Weihnachsfrau oder Weihnachtsmann?

Kategorie: Lustige Weihnachtsgedichte

Weihnachsfrau oder Weihnachtsmann?

Im Sinne der Emanzipation
stellte sich jeder die Frage schon:
Warum heißt es "Weihnachtsmann"?
Hörte es sich nicht besser an,
wenn es hieße "Weihnachtsfrau"?

Nun ja, ich weiß es nicht genau.
Auf jeden Fall fiel es mir schwer,
käm’ da 'ne Frau mit Bart daher,
mir das Lachen zu verkneifen.
Weil Frauen doch gewöhnlich keifen,
erfreute es mich sowieso,
rief sie noch lauthals: Ho Ho Ho!

Man stelle sich vor, dann schwänge die Gute
während des Rufens auch noch ihre Rute.
Doch die Grenze zum guten Geschmack,
das wäre wohl der pralle Sack.

Nach dieser Analyse des Geschlechtes
und im Eifer des Gefechtes,
ergeben meine Argumente dann:
Es kann nur heißen: "Weihnachtsmann"!
Autor: unbekannt

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht "Weihnachsfrau oder Weihnachtsmann?" nimmt eine scheinbar aktuelle gesellschaftliche Debatte – die geschlechtergerechte Sprache – als humorvollen Aufhänger. Es beginnt mit einer rhetorischen Frage, die im "Sinne der Emanzipation" gestellt wird, und spielt damit auf moderne Diskurse an. Der Sprecher führt den Leser jedoch nicht in eine ernsthafte Diskussion, sondern lenkt das Thema sofort ins Absurde und Komische. Die zentrale Pointe liegt in der bildhaften Vorstellung einer "Weihnachtsfrau" mit Bart, die das typische "Ho Ho Ho" ruft. Hier wird das traditionelle, männlich geprägte Bild des Weihnachtsmanns mit weiblichen Attributen konfrontiert, was bewusst lächerlich wirken soll. Die Erwähnung von "Rute" und "prallem Sack" verstärkt die komische Übertreibung und spielt mit der Doppeldeutigkeit und der ikonografischen Ausstattung der Figur. Der Schluss, der nach einer "Analyse des Geschlechtes" und im "Eifer des Gefechtes" gezogen wird, ist ironisch zu verstehen. Die "Argumente" des Sprechers basieren nicht auf Logik, sondern auf Klischees ("weil Frauen doch gewöhnlich keifen") und der Befürchtung vor einem Verlust des gewohnten, humorvollen Charakters der Figur. Das Gedicht ist somit weniger eine Stellungnahme zur Gender-Debatte als vielmehr eine Persiflage auf oberflächliche Argumentationsweisen und die Angst vor Veränderung selbst bei mythischen Figuren.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine durchweg heitere und unterhaltsame Stimmung. Es ist von einem augenzwinkernden, bisweilen schalkhaften Tonfall geprägt. Der Leser wird zum Lachen oder Schmunzeln eingeladen, besonders bei den überzeichneten Bildern der barttragenden Frau oder der Vorstellung des "Rufen[s]" mit der "Rute". Es herrscht keine aggressive oder bissige Satire, sondern ein eher verspielter und leicht anarchischer Humor, der ein vertrautes Symbol unserer Weihnachtstradition kurzerhand auf den Kopf stellt. Die Stimmung ist gesellig und eignet sich hervorragend, um in einer gemütlichen Runde für Erheiterung zu sorgen.

Ist das Gedicht zeitgemäß?

Das Gedicht ist in seiner Thematik erstaunlich zeitgemäß, auch wenn es vielleicht vor einigen Jahrzehnten entstanden ist. Die Frage nach geschlechtergerechter Sprache und der Repräsentation von Frauen und Männern in Rollenbildern und Traditionen wird heute intensiver denn je diskutiert. Das Gedicht wirft diese Frage spielerisch auf, ohne sie ernsthaft zu beantworten. Es kann als humorvoller Kommentar auf die oft hitzig geführten Debatten gelesen werden und regt dazu an, nicht alles unreflektiert ernst zu nehmen. Die moderne Parallele liegt also in der Aktualität des Aufhängers. Gleichzeitig fordert es den Leser indirekt auf, sich zu fragen, warum wir bestimmte Traditionen so vehement gegen Veränderungen verteidigen und ob nicht auch ein spielerischer Umgang mit ihnen möglich ist.

Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?

Sprachlich ist das Gedicht als leicht bis mittelschwer einzustufen. Der Satzbau ist klar und die Reime sind eingängig. Einige veraltete oder umgangssprachliche Wendungen wie "keifen" (zanken, nörgeln) oder "im Eifer des Gefechtes" könnten jüngeren Lesern vielleicht erklärungsbedürftig sein, stören den Lesefluss aber nicht wesentlich. Die größere Herausforderung liegt im versteckten Humor und der Ironie. Um die Pointe und die satirische Ebene vollständig zu erfassen, benötigt man ein gewisses kulturelles und gesellschaftliches Grundverständnis. Die Doppeldeutigkeiten (z.B. "Rute", "Sack") setzen zudem voraus, dass der Leser die traditionelle Darstellung des Weihnachtsmanns kennt. Insgesamt ist der Text also sprachlich zugänglich, aber mit einer humorvollen Tiefe versehen.

Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?

Dieses Gedicht ist ein perfekter Beitrag für gesellige Weihnachtsfeiern im Freundes- oder Familienkreis, bei der Arbeit oder im Verein. Es eignet sich hervorragend als humorvoller Programmpunkt nach dem Essen, um die Runde aufzulockern. Auch für einen weihnachtlichen Poetry-Slam oder einen lockeren literarischen Abend mit einem Thema wie "Moderne Weihnacht" ist es ideal. Aufgrund seines provokant-spielerischen Tons sollte es in einem Rahmen vorgetragen werden, in dem über den eigenen Schatten und festgefahrene Traditionen gelacht werden darf.

Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Die ideale Altersgruppe sind Erwachsene und Jugendliche ab etwa 14 Jahren. In diesem Alter sind die nötigen kulturellen und sprachlichen Voraussetzungen vorhanden, um die Ironie und die teilweise anzüglichen Anspielungen zu verstehen und als humorvoll einzuordnen. Für einen vorgetragenen Vortrag in einem gemischten Erwachsenenpublikum ist es bestens geeignet. Jüngere Kinder verstehen die satirische Ebene wahrscheinlich nicht und könnten die Darstellung einer "Weihnachtsfrau" einfach wörtlich nehmen oder die Doppeldeutigkeiten nicht erfassen.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Das Gedicht eignet sich weniger für sehr formelle oder konservative Weihnachtsfeiern, wie sie vielleicht in einem kirchlichen oder sehr traditionellen familiären Umfeld stattfinden. Menschen, die keinen Spaß an einer humorvollen Infragestellung von Rollenklischees haben oder die die Gender-Debatte ausschließlich ernst und konfliktbehaftet sehen, könnten sich am Ton des Gedichts stoßen. Ebenso ist es für eine Feier mit vielen kleinen Kindern unpassend, da der humoristische Gehalt für sie nicht zugänglich ist und die Eltern eventuell Erklärungen für die Anspielungen schuldig bleiben. Wer nach einem besinnlichen, rührenden oder rein kindlichen Weihnachtsgedicht sucht, wird hier nicht fündig.

Wie lang dauert der Vortrag?

Bei einem gut betonten, gemächlichen Vortrag mit kleinen Pausen für die komischen Pointen liegt die Dauer des Vortrags bei ungefähr 45 bis 60 Sekunden. Ein sehr flotter, weniger pointierter Vortrag könnte auch in etwa 35 Sekunden möglich sein, doch würde dies der Wirkung des Gedichts abträglich sein. Die ideale Länge liegt bei knapp einer Minute, was es zu einem kurzen, aber einprägsamen und wirkungsvollen Beitrag für jedes weihnachtliche Programm macht.

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