Morgen kommt der Weihnachtsmann
Kategorie: Klassische Weihnachtsgedichte
Morgen kommt der Weihnachtsmann
Morgen kommt der Weihnachtsmann,Autor: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Kommt mit seinen Gaben.
Trommel, Pfeifen und Gewehr,
Fahn' und Säbel, und noch mehr,
Ja, ein ganzes Kriegsheer
Möcht' ich gerne haben!
Bring' uns, lieber Weihnachtsmann,
Bring' auch morgen, bringe
Musketier und Grenadier,
Zottelbär und Pantherthier,
Ross und Esel, Schaf und Stier,
Lauter schöne Dinge!
Doch du weisst ja unsern Wunsch,
Kennst ja unsre Herzen.
Kinder, Vater und Mama,
Auch sogar der Grosspapa,
Alle, alle sind wir da,
Warten dein mit Schmerzen.
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Biografischer Kontext des Autors
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Hoffmann von Fallerslebens Gedicht "Morgen kommt der Weihnachtsmann" präsentiert sich auf den ersten Blick als fröhliche, kindliche Wunschliste. Bei genauerer Betrachtung offenbart es jedoch eine tiefere, fast verstörende Ebene. Der Sprecher, vermutlich ein Kind, wünscht sich nicht Puppen oder Süßigkeiten, sondern militärisches Spielzeug: "Trommel, Pfeifen und Gewehr, Fahn' und Säbel". Die Steigerung gipfelt im Wunsch nach einem "ganzen Kriegsheer". Die zweite Strophe erweitert das Spektrum um exotische Tiere wie "Zottelbär und Pantherthier", mischt diese aber weiterhin mit Soldaten ("Musketier und Grenadier").
Erst die letzte Strophe bringt eine überraschende Wendung. Das lyrische Ich erinnert den Weihnachtsmann daran, dass er ihr wahres Verlangen doch kenne: "Doch du weisst ja unsern Wunsch, Kennst ja unsre Herzen." Der eigentliche, unausgesprochene Wunsch ist die versammelte Familie – "Kinder, Vater und Mama, Auch sogar der Grosspapa". Die "Schmerzen", mit denen sie warten, sind die Sehnsucht nach familiärer Geborgenheit und Zusammensein. Die martialischen Geschenke erscheinen so vielleicht als oberflächlicher Ersatz oder als kindliche Projektion von Stärke, während das eigentliche Bedürfnis viel simpler und menschlicher ist. Das Gedicht thematisiert damit geschickt den Unterschied zwischen materiellen Wünschen und emotionalen Grundbedürfnissen.
Biografischer Kontext des Autors
August Heinrich Hoffmann, der sich nach seiner Heimatstadt Fallersleben nannte, war ein bedeutender Germanist, Sprachforscher und vor allem Dichter des 19. Jahrhunderts. Seine größte Bekanntheit erlangte er als Verfasser des "Lieds der Deutschen" ("Deutschland, Deutschland über alles"), dessen dritte Strophe heute die deutsche Nationalhymne ist. Hoffmann von Fallersleben war ein liberaler Demokrat, dessen politische Haltung ihm 1842 seine Professur kostete und ihn zu einem vielgereisten, zeitweise mittellosen Schriftsteller machte.
Sein literarisches Schaffen für Kinder ist enorm. Er verfasste hunderte von Kinderliedern, von denen viele wie "Alle Vögel sind schon da" oder "Ein Männlein steht im Walde" bis heute im kollektiven Gedächtnis verankert sind. Sein Zugang zu Kinderthemen war nie nur naiv. Oft legte er gesellschaftskritische oder pädagogische Töne in seine Verse, wie auch in "Morgen kommt der Weihnachtsmann" zu sehen ist. Sein Werk steht für den Versuch, eine wirklich deutsche Kinderlyrik zu schaffen, die frei von moralisierender Schwere ist, aber dennoch Substanz besitzt.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine gemischte, spannungsvolle Stimmung. Der eingängige, volksliedhafte Rhythmus und der erwartungsfrohe Beginn "Morgen kommt der Weihnachtsmann" wecken zunächst eine heitere, vorfreudige Atmosphäre. Die Aufzählung der Kriegsspielzeuge wirkt jedoch, besonders für moderne Leser, befremdlich und erzeugt eine leichte Beunruhigung. Diese wächst mit dem Wunsch nach einem "ganzen Kriegsheer".
Die zweite Stufe der Stimmung tritt mit der finalen Strophe ein. Hier kippt die Atmosphäre von lauter Begehrlichkeit zu einer stilleren, innigeren und fast wehmütigen Sehnsucht. Die "Schmerzen", mit denen gewartet wird, verleihen der Vorfreude eine Tiefe und Ernsthaftigkeit, die den anfänglichen Überschwang relativiert. Insgesamt hinterlässt das Gedicht einen nachdenklichen Eindruck, der zwischen kindlichem Überschwang und dem Verlangen nach schlichter familiärer Wärme oszilliert.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Das Gedicht ist in seiner Grundfrage erstaunlich zeitgemäß. Die kritische Betrachtung von Kriegsspielzeug und die Frage, welche Werte wir Kindern durch Geschenke vermitteln, ist heute aktueller denn je. Es wirft ein Licht auf die Diskrepanz zwischen dem, was Kinder (angeblich) begehren, und dem, was sie wirklich brauchen.
In einer Zeit des konsumorientierten Weihnachtsfests spricht das Gedicht zudem die ewige Thematik der Materialität versus Emotionalität an. Der Wunsch des Kindes nach der ganzen Familie, nach Gemeinschaft und Geborgenheit, steht als stille Wahrheit hinter dem lauten Verlangen nach Besitztümern. Diese Botschaft, dass die besten Gaben nicht unter dem Tannenbaum liegen, besitzt ungebrochene Relevanz. Es fordert uns auf, hinter die oft oberflächlichen Wunschlisten zu blicken und das Wesentliche zu sehen.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Sprachlich ist das Gedicht als leicht bis mittelschwer einzustufen. Der Satzbau ist einfach und die Wortwahl größtenteils aus dem Grundwortschatz. Einige historische Begriffe wie "Musketier", "Grenadier" oder "Pantherthier" (heute: Panthertier) mögen erklärungsbedürftig sein, erschließen sich aber oft aus dem Kontext. Der Rhythmus und der klare Reim (Kreuzreim) unterstützen das Verständnis und machen das Gedicht leicht memorierbar.
Die inhaltliche oder interpretatorische Ebene ist dagegen anspruchsvoller. Die Ironie und die verschobene Perspektive zwischen den ersten beiden und der letzten Stufe zu erkennen, erfordert ein gewisses Maß an Reflexion oder eine einfühlsame Anleitung. Für ein vollständiges Erfassen der sozialkritischen und psychologischen Nuancen ist daher eine gewisse Reife nötig.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht eignet sich in erster Linie für die Advents- und Weihnachtszeit. Es kann einen besonderen Akzent setzen bei:
- Familienfeiern am Heiligabend, um eine Gesprächsgrundlage über wahre Weihnachtswünsche zu schaffen.
- Schulischen oder kindergartenischen Weihnachtsfeiern, besonders im Deutsch- oder Sachkundeunterricht, der sich mit Weihnachtsbräuchen oder kritischer Medien- und Spielzeugreflexion beschäftigt.
- Weihnachtslesungen für ein erwachsenes oder gemischtes Publikum, das an literarischen und historischen Besonderheiten interessiert ist.
- Als kontrastierendes Element in einem Programm mit rein besinnlichen oder fröhlichen Weihnachtsgedichten.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht spricht aufgrund seiner einfachen sprachlichen Struktur und des Themas "Weihnachtswünsche" zunächst Kinder ab dem Vorschul- und Grundschulalter (etwa 5-10 Jahre) an. Sie können dem Rhythmus folgen und die konkreten Wünsche nach Spielzeug nachvollziehen.
Seine volle Tiefe und die kritische Ebene erschließen sich jedoch erst einer älteren Zielgruppe ab etwa 10-12 Jahren sowie Erwachsenen. Für Jugendliche und Erwachsene bietet es einen ausgezeichneten Ansatzpunkt, um über gesellschaftliche Normen, Konsumkritik und die Geschichte der Kindheit zu diskutieren. Es ist somit ein Gedicht, das über mehrere Altersstufen hinweg mit unterschiedlichem Verständnis genossen werden kann.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Das Gedicht eignet sich weniger für Menschen, die ausschließlich eine ungebrochene, idyllische und rein besinnliche Weihnachtsstimmung suchen. Die Nennung von Kriegsspielzeug und der Begriff "Schmerzen" können in einer solchen Erwartungshaltung als störend empfunden werden.
Ebenso ist es für sehr junge Kinder, die noch nicht zwischen Spielzeug und realer Gewalt differenzieren können, ohne erklärenden Kontext möglicherweise nicht ideal. Wer ein kurzes, simples und ausschließlich freudiges Gedicht für einen kurzen Programmpunkt sucht, könnte mit der ambivalenten Stimmung und der Länge von drei Stufen nicht das Passende finden. Es ist definitiv kein reines "Kinder-Gedicht" im naiven Sinn.
Wie lang dauert der Vortrag?
Die reine Vortragszeit des Gedichts bei einem gemäßigten, deutlichen Sprechtempo liegt bei etwa 30 bis 45 Sekunden. Entscheidend für die Gesamtdauer ist der Kontext, in den es eingebettet wird.
Möchtest du das Gedicht mit einer kurzen Einführung zum Autor, der historischen Einordnung oder einer anschließenden Diskussion über seine Bedeutung präsentieren, kann die Dauer leicht auf drei bis fünf Minuten oder mehr anwachsen. Für eine vollständige Wirkung ist ein nicht zu hastiger Vortrag zu empfehlen, der den Stimmungswechsel zwischen überschwänglicher Wunschliste und der sehnsuchtsvollen Schlussstufe hörbar macht.
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