Am Weihnachtsabend

Kategorie: Weihnachtsgedichte für Kinder

Am Weihnachtsabend

Am Weihnachtsabend gingen aus, die Maus, der Fuchs, das Häschen.
Sie gingen durch den Winterwald und kalt war bald ihr Näschen.

Sie kamen an ein Herbergshaus, die Maus, der Fuchs, das Häschen.
Da rief der Wirt zum Fenster 'raus: "Kommt trinkt mit mir ein Gläschen!"

Ein alter Mann mit weißem Bart lag schnarrchend unterm Fäß'chen.
"Ist das dort nicht der Weihnachtsmann?", schrien Maus und Fuchs und Häschen.
"So weckt ihn doch! So weckt ihn doch! Sein Weg ist noch so weit.
Oh weh! Durch Wald und Feld und Gäß'chen"

Daß er noch leidlich pünktlich kam, zu Onkel, Tanten, Bäs'chen,
verdanken wir in diesem Jahr (und das ist wahr) der Maus, dem Fuchs, dem Häschen.
Autor: unbekannt

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht "Am Weihnachtsabend" erzählt eine ungewöhnliche und charmante Weihnachtsgeschichte aus der Perspektive der Tiere des Waldes. Im Mittelpunkt stehen nicht die Menschen, sondern die Maus, der Fuchs und das Häschen, die sich auf einen winterlichen Spaziergang begeben. Diese personifizierten Tiere übernehmen hier eine aktive, helfende Rolle in der Weihnachtsmythologie. Sie stoßen auf ein Herbergshaus, eine klassische Anspielung auf die christliche Weihnachtsgeschichte, wo sie jedoch nicht auf Maria und Josef, sondern auf einen schnarchenden Weihnachtsmann treffen. Die Pointe liegt in der überraschenden Wendung: Die ikonische Figur, die sonst als unermüdlich und pünktlich dargestellt wird, ist hier erschöpft und schläft tief und fest. Die Tiere erkennen die Dringlichkeit der Situation – "Sein Weg ist noch so weit" – und übernehmen Verantwortung. Die letzte Strophe enthüllt den witzigen und einzigartigen Kern der Erzählung: Dass der Weihnachtsmann überhaupt noch halbwegs pünktlich zu den Verwandten ("Onkel, Tanten, Bäs'chen") kommt, ist dem beherzten Eingreifen der tierischen Trios zu verdanken. Das Gedicht stellt somit die oft übersehenen Helfer des Festes in den Vordergrund und feiert solidarisches Handeln und Gemeinschaftsgeist über Speziesgrenzen hinweg.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine warmherzige, heimelige und zugleich leicht skurril-verspielte Stimmung. Der rhythmische, eingängige Versbau und die Reime (z.B. Häschen/Näschen, Gäß'chen/Bäs'chen) vermitteln sofort ein Gefühl von Vertrautheit und kindlicher Freude. Die winterliche Waldkulisse ("kalt war bald ihr Näschen") weckt klassische Weihnachtsassoziationen. Die Begegnung im Herbergshaus ist jedoch unerwartet und komisch, was eine humorvolle Spannung aufbaut. Die Sorge der Tiere ("So weckt ihn doch!") mischt sich mit der Hektik der vorweihnachtlichen Eile, die vielen bekannt vorkommt. Insgesamt triumphiert aber eine versöhnliche und dankbare Grundstimmung: Am Ende wird die Rettung der Weihnacht durch kleine, unerwartete Helden gefeiert. Es ist eine Stimmung der Hoffnung und des Glaubens daran, dass Hilfe von den unwahrscheinlichsten Orten kommen kann.

Ist das Gedicht zeitgemäß?

Absolut. Das Gedicht wirft auf charmante Weise Fragen auf, die heute hochrelevant sind. Es thematisiert indirekt Überlastung und Burnout – selbst der Weihnachtsmann braucht mal eine Pause. Es feiert Teamwork und Inklusion, denn eine ungewöhnliche Gruppe (ein Fuchs, traditionell als listig und ein Hase als scheu charakterisiert) arbeitet zusammen für ein gemeinsames großes Ziel. Moderne Parallelen lassen sich zum Thema "unsichtbare Helfer" ziehen: In unserer Gesellschaft sind es oft diejenigen im Hintergrund, die den reibungslosen Ablauf des Alltags oder von Festen ermöglichen. Die Botschaft, dass jeder, egal wie klein oder unscheinbar, einen wichtigen Beitrag leisten kann, ist zeitlos. In einer hektischen Welt erinnert das Gedicht auch daran, inne zu halten und denen zu helfen, die überfordert sind, um am Ende alle gemeinsam ans Ziel zu gelangen.

Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?

Sprachlich ist das Gedicht als leicht bis mittelschwer einzustufen. Der Satzbau ist klar und die Handlung linear erzählt. Einige veraltete oder dialektale Formen wie "Gäß'chen" (Gässchen) oder "Bäs'chen" (ein Kosewort für Base, also Cousine) sowie die verkürzte Form "Fäß'chen" könnten für jüngere Leser erklärungsbedürftig sein, stören den Lesefluss aber kaum. Der Rhythmus ist sehr eingängig, was das Verständnis und das Auswendiglernen unterstützt. Die größte "Herausforderung" liegt vielleicht im humorvollen Verständnis der Pointe und der kulturellen Referenzen (Weihnachtsmann, Herberge). Insgesamt ist es aber gut zugänglich und eignet sich hervorragend zum Vorlesen und gemeinsamen Erschließen.

Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?

Dieses Gedicht ist ein perfekter Begleiter für gemütliche Familienrunden in der Advents- und Weihnachtszeit. Es passt wunderbar:

  • Als vorweihnachtliche Gutenachtgeschichte für Kinder.
  • Als unterhaltsamer Programmpunkt beim Familienfest am Heiligabend oder an einem der Weihnachtsfeiertage.
  • Für den Einsatz im Kindergarten, in der Grundschule oder im Kinderchor, um eine etwas andere Weihnachtsgeschichte zu präsentieren.
  • Für weihnachtliche Schattenspiele oder kleine Aufführungen im familiären Kreis.
  • Als humorvolle Einstimmung auf eine Weihnachtsfeier, die nicht allzu ernst sein soll.

Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Die primäre Zielgruppe sind Kinder im Vorschul- und Grundschulalter (etwa 4 bis 10 Jahre). Die tierischen Protagonisten und die eingängige Reimform sprechen jüngere Kinder sofort an. Die humorvolle Handlung und die überraschende Rettungsidee begeistern auch Kinder im frühen Schulalter. Darüber hinaus hat das Gedicht durch seinen liebevollen Humor und die hintersinnige Botschaft einen gewissen Charme für Erwachsene, die es vorlesen. Es funktioniert also als generationenübergreifendes Vorleseerlebnis, bei dem jede Altersgruppe etwas für sich entdecken kann.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Das Gedicht eignet sich weniger für Leser oder Zuhörer, die eine tiefgründige, religiöse oder sehr traditionelle Weihnachtserzählung erwarten. Wer nach der klassischen Geschichte von Christi Geburt oder einem ernsthaften, feierlichen Gedicht sucht, wird hier nicht fündig. Ebenso könnte der verspielte, tierische Ansatz für ältere Jugendliche oder Erwachsene ohne Bezug zu Kindern vielleicht als zu kindlich erscheinen. Menschen, die mit der Figur des Weihnachtsmanns und der damit verbundenen Folklore gar nichts anfangen können, werden den spezifischen Charme der Geschichte wahrscheinlich nicht voll erfassen.

Wie lang dauert der Vortrag?

Bei einem gemäßigten, deutlichen und betonten Vorlesetempo dauert der Vortrag des gesamten Gedichts etwa 45 bis 60 Sekunden. Wenn du es besonders ausdrucksstark und mit kleinen Pausen zwischen den Strophen zum Wirkenlassen der Pointen vorträgst, kann die Dauer auch gut eineinhalb Minuten betragen. Es ist also ideal für kurze, aber einprägsame Auftritte oder als schöne, knappe Einlage in einem größeren weihnachtlichen Programm. Die Kürze macht es auch für jüngere Zuhörer leicht, bis zum Ende aufmerksam zu bleiben.

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