Es ist Advent
Kategorie: Adventsgedichte
Es ist Advent
Seht her, die erste Kerze brennt,Autor: unbekannt
es ist Advent, es ist Advent.
So dunkel ist die Winternacht,
drum haben wir ein Licht gemacht.
Es strahlt eine Kerze mit hellem Schein.
Doch es könnte die Nacht noch heller sein.
Seht her, die zweite Kerze brennt,
es ist Advent, es ist Advent.
So dunkel ist die Winternacht,
drum haben wir noch ein Licht gemacht.
Es strahlen zwei Kerzen mit hellem Schein.
Doch es könnte die Nacht noch heller sein.
Seht her die dritte Kerze brennt,
es ist Advent, es ist Advent.
So dunkel ist die Winternacht,
drum haben wir noch ein Licht gemacht.
Es strahlen drei Kerzen mit hellem Schein.
Doch es könnte die Nacht noch heller sein.
Seht her die vierte Kerze brennt,
es ist Advent, es ist Advent.
So dunkel ist die Winternacht,
drum haben wir noch ein Licht gemacht.
Es strahlen vier Kerzen mit hellem Schein.
Doch es könnte die Nacht noch heller sein.
Siehst du die Lichter nicht und den Glanz?
Es brennen doch schon alle Kerzen am Kranz!
Wenn nicht in uns ein Lichtlein brennt,
dann bleibt es dunkel, auch im Advent!
Jeder hilft jedem, so gut er kann.
Dann gehen viele Lichter an!
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Gedicht "Es ist Advent" folgt einer klaren, sich steigernden Struktur, die den Verlauf der vier Adventssonntage nachzeichnet. Jede Strophe beginnt mit dem feierlichen Hinweis auf die neu entzündete Kerze, was ein starkes Gefühl der gemeinsamen Erwartung und des Fortschritts erzeugt. Die wiederholten Zeilen "es ist Advent, es ist Advent" wirken wie ein liturgischer Refrain und unterstreichen die festliche Zeit. Interessant ist die ständige Gegenüberstellung von Licht und Dunkelheit. Trotz der wachsenden Zahl der Kerzen und ihres "hellen Scheins" wird in jeder Strophe betont: "Doch es könnte die Nacht noch heller sein." Diese Zeile ist der Schlüssel zum Verständnis. Sie deutet darauf hin, dass die äußere Beleuchtung allein nicht genügt.
Die überraschende Wendung kommt in den letzten beiden Strophen. Die rhetorische Frage "Siehst du die Lichter nicht und den Glanz?" konfrontiert den Leser direkt. Selbst wenn alle vier Kerzen brennen, bleibt eine potenzielle Leere. Das Gedicht legt nun seine tiefere Botschaft offen: Das wahre Licht muss im Menschen selbst entfacht werden. "Wenn nicht in uns ein Lichtlein brennt, dann bleibt es dunkel, auch im Advent!" Diese Zeilen verschieben den Fokus vom symbolischen Ritual hin zur persönlichen, ethischen Verantwortung. Die abschließenden Sätze "Jeder hilft jedem, so gut er kann. Dann gehen viele Lichter an!" machen die Metapher konkret. Das innere "Lichtlein" wird als aktive Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft definiert. Aus vielen einzelnen Taten entsteht dann ein gesellschaftlicher "Glanz", der die winterliche Dunkelheit wahrhaft erhellt.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Zunächst evoziert das Werk eine traditionell besinnliche und gemütliche Adventsstimmung. Das Bild der nacheinander angezündeten Kerzen auf dem Kranz schafft ein Gefühl von Ruhe, Wärme und voranschreitender Vorfreude. Die einfache, rhythmische Sprache hat einen fast kindlich anmutenden und einladenden Charakter. Doch parallel zu dieser Geborgenheit baut sich eine subtile Spannung auf. Die ständige Erinnerung daran, dass es "noch heller sein" könnte, wirkt wie ein leises, nachdenkliches Unterfangen. Die anfänglich heimelige Stimmung wird dadurch mit Tiefe angereichert.
Die finale Passage transformiert die Stimmung dann vollends. Aus der beschaulichen Betrachtung wird ein appellhafter und motivierender Aufruf. Das Gedicht endet nicht in stiller Kontemplation, sondern in einem hoffnungsvollen Aktionsimpuls. Die Gesamtstimmung ist daher eine gelungene Mischung aus festlicher Tradition, nachdenklicher Selbstreflexion und ermutigendem Optimismus, dass jeder Einzelne durch sein Handeln zum allgemeinen Licht beitragen kann.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Dieses Gedicht ist in hohem Maße zeitgemäß, ja geradezu aktuell. Seine Kernfrage nach der Quelle wahrhaften Lichts in dunklen Zeiten ist universell. In einer Epoche, die oft von Krisen, gesellschaftlicher Polarisierung und dem Gefühl der Ohnmacht geprägt ist, bietet das Werk eine einfache und kraftvolle Botschaft: Warten wir nicht nur darauf, dass "von außen" etwas heller wird, sondern fragen wir uns, welches Licht wir selbst entzünden können.
Die moderne Parallele liegt in der Betonung des individuellen Beitrags zum Gemeinwohl. Der Satz "Jeder hilft jedem, so gut er kann" spiegelt heutige Diskurse über Solidarität, ehrenamtliches Engagement und kleine Alltagsgesten wider, die einen Unterschied machen. Das Gedicht wirft eine hochrelevante Frage auf: Befriedigen wir uns in der Advents- und Weihnachtszeit mit äußerlichem Konsum und Dekoration (den "Kerzen am Kranz"), oder suchen wir nach einer authentischen, inneren Haltung der Güte? Damit überwindet es den rein folkloristischen Charakter vieler Weihnachtsgedichte und bleibt ein zeitloses Plädoyer für mitmenschliche Verantwortung.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Sprachlich ist das Gedicht als leicht bis mittelschwer einzustufen. Der Satzbau ist durchgehend einfach und geradlinig, der Wortschatz gut verständlich und alltagstauglich. Komplexe Metaphern oder verschachtelte Sätze sucht man vergebens. Die starken Wiederholungen und der eingängige Rhythmus erleichtern das Verständnis und das Auswendiglernen erheblich. Die Schwierigkeit liegt nicht in der Sprache, sondern im Inhalt. Die Deutung der Lichtsymbolik und die Übertragung der Botschaft auf das eigene Leben erfordern ein gewisses Maß an Reflexion.
Gerade für jüngere Leser oder Zuhörer mag die letzte Strophe mit ihrer philosophischen Wendung nach einer Erklärung verlangen. Warum soll es dunkel bleiben, wenn doch alle Kerzen brennen? Die Antwort findet sich im abstrakteren Konzept des "inneren Lichts". Insgesamt ist das Werk also sprachlich sehr zugänglich, bietet in seiner Interpretation aber durchaus anspruchsvolle Gedanken, die ein Gespräch lohnenswert machen.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht ist natürlich in erster Linie für die Adventszeit prädestiniert. Es passt perfekt zu folgenden Anlässen:
- Als Eröffnung oder Beitrag in einer Adventsfeier in der Familie, im Kindergarten oder in der Schule.
- Zur Gestaltung einer Morgen- oder Wochenkreisstunde in der Grundschule in den Wochen vor Weihnachten.
- Als passende Lesung in Seniorenheimen oder Gemeindegruppen während der Adventsnachmittage.
- Als Impuls oder Meditation zu Beginn einer Sitzung oder eines Treffens in der Vorweihnachtszeit, um den Fokus auf Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft zu lenken.
- Für die private Besinnung zu Hause, vielleicht begleitet vom tatsächlichen Anzünden der Adventskerzen.
Sein appellhaftes Ende macht es auch für nicht streng religiöse Feiern geeignet, da es eine allgemein menschliche Botschaft transportiert.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Die primäre Zielgruppe sind Kinder im Vor- und Grundschulalter, etwa von 4 bis 10 Jahren. Der klare Rhythmus, die sich wiederholenden Strophen und die anschauliche Kerzen-Thematik sprechen diese Altersgruppe unmittelbar an. Kinder können die fortschreitende Zählung leicht mitvollziehen und die Geschichte des Adventskranzes miterleben.
Aber das Gedicht besitzt eine erstaunliche Bandbreite. Durch seine tiefere Botschaft in der Schlussstrophe eignet es sich ebenfalls hervorragend für Erwachsene und Senioren. Es bietet genug Substanz, um in der Familie oder in Gemeindegruppen generationenübergreifend diskutiert zu werden. Die einfache Form macht es für alle verständlich, der Inhalt bietet aber auch für Ältere einen sinnstiftenden und besinnlichen Impuls.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Weniger geeignet ist das Gedicht für Leser oder Zuhörer, die ausschließlich an komplexer, moderner Lyrik mit ausgefeilten sprachlichen Bildern und Mehrdeutigkeiten interessiert sind. Wer eine kritische oder gar ironische Auseinandersetzung mit dem Weihnachtsfest sucht, wird hier nicht fündig. Ebenso könnte der sehr direkte und moralisch-appellhafte Schluss auf Menschen, die eine rein unterhaltsame oder dekorative Funktion für Adventsgedichte erwarten, vielleicht zu belehrend wirken.
Für sehr kleine Kinder unter drei Jahren sind die Textlänge und die abstrakte Schlussbotschaft wahrscheinlich noch nicht fassbar, auch wenn sie die Bilder der Kerzen mögen. In rein säkularen Kontexten, in denen jeder spirituelle oder werteorientierte Unterton vermieden werden soll, könnte die Rede vom "Lichtlein in uns" als zu metaphorisch oder christlich konnotiert empfunden werden.
Wie lang dauert der Vortrag?
Die Dauer des Vortrags hängt natürlich vom gewählten Tempo und davon ab, ob kleine Pausen zwischen den Strophen gemacht werden. Bei einem ruhigen, bedächtigen und betonten Vorlesen, wie es der besinnliche Charakter der Adventszeit nahelegt, liegt die reine Sprechzeit etwa zwischen 60 und 90 Sekunden. Ein zügigerer, eher erzählender Vortrag könnte knapp unter einer Minute liegen.
Für einen besonders wirkungsvollen Vortrag, etwa in einer Feier, kannst du die Sprechgeschwindigkeit mit dem Fortschreiten der Kerzen anpassen: Die ersten Strophen vielleicht etwas langsamer und geheimnisvoller, die letzte Strophe mit der wichtigen Botschaft dann klar, deutlich und mit Nachdruck. So wird die Botschaft optimal transportiert, ohne dass es langatmig wirkt. Die Kürze macht das Gedicht auch ideal für den Einsatz in Programmen mit mehreren Beiträgen.