Nun kommt das Christkind aber bald

Kategorie: Besinnliche Weihnachtsgedichte

Nun kommt das Christkind aber bald

Nun kommt das Christkind aber bald.
Wir holen Tannen aus dem Wald,
Für einen Kranz so rund und fein,
Darauf brennen vier rote Kerzelein.

Heute zünden wir die erste an,
Am Sonntag ist die zweite dran,
Bei der dritten da leuchtet schon das ganze Gesicht,
Weil es überall nach Weihnachten riecht.

Und wenn die vierte angemacht,
Dann läuten die Glocken zur heiligen Nacht.
Sie läuten von nah, sie läuten von fern,
Freut euch Ihr Menschen, es Weihnachtet sehr.
Autor: unbekannt

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht "Nun kommt das Christkind aber bald" ist ein klassischer Adventsreim, der den Countdown bis zum Heiligen Abend in vier klaren Strophen nachzeichnet. Es beginnt mit einer aktiven Vorbereitung: Das "Wir" holt Tannen aus dem Wald, was auf eine traditionelle, selbstgemachte Herangehensweise an die Festvorbereitungen hindeutet. Der "Kranz so rund und fein" mit seinen vier Kerzen ist ein direktes Symbol für den Adventskranz, ein zentrales Element der christlichen Vorweihnachtszeit. Die Struktur des Gedichts folgt exakt dem Ritual des Kerzenanzündens an den vier Adventssonntagen. Besonders einprägsam ist die dritte Strophe, wo die sinnliche Erfahrung ("überall nach Weihnachten riecht") mit der wachsenden Vorfreude ("leuchtet schon das ganze Gesicht") verbunden wird. Der finale Abschnitt mündet im Glockenläuten der Heiligen Nacht, das universell und allumfassend ("von nah, von fern") die frohe Botschaft verkündet. Die Aufforderung "Freut euch Ihr Menschen" ist ein inklusiver Aufruf zur gemeinsamen Freude, der über das rein Religiöse hinausgeht und die allgemeine Feststimmung einfängt.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine unmittelbare, warme und kindlich-erwartungsvolle Stimmung. Es ist durchdrungen von einer behaglichen Vorfreude, die sich mit jedem Vers steigert. Die einfache, rhythmische Sprache und die konkreten Bilder – vom Tannenduft bis zum Kerzenschein – wecken starke sinnliche Erinnerungen und Assoziationen. Es vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit, Tradition und gemeinschaftlichem Tun. Die Stimmung ist durchweg positiv, hoffnungsvoll und festlich, ohne jegliche Spur von Weihnachtsstress oder Kommerz. Stattdessen liegt der Fokus auf den einfachen, zeitlosen Ritualen, die das Warten versüßen und die Magie der Adventszeit spürbar machen.

Ist das Gedicht zeitgemäß?

Absolut. Auch in unserer hektischen Zeit wirft das Gedicht Fragen auf, die hochrelevant sind: Wie schaffen wir es, in der Vorweihnachtszeit bewusst zur Ruhe zu kommen und echte Vorfreude zu kultivieren? Können wir moderne Parallelen zu den einfachen, selbstgemachten Vorbereitungen ("Wir holen Tannen aus dem Wald") ziehen, etwa indem wir bewusst auf Konsum verzichten und Zeit mit der Familie verbringen? Das Gedicht erinnert an den Wert von Ritualen, die Kontinuität und Halt geben. In einer Zeit der digitalen Überflutung spricht es die ursprünglichen Sinne an – das Riechen, das Sehen des Kerzenlichts, das Hören der Glocken. Es thematisiert damit indirekt den Wunsch nach Entschleunigung und authentischen Erlebnissen, die heute vielleicht gesuchter sind denn je. Die universelle Botschaft der Freude ("Freut euch Ihr Menschen") bleibt immer aktuell.

Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?

Sprachlich ist das Gedicht als leicht einzustufen. Es verwendet einen klaren, umgangssprachlichen Satzbau und einen einfachen, eingängigen Reim (Paarreim). Der Wortschatz ist alltagsnah und gut verständlich, mit wenigen bildhaften, aber sehr konkreten Begriffen wie "Tannen", "Kerzelein" oder "Glocken". Es gibt keine komplexen Metaphern oder verschachtelten Sätze. Die einzige kleine Herausforderung könnte das veraltete "angemacht" für "angezündet" sein, was aber aus dem Kontext sofort erschlossen werden kann. Die leichte Verständlichkeit macht seinen großen Charme und seine Eignung für ein breites Publikum aus.

Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?

Das Gedicht ist perfekt für alle Anlässe in der Adventszeit. Es eignet sich hervorragend zum Vorlesen oder Aufsagen beim gemeinsamen Entzünden der Adventskerzen im Familienkreis, in der Kita oder in der Grundschule. Es passt wunderbar in adventliche Feierstunden, in Seniorenkreise zur Weihnachtszeit oder als stimmungsvoller Einstieg für eine Weihnachtsfeier. Auch für kleine Adventskalender, sei es als beigelegter Zettel oder als täglicher Spruch in der ersten Dezemberwoche, ist es eine schöne Idee. Sein klarer Aufbau macht es zudem ideal, um Kindern die Bedeutung und den Ablauf der vier Adventssonntage zu erklären.

Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Die primäre Zielgruppe sind Kinder im Vor- und Grundschulalter (ca. 3 bis 10 Jahre). Der einfache Rhythmus, die anschaulichen Bilder und die Thematik der unmittelbaren Vorfreude sprechen diese Altersgruppe besonders an. Aber auch Erwachsene, die nach traditionellen, herzlichen Weihnachtsversen suchen, werden Freude daran haben. Es ist ein generationenübergreifendes Gedicht, das Großeltern mit ihren Enkeln gemeinsam lesen oder rezitieren können, da es bei den Älteren nostalgische Gefühle weckt und bei den Jungen die aktuelle Vorfreude widerspiegelt.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Weniger geeignet ist das Gedicht für Menschen, die explizit nach moderner, kritischer oder nicht-christlicher Weihnachtslyrik suchen. Wer Gedichte mit komplexer Symbolik, abstrakten Gedanken oder einer literarisch anspruchsvollen Sprache sucht, wird hier nicht fündig. Ebenso eignet es sich weniger für einen rein weltlichen Kontext, in dem Begriffe wie "Christkind", "heilige Nacht" oder das Glockenläuten zur Kirche nicht passen. Für Jugendliche in der Phase der Abgrenzung könnte der Text möglicherweise als "zu kindlich" oder "zu traditionell" empfunden werden.

Wie lang dauert der Vortrag?

Bei einem ruhigen, bedächtigen und betonten Vortrag, wie er für die besinnliche Stimmung der Adventszeit angemessen ist, dauert das Rezitieren des gesamten Gedichts etwa 30 bis 40 Sekunden. Ein etwas lebhafterer, kindgerechter Vortrag mit kleinen Pausen zwischen den Strophen, um die Spannung zu steigern, kann auch knapp eine Minute in Anspruch nehmen. Die Länge ist damit ideal, um Aufmerksamkeit zu behalten und gut in Rituale wie das Kerzenanzünden integriert zu werden, ohne zu lange zu werden.

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