Weihnachtslied
Kategorie: Schöne Weihnachtsgedichte
Weihnachtslied
Lieblich wieder durch die WeltAutor: Johannes Trojan
geht die holde Kunde,
die den Hirten auf dem Feld
klang aus Engelsmunde.
Was den Hirten wurde kund,
blieb uns unverloren:
wieder kündet Engelsmund,
daß uns Christ geboren.
Welch ein Glanz durchbricht die Nacht
in des Winters Mitte!
Welche Freude wird gebracht
in die ärmste Hütte!
Winters Nacht und Sorge weicht
hellem Jubel wieder,
und der Himmel wieder steigt
auf die Erde nieder.
Wenn die goldnen Sterne glüh'n
in des Himmels Ferne,
leuchten aus dem Tannengrün
auch viel goldne Sterne.
Haus an Haus mit hellem Schein
flammen auf die Kerzen,
durch die Augen fällt hinein
Licht auch in die Herzen.
Sei willkommen, Weihnachtslust,
kling empor im Liede!
Freude wohn in Menschenbrust,
auf der Erde Friede!
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Biografischer Kontext des Autors
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Johannes Trojans "Weihnachtslied" ist mehr als nur eine festliche Beschreibung. Es ist ein kunstvoll gewobener Text, der die Weihnachtsbotschaft als ein immerwährendes, universelles Ereignis inszeniert. Das Gedicht beginnt mit einer zeitlichen Schleife: "Lieblich wieder durch die Welt / geht die holde Kunde". Das "wieder" ist entscheidend. Es stellt klar, dass die Freudenbotschaft kein einmaliges historisches Ereignis ist, sondern sich jährlich und für jeden Einzelnen aufs Neue ereignet. Die "Engelsmunde" künden also nicht nur den Hirten, sondern auch uns, den Lesenden, direkt an, dass "uns Christ geboren" sei. Dies schafft eine unmittelbare Teilhabe.
Trojan kontrastiert geschickt die äußeren mit den inneren Zuständen. Die "Winters Nacht" und die "Sorge" weichen nicht einfach der Sonne, sondern einem "hellem Jubel". Der entscheidende, fast mystische Moment folgt in der vierten Strophe: "und der Himmel wieder steigt / auf die Erde nieder". Hier wird die theologische Kernidee der Menschwerdung Gottes in ein einprägsames, poetisches Bild gefasst. Die Grenze zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen löst sich auf.
Die folgenden Strophen übersetzen dieses himmlische Wunder in die konkrete, sinnliche Weihnachtswelt. Die goldenen Sterne am Firmament finden ihr irdisches Pendant im "Tannengrün" – eine Anspielung auf den Christbaumsschmuck. Der "helle Schein" der Kerzen wird zum transformierenden Element: "durch die Augen fällt hinein / Licht auch in die Herzen". Das äußere Licht wird zum Symbol für innere Erleuchtung, Freude und Frieden. Der abschließende Wunsch "Freude wohn in Menschenbrust, / auf der Erde Friede!" macht aus dem beschaulichen Lied ein universelles Friedensgebet, das über den rein familiären Rahmen hinausweist.
Biografischer Kontext des Autors
Johannes Trojan (1837–1915) war eine prägende Figur im deutschen Literatur- und Journalismusleben des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Seine Bedeutung liegt weniger in avantgardistischer Lyrik, sondern in seiner meisterhaften Beherrschung der leicht verständlichen, volkstümlichen und humorvollen Dichtung. Über drei Jahrzehnte war er Chefredakteur des satirischen Wochenblatts "Kladderadatsch", wo er mit scharfem Witz und klarer Sprache gesellschaftliche und politische Zustände kommentierte.
Dieser Hintergrund ist entscheidend für das Verständnis seines "Weihnachtslieds". Trojan bewegte sich souverän zwischen den Polen der humoristischen Zeitkritik und der gefühlvollen, unprätentiösen Lyrik. Sein Stil ist stets klar, melodisch und auf unmittelbare Wirkung beim Leser bedacht. Das Gedicht spiegelt diese Qualitäten wider: Es ist frei von schwerem Pathos oder komplexer Metaphorik, sondern zielt auf eine direkte emotionale und sinnliche Ansprache. Trojans Werk zeigt, dass tiefe Empfindung und schlichte, eingängige Schönheit kein Widerspruch sind. Seine Popularität zu Lebzeiten unterstreicht, dass er den Nerv der Menschen traf – auch und gerade mit solchen besinnlichen Texten.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine Stimmung der stillen, freudigen und hoffnungsvollen Andacht. Es ist keine ausgelassene Feier, sondern eine kontemplative Freude. Durch die Wortwahl wie "lieblich", "holde Kunde", "Glanz" und "helle Kerzen" entsteht eine warme, lichtdurchflutete Atmosphäre, die der Kälte und Dunkelheit des Winters ("Winters Nacht") bewusst entgegengesetzt wird. Die wiederkehrenden Verben "kündet", "leuchten", "flammen auf" verleihen dem Text eine dynamische, belebende Energie. Die Grundstimmung ist getragen von einem tiefen inneren Frieden und der Gewissheit, dass das Gute und Schöne – symbolisiert durch die Weihnachtsbotschaft – selbst in die "ärmste Hütte" eindringen und alles verwandeln kann. Es ist eine Stimmung, die zum Innehalten und zur Besinnung auf das Wesentliche einlädt.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Absolut. Die zentralen Fragen und Sehnsüchte, die Trojan anspricht, sind heute genauso relevant wie im 19. Jahrhundert. Das Gedicht wirft die zeitlose Frage auf, wo in unserer hektischen, oft von Sorgen ("Sorge") geprägten Welt Raum für innere Erleuchtung und Freude bleibt. Der Kontrast zwischen der dunklen Jahreszeit und dem ersehnten "Licht in die Herzen" findet seine moderne Parallele im Bedürfnis nach digitaler Entschleunigung und echter, menschlicher Wärme in der Adventszeit.
Vor allem der finale Aufruf "auf der Erde Friede" besitzt eine ungebrochene, ja vielleicht sogar gesteigerte Aktualität. In einer Zeit globaler Konflikte ist der Wunsch nach allgemeinem Frieden kein romantisches Klischee, sondern ein dringliches menschliches Anliegen. Trojan verbindet das private Weihnachtsglück geschickt mit dieser universellen Hoffnung. Das Gedicht erinnert uns daran, dass das Fest mehr sein kann als Konsum: eine Gelegenheit, das "Himmlische" im Alltäglichen zu suchen und den Frieden bei sich selbst beginnen zu lassen.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Sprachlich ist das Gedicht als leicht bis mittelschwer einzustufen. Trojan verwendet eine klare, klassische Sprache ohne komplizierte Fremdwörter oder verschachtelte Satzkonstruktionen. Der Satzbau ist meist geradlinig, und der regelmäßige, eingängige Rhythmus unterstützt das Verständnis. Einige veraltete Wendungen wie "holde Kunde" oder "ward kund" mögen für jüngere Leser zunächst erklärungsbedürftig sein, erschließen sich aber aus dem Kontext. Die Bilder (Stern, Licht, Hütte, Herz) sind universell und leicht zugänglich. Die größere Herausforderung liegt vielleicht im Verständnis der theologischen Tiefe, die hinter der schlichten Fassade steckt – also im Erfassen der Bedeutung von "der Himmel steigt auf die Erde nieder". Insgesamt ist es aber ein Gedicht, das sich auch ohne literaturwissenschaftliche Vorkenntnisse gut erfassen und genießen lässt.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Das "Weihnachtslied" ist vielseitig einsetzbar. Es eignet sich perfekt für:
- Die familiäre Weihnachtsfeier, etwa als festlicher Vortrag vor der Bescherung.
- Advents- oder Weihnachtsgottesdienste, besonders in Familien- oder Kindergottesdiensten.
- Schulische Weihnachtsfeiern oder den Deutsch- oder Religionsunterricht in der Adventszeit.
- Weihnachtskonzerte oder musikalische Umrahmungen, da es aufgrund seines Rhythmus und Reimschemas sehr gut vorgetragen werden kann.
- Private Momente der Besinnung in der Adventszeit, um selbst in Stimmung zu kommen.
Sein versöhnlicher, friedensstiftender Abschluss macht es auch zu einer schönen Eröffnung oder einem gelungenen Abschluss einer festlichen Zusammenkunft.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht spricht eine breite Altersgruppe an. Kinder ab dem Grundschulalter können die schönen Bilder von Sternen, Kerzen und dem Tannengrün verstehen und die freudige Grundstimmung aufnehmen. Für Jugendliche und Erwachsene erschließen sich dann die tieferen Schichten der Botschaft: die Überwindung von Sorgen, die Sehnsucht nach Frieden und die poetische Verknüpfung von Himmel und Erde. Auch für Senioren ist der traditionelle, herzerwärmende Ton oft besonders ansprechend. Es ist somit ein generationenübergreifendes Gedicht, das in der Familie gemeinsam entdeckt werden kann.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Das Gedicht eignet sich weniger für Menschen, die explizit nach moderner, kritischer oder experimenteller Lyrik suchen, die Weihnachten vielleicht aus einer distanzierten oder ironischen Perspektive betrachtet. Sein Ton ist durchweg positiv, gläubig und unironisch. Wer eine dezidiert nicht-christliche oder rein weltliche Betrachtung des Festes sucht, wird hier nicht fündig. Auch für sehr kleine Kinder (unter 5 Jahren) könnten einige Begriffe noch zu abstrakt sein, obwohl die klare Rhythmik auch sie schon ansprechen kann. Es ist ein Gedicht für diejenigen, die sich auf die traditionelle, gefühlvolle und hoffnungsvolle Seite von Weihnachten einlassen möchten.
Wie lang dauert der Vortrag?
Bei einem bedachten, ruhigen und betonten Vortrag, der die Strophenpausen und die Schönheit der Sprache wirken lässt, liegt die Dauer bei etwa 60 bis 75 Sekunden. Ein etwas flüssigerer, aber immer noch würdevoller Vortrag ist in ungefähr 50 Sekunden möglich. Die sechs Strophen mit je vier Zeilen bieten eine ideale Länge – sie ist ausreichend, um eine geschlossene Atmosphäre zu schaffen, aber nicht so lang, dass die Aufmerksamkeit der Zuhörenden schwindet. Ein perfektes Zeitmaß für einen festlichen Programmpunkt.
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