Weihnacht
Kategorie: Christliche Weihnachtsgedichte
Weihnacht
Nun hör, wer OhrenAutor: Helene Most
Zu hören hat,
Christ ist geboren
In Davids Stadt.
Der konnt uns bringen
Das Heil allein,
Des wolln wir singen
Und fröhlich sein.
Gloria Deo!
Und laßt euch sagen
Das Wunder groß:
Es ward getragen
Im reinsten Schoß
Der nie verloren
Die Jungfrauschaft
Und doch geboren
In Gottes Kraft.
Gloria Deo!
Nun ist gebrochen
Des Satans Macht,
Was Gott gesprochen,
Hat er vollbracht,
All was auf Erden,
Seis noch so fern,
Soll selig werden
Durch Christ, den Herrn
Gloria Deo!
Und Schmerz und Leiden
Und Schmach und Spott,
Nichts kann uns scheiden
Von unserm Gott.
Drum hebt die Hände,
Und fern und nah
Jauchzt ohne Ende
Der Herr ist da –
Gloria Deo!
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Helene Mosts Gedicht "Weihnacht" ist ein klassisches, hymnisches Werk, das die christliche Weihnachtsbotschaft in drei klaren Akten entfaltet. Es beginnt mit einem feierlichen Aufruf, der an biblische Wendungen erinnert: "Nun hör, wer Ohren / Zu hören hat". Damit wird der Leser oder Zuhörer direkt in die Rolle eines Zeugen gerückt, dem eine wichtige Botschaft verkündet wird. Die erste Strophe konzentriert sich auf das historische Faktum der Geburt Christi in Bethlehem ("Davids Stadt") und die daraus resultierende Freude, die im wiederkehrenden Lobruf "Gloria Deo!" (Ehre sei Gott) gipfelt.
Die zweite Strophe vertieft das Wunder mit der Betonung der jungfräulichen Geburt. Die Formulierung "Im reinsten Schoß / Der nie verloren / Die Jungfrauschaft" beschreibt das theologisch zentrale Dogma auf eine sehr poetische und respektvolle Weise, ohne ins Derbe abzugleiten. Die Zeile "Und doch geboren / In Gottes Kraft" verbindet das Menschliche mit dem Göttlichen und unterstreicht das Übernatürliche des Ereignisses.
Der dritte Teil weitet den Blick von der Geburt auf ihre kosmische und erlösende Bedeutung. Hier wird die theologische Konsequenz gezogen: "Nun ist gebrochen / Des Satans Macht". Das Gedicht beschreibt die Geburt Jesu nicht nur als süßes Kindheitsidyll, sondern als entscheidenden Sieg im Kampf zwischen Gut und Böse, der Heil für "All was auf Erden" bringt. Die letzte Strophe wird dann sehr persönlich und tröstend. Sie adressiert menschliches Leid ("Schmerz und Leiden / Und Schmach und Spott") und stellt dem die unauflösliche Verbundenheit mit Gott entgegen. Der abschließende Jubelruf "Der Herr ist da" macht die Weihnachtsbotschaft zu einer gegenwärtigen, tröstlichen Realität, die über die reine Erinnerung hinausgeht.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine kraftvolle, siegesgewisse und zugleich innig-freudige Stimmung. Es ist weit entfernt von der besinnlichen, manchmal auch sentimentalen Ruhe vieler Weihnachtsgedichte. Stattdessen dominiert ein feierlicher, fast verkündigender Ton, der an einen Choral oder eine festliche Kantate erinnert. Der wiederkehrende Refrain "Gloria Deo!" wirkt wie ein machtvoller Kehrreim, der jeden Gedankenabschnitt beschließt und die Stimmung der Anbetung und des Triumphes verstärkt. Die Sprache ist klar, zuversichtlich und frei von Zweifeln. Sie vermittelt ein Gefühl der Erlösungsgewissheit und der unerschütterlichen Hoffnung, das auch in der Beschwörung von Leid und Spott nicht getrübt, sondern dadurch sogar noch gestärkt wird. Insgesamt strahlt das Werk eine tiefe, gefestigte Glaubensfreude aus.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Die zeitlose Kernfrage des Gedichts ist absolut zeitgemäß: Wo finden Menschen Hoffnung und Trost in einer Welt, die von "Schmerz und Leiden" geprägt ist? In einer modernen Lesart kann das "Gloria Deo" als Ausdruck tiefer Dankbarkeit und eines Sinns verstanden werden, der jenseits des Materiellen liegt. Die Sehnsucht danach, dass eine höhere Macht die "Macht" des Bösen – was heute als Ungerechtigkeit, Verzweiflung oder Sinnlosigkeit empfunden werden kann – bricht, ist nach wie vor aktuell. Das Gedicht wirft die Frage auf, woher wir als Gesellschaft und als Einzelne die Kraft für Freude und Jubel ("Jauchzt ohne Ende") nehmen, besonders in schwierigen Zeiten. Auch der universelle Anspruch "All was auf Erden ... / Soll selig werden" lässt sich im modernen Kontext als Wunsch nach umfassendem Heil, Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen interpretieren. Es bleibt ein kraftvolles Zeugnis dafür, wie ein religiöses Fest fundamentale menschliche Hoffnungen artikuliert.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Sprachlich ist das Gedicht als mittelschwer einzustufen. Der Satzbau ist meist geradlinig und die Wortwahl größtenteils aus dem modernen Grundwortschatz verständlich. Einige veraltete oder poetische Formen wie "Seis" (sei es), "Schoß" oder "Jungfrauschaft" bedürfen vielleicht einer kurzen Erklärung, erschließen sich aber aus dem Kontext. Die größere Herausforderung liegt im inhaltlich-theologischen Verständnis. Konzepte wie die jungfräuliche Geburt, der Sieg über Satan oder die Erlösung aller setzen ein gewisses Grundwissen über die christliche Lehre voraus, um voll erfasst zu werden. Ohne dieses Hintergrundwissen bleibt der Text zwar klangvoll und rhythmisch, aber seine tiefere Bedeutungsebene erschließt sich nicht vollständig. Die Struktur mit ihrer dreiteiligen Entfaltung (Ereignis – Wunder – Konsequenz) ist jedoch sehr klar und nachvollziehbar.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht eignet sich hervorragend für den Einsatz im kirchlichen oder gemeindlichen Weihnachtskontext. Es passt perfekt in einen Gottesdienst, einen Adventskreis, eine Christvesper oder ein Krippenspiel als vorgetragener Text. Aufgrund seines feierlichen und verkündigenden Charakters ist es auch ideal für Weihnachtsfeiern von Chören oder christlichen Vereinen. Im privaten Rahmen kann es eine bereichernde, besinnliche Abwechslung beim gemeinsamen Lesen am Heiligen Abend sein, besonders für Familien, die den theologischen Aspekt von Weihnachten betonen möchten. Es ist weniger ein kleines, privates Gedichtchen, sondern eher ein kleines "Glaubensbekenntnis" in Versform für festliche Anlässe.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Primär spricht das Gedicht Erwachsene und Jugendliche ab etwa 14 Jahren an, die über das nötige Abstraktionsvermögen und oft auch das theologische Interesse verfügen, um die dichte Botschaft zu erfassen. Mit einer einführenden Erklärung kann es aber auch schon mit älteren Kindern (ab ca. 10 Jahren) gelesen und besprochen werden, wobei der Fokus dann auf den einfacheren Bildern wie der Freude, dem Wunder der Geburt und dem Licht, das die Dunkelheit besiegt, liegen kann. Der eingängige Rhythmus und der wiederkehrende Refrain machen es auch für jüngere Zuhörer klanglich attraktiv.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Das Gedicht eignet sich weniger für Menschen, die nach einem rein weltlichen, neutralen oder kommerziellen Weihnachtsgedicht suchen. Wer eine romantische Beschreibung von Schnee, Tannenbaum und Geschenken erwartet, wird hier nicht fündig. Ebenso ist es für Leser oder Zuhörer, die mit dem christlichen Glauben und seiner Terminologie gar nichts anfangen können oder dies sogar ablehnen, wahrscheinlich nicht zugänglich oder ansprechend. Der Text ist eindeutig und ohne Umschweife ein Glaubenszeugnis. Auch für sehr junge Kinder ohne jeden kirchlichen Hintergrund sind die Begriffe zu abstrakt und die Botschaft zu komplex.
Wie lang dauert der Vortrag?
Bei einem bedachten, würdigen und klar artikulierten Vortrag mit kleinen Pausen zwischen den Strophen und einer deutlichen Betonung des "Gloria Deo!" liegt die Dauer bei etwa 60 bis 75 Sekunden. Ein sehr schnelles, abgehacktes Herunterlesen wäre dem feierlichen Charakter des Textes abträglich. Ein guter Vortrag sollte den hymnischen, fast musikalischen Fluss der Verse betonen und dem Zuhörer Zeit lassen, die kraftvollen Aussagen wirken zu lassen. Für einen besonders eindrucksvollen Vortrag kann man sich auch vorstellen, dass die letzte Zeile "Der Herr ist da –" von einer Gruppe gesprochen oder gesungen wird, was die Dauer minimal verlängern würde.
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