Personifizierung weckt Mitgefühl. Der Tannenbaum streckt seine Arme aus, trägt aber nur Schnee – ein Bild der Verlassenheit und vielleicht auch der Sehnsucht nach Sinn und Fülle.
Die dritte Strophe vertieft dieses Spiel mit Perspektiven. Die Sprecher fragen den Baum, was er morgen tragen wird, verwerfen die Frage aber sogleich als närrisch. Hier liegt der Schlüssel: Der Baum "weiß schon, was er weiß". Das ist eine doppeldeutige, fast geheimnisvolle Zeile. Sie kann bedeuten, dass der Baum sein Schicksal als geschmücktes Festzentrum bereits kennt. Sie könnte aber auch auf ein stilles, der menschlichen Hektik überlegenes Wissen der Natur anspielen. Der Baum wird vom Objekt der Freude zu einem stillen Träger von Bedeutung, der mehr "weiß", als die jubelnden Menschen ahnen. Der Kreislauf von kargem Winterdraußen zum prall gefüllten Festzimmer im Haus wird so zu einer kleinen, tiefsinnigen Weihnachtsgeschichte.
Biografischer Kontext des Autors
Robert Reinick (1805-1852) war ein deutscher Maler, Dichter und Illustrator, der besonders in der Spätromantik und im Biedermeier wirkte. Seine große Bedeutung liegt weniger in avantgardistischer Literatur, sondern in seiner meisterhaften Fähigkeit, volkstümliche, kindgerechte und dennoch kunstvolle Lyrik und Erzählungen zu schaffen. Er verstand es wie wenige andere, einfache, eingängige Bilder und Rhythmen mit einer warmherzigen und oft nachdenklichen Grundstimmung zu verbinden.
Seine Werke, zu denen auch viele Lieder gehören, waren außerordentlich populär und prägten das bürgerliche Familien- und Kinderleben des 19. Jahrhunderts. "Der Weihnachtsbaum" ist ein perfektes Beispiel für sein Schaffen: Es verbindet das typisch biedermeierliche, häuslich-festliche Weihnachtsgefühl mit einer romantischen Hinwendung zur Natur und einer leisen Melancholie. Reinicks Doppelbegabung als Maler erklärt zudem die stark visuelle, fast gemäldehaft klare Sprache des Gedichts.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine gemischte, vielschichtige Stimmung. Der dominante erste Eindruck ist pure, unbeschwerte Vorfreude und Festtagsfreude, die durch den wiederholten Ausruf "Juchheissassa" und Beschreibungen wie "alles lustig macht" gesetzt wird. Darunter legt sich jedoch eine zarte, nachdenkliche Melancholie. Das Mitleid mit dem "armen" Baum, der einsam im Schnee stand, und die fast philosophische Frage nach seinem Schicksal dämpfen den Jubel leicht und verleihen der Feierlichkeit eine gewisse Tiefe.
Insgesamt entsteht so eine warme, wehmütig-fröhliche Atmosphäre, die für das Weihnachtsfest des 19. Jahrhunderts charakteristisch ist. Es ist die Stimmung eines behaglichen Zuhauses, das die Kälte und Strenge der Natur draußen bewusst als Kontrast erlebt und in dessen Schutz man sich freuen, aber auch ein wenig an die Vergänglichkeit und den Kreislauf der Natur denken darf.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Absolut. Die zentralen Bilder und Fragen des Gedichts sind erstaunlich modern. Der Kontrast zwischen der natürlichen, kargen Welt des Baumes im Wald und seiner Verwandlung zum konsumlastigen Festobjekt im Wohnzimmer wirft heute mehr denn je Fragen auf. Es berührt Themen wie Nachhaltigkeit, unseren Umgang mit der Natur (die wir für unsere Feiern "gebraucht" werden) und die wahre Bedeutung von Festen jenseits des materiellen Überflusses.
Die Zeile "Du strecktest deine Arme aus / Und trugst doch nichts als Schnee!" kann heute auch als Metapher für Sehnsucht und Leere gelesen werden, die durch äußeren Festtagsrummel überdeckt werden soll. Das Gedicht lädt dazu ein, innezuhalten und den Baum nicht nur als Dekoration, sondern als lebendiges Wesen mit einer eigenen "Geschichte" zu betrachten. Diese Sensibilität für die Perspektive der Natur ist hochaktuell.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Sprachlich ist das Gedicht als leicht bis mittelschwer einzustufen. Der Satzbau ist unkompliziert, der Wortschatz größtenteils alltagstauglich und der rhythmische, reimende Aufbau eingängig. Einige veraltete Wendungen wie "Wir bringen ihn gebracht" oder der Ausruf "Juchheissassa" bedürfen einer kurzen Erklärung, besonders für jüngere Leser. Die inhaltliche Tiefe und die Doppeldeutigkeit der letzten Strophe ("Der weiß schon, was er weiß") heben das Niveau jedoch über das eines simplen Kinderreims hinaus. Das Verständnis erfordert hier etwas Reflexion, weshalb die Einstufung "mittelschwer" für das volle Erfassen der Bedeutung zutreffend ist.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht eignet sich perfekt für den häuslichen Weihnachtsabend, unmittelbar bevor der Baum geschmückt oder die Bescherung beginnt. Es kann die feierliche Stimmung einläuten und einen schönen, besinnlichen Moment schaffen. Ebenso ist es eine hervorragende Wahl für kleine Weihnachtsfeiern in Kindergärten, Grundschulen oder Seniorenkreisen, wo es gemeinsam vorgetragen werden kann. Auf Weihnachtsmärkten oder bei adventlichen Lesungen bietet es durch seine Mischung aus Jubel und Nachdenklichkeit einen besonderen Reiz. Es ist weniger ein Gedicht für den großen, formellen Festgottesdienst, sondern vielmehr für den intimen, familiären oder gemeinschaftlichen Rahmen.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Primär spricht das Gedicht Kinder im Vor- und Grundschulalter (ab etwa 4 bis 10 Jahren) an. Der lebhafte Rhythmus, der wiederkehrende Jubelruf und das vertraute Bild des Christbaums fesseln die jungen Zuhörer. Die einfache Sprache ermöglicht es ihnen, dem Inhalt gut zu folgen. Für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene erschließt sich dann die zweite, nachdenkliche Ebene. Die universelle Thematik macht es aber zu einem Gedicht für die ganze Familie, das in unterschiedlicher Tiefe von jeder Generation geschätzt werden kann.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Das Gedicht eignet sich weniger für Menschen, die eine ausschließlich feierliche, fromme oder hochliterarische Weihnachtsdichtung suchen. Wer eine explizit christologische Deutung der Weihnacht erwartet, wird hier nicht fündig. Ebenso könnte die leicht altertümliche Sprache und der volkstümlich-romantische Ton Leser abschrecken, die einen modernen, schnörkellosen oder kritisch-ironischen Zugang zum Fest bevorzugen. Für einen sehr formellen, offiziellen Anlass (z.B. eine Firmenweihnachtsfeier) ist der kindlich-jubelnde Tonfall möglicherweise zu verspielt.
Wie lang dauert der Vortrag?
Bei einem gut betonten, gemächlichen Vorlesen mit kleinen Pausen zwischen den Strophen, um die Stimmungswechsel wirken zu lassen, dauert der Vortrag des Gedichts etwa 45 bis 60 Sekunden. Ein sehr flüssiger, schnellerer Vortrag ohne besondere Betonungen ist in etwa 30 Sekunden möglich, würde aber der Charakteristik des Textes nicht gerecht. Für einen lebendigen Vortrag mit Kindern, bei dem der "Juchheissassa"-Ruf vielleicht sogar gemeinsam gerufen wird, kann die Dauer auch etwas länger ausfallen.
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