Der Christstollen
Kategorie: Lustige Weihnachtsgedichte
Der Christstollen
Leider wurde mir ein Christstollen geschenkt,Autor: weihnachtsgedichte.biz
das kommt dabei raus, wenn der Gebende nicht denkt.
Leider wurde mir ein Christstollen geschenkt,
doch damit hat der Gebende mich nur schwer gekränkt.
Die Rosinen bejahrt, mit Puder nicht gespart,
und dann wundert man sich, komme ich so nicht in Fahrt?
Er ist eingedellt, und der Teig zerfällt,
und dann wundert man sich, wenn es einem nicht gefällt?
Ich schneide ihn an, und denke manoman,
und dann wundert man sich, wenn es mir nicht schmecken kann?
Ich ess nur ein Stück, der Rest bleibt zurück,
und dann wundert man sich, wenn ich Rosinen rauspflück?
- Interpretation des Gedichts
- Stimmung des Gedichts
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Schwierigkeitsgrad
- Geeigneter Anlass
- Geeignete Altersgruppe
- Für wen eignet es sich weniger?
- Dauer des Vortrags
Ausführliche Interpretation des Gedichts "Der Christstollen"
Das Gedicht "Der Christstollen" ist eine humorvoll-ironische Abrechnung mit einer Weihnachtstradition, die nicht immer den Erwartungen entspricht. Auf den ersten Blick scheint es nur von einem misslungenen Gebäck zu handeln. Bei genauerer Betrachtung entpuppt es sich jedoch als kleines Meisterwerk über gesellschaftliche Pflichtübungen, enttäuschte Erwartungen und die Kunst der verpflichtenden Höflichkeit.
Die wiederholte Klage "Leider wurde mir ein Christstollen geschenkt" setzt gleich zu Beginn den Ton. Es geht nicht um Freude, sondern um ein bedauernswertes Ereignis. Der Sprecher fühlt sich sogar "schwer gekränkt", was die Geste des Schenkens ins Absurde dreht. Die detaillierte Beschreibung des Stollens – die "bejahrten" Rosinen, der übermäßige Puderzucker, die krümelige Konsistenz – dient als konkretes Symbol für eine lieblos erfüllte Pflicht. Die rhetorische Frage "und dann wundert man sich...?" wird zum Refrain der Empörung. Sie kritisiert indirekt den gedankenlosen Geber, der eine Reaktion der Dankbarkeit erwartet, obwohl die Gabe selbst keine Mühe oder Sorgfalt erkennen lässt.
Die finale Strophe, in der der Sprecher nur ein Stück probiert und Rosinen herauspflückt, ist der Höhepunkt der subtilen Rebellion. Es ist die kleine, stille Weigerung, den ungenießbaren Geschenkakt komplett zu akzeptieren. Das Gedicht thematisiert so den Zwang zur Heuchelei in sozialen Ritualen und die Erleichterung, wenn man diesem Zwang zumindest im Privaten nicht nachgeben muss.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine einnehmende Mischung aus augenzwinkerndem Ärger und befreiendem Komik. Die Stimmung ist nicht bösartig oder verletzend, sondern von einer nachvollziehbaren Genervtheit getragen, die viele von uns aus der Weihnachtszeit kennen. Durch die übertriebene Dramatisierung ("schwer gekränkt", "manoman") und den eingängigen, fast schon singsangartigen Rhythmus wirkt es weniger wie eine bittere Anklage, sondern eher wie ein humorvoller Seufzer unter Gleichgesinnten.
Man spürt die Enttäuschung des Sprechers, aber gleichzeitig schwingt ein Gefühl der Solidarität mit allen mit, die schon einmal ein schlechtes Geschenk mit einem Lächeln entgegennehmen mussten. Es ist eine Stimmung der gemeinsamen Erheiterung über die kleinen Absurditäten des Festes. Die pointierten Fragen am Ende jeder Strophe laden dich direkt ein, schmunzelnd zuzustimmen.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Absolut. Das Gedicht wirft Fragen auf, die heute relevanter sind denn je. Im Zeitalter von Massenproduktion und stressigem Weihnachtstrubel geht es oft mehr um das Schenken an sich als um die individuelle Geste. Das Gedicht hinterfragt diese Routine. Es thematisiert Nachhaltigkeit (ein Geschenk, das kaum jemand essen will, ist Verschwendung), Aufmerksamkeit (der gedankenlose Geber) und die Authentizität unserer sozialen Interaktionen.
Moderne Parallelen lassen sich mühelos ziehen: Der unpersönliche Geschenkgutschein, die obligatorische Schachtel Pralinen oder der selbstgemachte Gegenstand, der liebevoll gemeint, aber leider unbrauchbar ist. Die Kernfrage des Gedichts – müssen wir für jede Geste dankbar sein, ungeachtet ihrer Qualität und Intention? – ist ein zeitloses soziales Dilemma. In einer Zeit, die Wert auf bewussten Konsum und echte zwischenmenschliche Beziehungen legt, hat dieses kleine Werk eine überraschend tiefe Botschaft.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Das Gedicht ist sprachlich leicht bis allenfalls mittelschwer zugänglich. Es verwendet eine alltagsnahe, umgangssprachlich gefärbte Wortwahl ("manoman", "eingedellt", "rauspflück"). Die Sätze sind kurz und die Syntax unkompliziert. Der regelmäßige Kreuzreim und der eingängige Rhythmus machen es einfach zu lesen und vorzutragen. Schwierigkeiten könnten höchstens einige veraltete Wendungen wie "bejahrt" (für alt) bereiten, deren Bedeutung sich aus dem Kontext aber sofort erschließt. Insgesamt ist die Sprache bewusst gewählt, um einen komischen Kontrast zum traditionell eher feierlichen Thema Weihnachten zu erzeugen.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Perfekt eignet es sich für lockere Weihnachtsfeiern im Freundes- oder Familienkreis, bei denen nicht alles ernst und besinnlich sein muss. Es ist ein idealer Beitrag für eine humoristische Gedichterunde in der Adventszeit. Auch auf einem Weihnachtsmarkt oder bei einer geselligen Feier in einem Verein kann es für Lacher sorgen. Darüber hinaus bietet es sich an als amüsante Eröffnung oder Auflockerung während des Weihnachtsessens, insbesondere wenn die Geschenke schon ausgepackt sind und man über die ein oder andere Kuriosität schmunzeln kann. Es ist weniger für eine offizielle oder religiöse Weihnachtsandacht geeignet.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Die Zielgruppe sind primär Erwachsene und Jugendliche ab etwa 14 Jahren. Um den humoristischen und leicht sarkastischen Unterton vollständig zu erfassen, benötigt man ein gewisses Maß an Lebenserfahrung mit den Tücken von Pflichtgeschenken und sozialen Konventionen. Jüngere Kinder verstehen die Ironie möglicherweise nicht und nehmen die Klage vielleicht wörtlich. Für alle, die die Weihnachtshektik und die damit verbundenen kleinen Missgeschicke schon selbst erlebt haben, ist das Gedicht jedoch ein treffender und unterhaltsamer Kommentar.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Weniger geeignet ist es für Menschen, die einen sehr traditionellen, ausschließlich besinnlichen und unkritischen Zugang zum Weihnachtsfest suchen. Wer Humor in Bezug auf Weihnachtsbräuche oder das Schenken generell als unpassend empfindet, könnte das Gedicht als negativ oder undankbar missverstehen. Ebenso ist es vielleicht nicht die beste Wahl für eine Feier, bei der der ursprüngliche Geber des beschriebenen Stollens anwesend ist – es sei denn, ihr habt einen sehr entspannten und humorvollen Umgang miteinander. Für formelle oder streng religiöse Zusammenkünfte ist der Tonfall zu weltlich und schelmisch.
Wie lang dauert der Vortrag?
Bei einem normalen, gut betonten und nicht überhasteten Vortrags tempo liegt die Dauer bei ungefähr 40 bis 55 Sekunden. Wenn du es besonders theatralisch oder mit vielen Pausen zum Pointensetzen vorträgst, kann es auch gut eine Minute füllen. Die Kürze macht es zu einem perfekten, pointierten Beitrag, der die Aufmerksamkeit des Publikums nicht überfordert und dennoch nachhaltig in Erinnerung bleibt. Probiere am besten vorher ein paar Mal aus, welches Tempo und welche Betonung für dich und die Situation am passendsten wirken.
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