Der Weihnachtsschnee
Kategorie: Weihnachtsgedichte für Kinder
Der Weihnachtsschnee
Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,Autor: Paula Dehmel
Es riecht nach Weihnachtstorten.
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
Und bäckt die feinsten Sorten.
Ihr Kinder, sperrt die Äuglein auf,
Sonst nehmt den Operngucker:
Die große Himmelsbüchse, seht,
Tut Ruprecht ganz voll Zucker.
Er streut - die Kuchen sind schon voll
Er streut - na, das wird munter!
Er schüttelt die Büchse und streut und streut
Den ganzen Zucker runter.
Ihr Kinder, sperrt die Mäulchen auf,
Schnell! Zucker schneit es heute!
Fangt auf, holt Schüsseln! - Ihr glaubt es nicht?
Ihr seid ungläubige Leute!
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Biografischer Kontext
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Paula Dehmels "Der Weihnachtsschnee" ist ein zauberhaftes Beispiel für kindliche Weihnachtsmagie, das die Grenzen zwischen Realität und Fantasie geschickt verwischt. Das Gedicht erzählt nicht von herkömmlichem Schnee, sondern verwandelt ihn in Zucker, der vom Himmel rieselt. Diese zentrale Metapher ist genial: Der Schnee wird zur süßen Zutat für die himmlischen Weihnachtstorten, die Knecht Ruprecht am "Himmelsherd" backt. Damit wird das winterliche Naturphänomen zu einem köstlichen, genießbaren Wunder, das direkt mit dem Fest der Freude verbunden ist.
Die wiederholte Aufforderung an die Kinder, ihre "Näschen", "Äuglein" und "Mäulchen" aufzusperren, schafft eine unmittelbare, interaktive Atmosphäre. Der Leser oder Zuhörer wird direkt angesprochen und in das Geschehen hineingezogen. Die "große Himmelsbüchse" fungiert als ein fantastisches Bild für eine riesige Zuckerstreudose, die der eifrige Ruprecht so kräftig schüttelt, dass es auf der Erde "Zucker schneit". Die Steigerung in der dritten Strophe ("Er streut - die Kuchen sind schon voll / Er streut - na, das wird munter!") vermittelt perfekt die ausgelassene, fast übermütige Freude bei der Vorbereitung des Festes. Am Ende wirft das Gedicht den Kindern sogar liebevoll vor, "ungläubige Leute" zu sein, wenn sie dieses Wunder nicht sofort annehmen – eine charmante Anspielung auf den kindlichen Zweifel und die grenzenlose Fantasie, die für die Weihnachtszeit so typisch sind.
Biografischer Kontext
Paula Dehmel (1862-1918) war eine deutsche Schriftstellerin, die vor allem für ihre Kinderlyrik bekannt wurde. Sie war die Ehefrau des bedeutenden Dichters Richard Dehmel, mit dem sie künstlerisch eng verbunden war. Ihre eigenen Werke stehen jedoch eigenständig für eine verspielte, musikalische und kindgerechte Poesie, die sich vom Pathos mancher zeitgenössischer Werke abhebt. Dehmel verstand es meisterhaft, die Perspektive von Kindern einzunehmen und ihre Welt voller Wunder und fantasievoller Umdeutungen sprachlich einzufangen. "Der Weihnachtsschnee" ist ein Paradebeispiel für diesen Stil. Es zeigt ihre Begabung, alltägliche oder natürliche Vorgänge (hier das Schneien) in ein märchenhaftes Spiel zu verwandeln, das die kindliche Neugier und Vorfreude anspricht. Ihr Werk ist ein wichtiger, wenn auch oft übersehener, Beitrag zur Kinderliteratur der Jahrhundertwende.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine durchweg heitere, erwartungsvolle und verspielte Stimmung. Es ist von unbeschwerter Vorfreude auf das Weihnachtsfest geprägt. Die lustige Vorstellung von Knecht Ruprecht als himmlischem Bäcker, der mit übertriebenem Eifer Zucker über die Welt schüttet, löst ein Schmunzeln aus. Die direkten Anreden ("Ihr Kinder...") und die aufgeforderten Handlungen ("Schnell! Fangt auf, holt Schüsseln!") machen die Stimmung dynamisch und mitreißend. Es ist keine ruhige, besinnliche, sondern eine aktive, fast turbulente Freude, die hier vermittelt wird – die Freude auf das große Fest, das mit Süßem und Überraschungen verbunden ist.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Absolut. Die Kernbotschaft – die Vorfreude auf Weihnachten durch eine kindlich-fantastische Brille zu sehen – ist zeitlos. In einer Zeit, die oft von kommerziellem Stress geprägt ist, erinnert das Gedicht an den reinen, unverfälschten Zauber des Festes aus Kindersicht: das Warten, das Staunen und das Glauben an Wunder. Moderne Parallelen lassen sich zu unserer Sehnsucht nach Unbeschwertheit und magischen Momenten ziehen. Es wirft die immer relevante Frage auf, ob wir als Erwachsene nicht manchmal zu sehr "ungläubige Leute" geworden sind, die den Zauber des Alltäglichen nicht mehr sehen können. Das Gedicht ist eine Einladung, diese Haltung abzulegen und sich wieder auf die kleinen, süßen Wunder zu freuen.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Sprachlich ist das Gedicht als leicht einzustufen. Der Satzbau ist einfach und klar, der Rhythmus eingängig. Einzelne veraltete Begriffe wie "Operngucker" (für Fernglas) oder "Büchse" (für Dose) sind aus dem Kontext leicht verständlich und bieten sogar eine schöne Gelegenheit, mit Kindern über Sprachwandel zu sprechen. Die vielen bildhaften und konkreten Beschreibungen (Himmelsherd, Zucker schneit) machen die Verse auch für junge Leser oder Zuhörer sofort greifbar.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht eignet sich perfekt für die Advents- und Weihnachtszeit. Es ist ideal zum Vorlesen im familiären Kreis, sei es beim gemütlichen Adventskaffee, beim Plätzchenbacken oder als kleine Darbietung am Heiligabend. Auch in Kindergärten, Grundschulen oder bei Weihnachtsfeiern von Kinderchören kommt es ausgezeichnet zur Geltung. Durch seinen interaktiven Charakter lädt es dazu ein, gemeinsam gesprochen oder sogar szenisch umgesetzt zu werden.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Primär spricht das Gedicht Kinder im Vor- und Grundschulalter (etwa 3 bis 8 Jahre) an. Die fantasievolle Geschichte und der eingängige Rhythmus faszinieren diese Altersgruppe. Aber auch ältere Kinder und Erwachsene können ihren Charme und die kunstvolle Leichtigkeit der Verse schätzen, besonders wenn sie es selbst vorlesen und die Reaktion der Jüngeren erleben.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Für Menschen, die eine tiefgründige, religiöse oder besinnlich-stille Weihnachtslyrik suchen, ist dieses Gedicht weniger geeignet. Es behandelt nicht die christliche Weihnachtsgeschichte oder innere Einkehr. Wer nach komplexer Metaphorik oder anspruchsvoller Erwachsenenlyrik sucht, wird hier nicht fündig. Der Fokus liegt eindeutig auf kindlicher Fantasie und ausgelassener Vorfreude.
Wie lang dauert der Vortrag?
Bei einem gut betonten, gemächlichen Vorlesen mit kleinen Pausen zwischen den Strophen, um die Spannung und die Bilder wirken zu lassen, dauert der Vortrag des Gedichts etwa 45 bis 60 Sekunden. Ein sehr flottes Aufsagen wäre in etwa 30 Sekunden möglich, würde dem verspielten Charakter aber wahrscheinlich nicht gerecht.
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