Weihnachten
Kategorie: Klassische Weihnachtsgedichte
Weihnachten
Zwar ist das Jahr an Festen reich,Autor: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Doch ist kein Fest dem Feste gleich,
Worauf wir Kinder Jahr aus Jahr ein
Stets harren in süßer Lust und Pein.
O schöne, herrliche Weihnachtszeit,
Was bringst du Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
Teilt seine lieben Gaben aus.
Und ist das Häuschen noch so klein,
So kommt der heilige Christ hinein,
Und Alle sind ihm lieb wie die Seinen,
Die Armen und Reichen, die Großen und Kleinen.
Der heilige Christ an Alle denkt,
Ein Jedes wird von ihm beschenkt.
Drum lasst uns freu’n und dankbar sein!
Er denkt auch unser, mein und dein.
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Biografischer Kontext des Autors
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Hoffmann von Fallerslebens Gedicht "Weihnachten" ist mehr als nur eine einfache Feier der Festtagsfreude. Es stellt das Weihnachtsfest bewusst über alle anderen Feste des Jahres und betont seine einzigartige, kindliche Vorfreude, die als "süße Lust und Pein" beschrieben wird. Diese Formulierung erfasst meisterhaft das quälend-schöne Warten der Kinder. Die zentrale Figur ist nicht der Weihnachtsmann, sondern "der heilige Christ", eine traditionelle, fast sakrale Bezeichnung für den Gabenbringer, die den religiösen und wunderhaften Kern des Festes unterstreicht.
Besonders bemerkenswert ist die sozial-inklusive Botschaft der dritten Strophe. Das Gedicht betont, dass die Weihnachtsmagie nicht von Größe oder Reichtum des Heims abhängt ("Und ist das Häuschen noch so klein, / So kommt der heilige Christ hinein"). Die explizite Nennung von "Armen und Reichen, Großen und Kleinen" zeigt ein demokratisches und fürsorgliches Weihnachtsverständnis, bei dem alle gleichwertig beschenkt werden. Die letzte Strophe mündet in einen universalen Aufruf zu Dankbarkeit und Freude, der den Leser direkt mit einbezieht ("Er denkt auch unser, mein und dein"). Es ist ein Gedicht der Gemeinschaft und der geteilten Erwartung.
Biografischer Kontext des Autors
August Heinrich Hoffmann, der sich nach seinem Geburtsort von Fallersleben nannte, war eine Schlüsselfigur des 19. Jahrhunderts. Geboren 1798, ist er heute vor allem als Dichter der deutschen Nationalhymne ("Lied der Deutschen") bekannt. Er war jedoch gleichermaßen Germanist, Bibliothekar und ein leidenschaftlicher Sammler und Schöpfer von Volks- und Kinderliedern. Sein Lebenswerk zielte darauf ab, eine lebendige, volksnahe Dichtung zu fördern.
Dieses Gedicht entstammt genau diesem Geist. Hoffmann von Fallersleben wollte Literatur und Poesie für alle gesellschaftlichen Schichten zugänglich machen, auch für Kinder. Seine Weihnachtsgedichte und -lieder (wie "Morgen kommt der Weihnachtsmann") sollten das Fest in der Familie mit einfacher, eingängiger Sprache besingen. Das vorliegende Gedicht spiegelt sein pädagogisches und einendes Anliegen wider: Es vermittelt Werte der Bescheidenheit, der Gemeinschaft und der dankbaren Freude, frei von komplexer Theologie, aber mit einem klaren moralischen Kern. Es ist Volksdichtung im besten Sinne.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine warme, herzerwärmende und zuversichtliche Grundstimmung. Es ist von ungetrübter Vorfreude und einer fast andächtigen Freude auf das Fest geprägt. Durch die wiederholte Betonung, dass der "heilige Christ" an alle denkt, strahlt es ein tiefes Gefühl der Geborgenheit und sozialen Sicherheit aus. Niemand wird ausgeschlossen, jeder erhält Anteil an der Weihnachtswunder. Diese inklusive Atmosphäre macht den besonderen Zauber des Textes aus. Es ist eine Stimmung der harmonischen Erwartung und des dankbaren Staunens über eine Güte, die ohne Unterschied schenkt.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Absolut. Die Kernfragen und Werte, die das Gedicht aufwirft, sind heute so relevant wie vor 150 Jahren. In einer Zeit, die von kommerziellem Druck und sozialer Ungleichheit geprägt sein kann, erinnert es an den ursprünglichen Geist des Festes: die reine Freude, die Fürsorge für andere und die Idee, dass wahres Glück nicht materiell bemessen wird. Die Betonung der Gleichbehandlung von Arm und Reich wirft eine hochaktuelle ethische Frage auf. Wie schaffen wir es, in unserer Gesellschaft ein Fest der Liebe und des Gebens zu feiern, das wirklich alle einschließt? Das Gedicht lädt dazu ein, über den eigenen Tellerrand und die Geschenkeliste hinauszudenken.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Sprachlich ist das Gedicht als leicht einzustufen. Hoffmann von Fallersleben verwendete bewusst eine klare, volksnahe und eingängige Sprache. Der Satzbau ist einfach und geradlinig, das Reimschema (Paarreime) ist regelmäßig und leicht zu erfassen. Einzelne veraltete Wendungen wie "Jahr aus Jahr ein" oder die verkürzte Form "freu'n" sind aus dem Kontext sofort verständlich und stellen keine Hürde dar. Damit eignet sich der Text hervorragend für das Auswendiglernen und den Vortrag, auch durch jüngere Leser.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht ist ein perfekter Begleiter für verschiedene weihnachtliche Anlässe in Familie, Kindergarten oder Schule. Ideal ist der Vortrag am Heiligabend, vielleicht vor der Bescherung, um die Stimmung einzuleiten. Es passt wunderbar in kleine Weihnachtsfeiern, Adventsrunden oder auch in den Schulunterricht der Vorweihnachtszeit, um über die Bedeutung des Festes zu sprechen. Durch seine kurze und herzliche Art kann es auch als besondere Eintragung in eine Weihnachtskarte oder als Prolog für ein Familienfest dienen.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Die Zielgruppe ist breit gefächert. Aufgrund seiner einfachen Sprache und der kindlichen Perspektive in der ersten Strophe eignet es sich besonders für Kinder ab dem Vorschulalter bis ins Grundschulalter. Die eingängigen Reime und das vertraute Thema machen es für sie zugänglich. Gleichzeitig spricht die tiefere Botschaft der sozialen Gerechtigkeit und Dankbarkeit auch Jugendliche und Erwachsene an. Es ist somit ein generationsübergreifendes Gedicht, das die ganze Familie gemeinsam erleben kann.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Weniger geeignet ist das Gedicht für Leser, die eine komplexe, kritische oder distanzierte Auseinandersetzung mit dem Weihnachtsfest suchen. Wer nach moderner, abstrakter Lyrik oder einer Dekonstruktion des kommerziellen Weihnachtsrummels sucht, wird hier nicht fündig. Ebenso könnte die stark religiöse Konnotation des "heiligen Christ" für Menschen, die Weihnachten ausschließlich säkular feiern, vielleicht etwas befremdlich wirken. Der Text feiert unerschütterlich das traditionelle, harmonische und wunder-gläubige Weihnachtsideal.
Wie lang dauert der Vortrag?
Bei einem ruhigen, betonten und gemächlichen Vortrag, der die Strophen klar voneinander absetzt und die Freude in der Stimme trägt, liegt die Dauer bei etwa 45 bis 60 Sekunden. Ein sehr zügiges, abgehacktes Aufsagen wäre dem Charakter des Gedichts nicht angemessen. Nimm dir also ruhig Zeit, um die schönen Bilder und die herzliche Botschaft wirken zu lassen. Diese kurze Dauer macht es auch für ungeübte oder junge Vortragende sehr gut handhabbar.
Mehr Klassische Weihnachtsgedichte
- Zum 24. Dezember
- Weihnachten
- Weihnachtslied
- Weihnachten
- Es gibt so wunderweiße Nächte...
- Der Stern
- Weihnacht
- Bäume leuchtend
- Der Traum
- Das Weihnachtsbäumlein
- Christgeschenk
- Morgen kommt der Weihnachtsmann
- Weihnacht
- Ich wünsche mir ein Schaukelpferd
- Nun wandelt auf verschneiten Wegen
- Des Armen Christbäumchen
- Die Heiligen drei Könige
- Weihnachten
- Die Heilige Nacht
- Weihnacht
- Zu Weihnachten