Wenn die Honigkerze brennt
Kategorie: Weihnachtsgedichte für Kinder
Wenn die Honigkerze brennt
Wenn die Honigkerze brenntAutor: unbekannt
Und ich rieche den Advent,
Öffne ich das erste Tor,
Hol' den Stern aus Stroh hervor.
Steche Butterplätzchen aus,
Freu mich auf den Nikolaus,
Such mein graues Kuscheltier,
Pack es ein in Glanzpapier.
Finde Warten schrecklich schwer,
Staun ins Weihnachtslichtermeer.
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Ist das Gedicht zeitgemäß?
- Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Gedicht "Wenn die Honigkerze brennt" fängt die Essenz kindlicher Vorfreude in der Adventszeit ein. Es ist kein bloßer Reim, sondern eine dichte Erzählung in Versform. Die "Honigkerze" im Titel ist ein starkes Sinnbild: Sie steht nicht nur für Licht in der Dunkelheit, sondern auch für Süße, Wärme und natürliche, kostbare Materialien – ein Kontrast zur heutigen Hektik. Das "Riechen des Advents" aktiviert direkt das Sinnesgedächtnis und verankert die Erinnerung im Geruch von Plätzchen, Tannengrün und Kerzenwachs.
Die Handlungen des lyrischen Ichs folgen einem traditionellen Adventsritual: Das Öffnen des ersten Türchens am Adventskalender, das Hervorholen des Strohsterns (ein klassischer, oft selbstgebastelter Schmuck) und das Ausstechen von Plätzchen. Diese konkreten Tätigkeiten schaffen eine vertraute Welt. Die Erwähnung des "grauen Kuscheltiers", das in Glanzpapier eingepackt wird, ist ein besonders feiner Zug. Sie zeigt, dass es nicht immer um neue, teure Geschenke geht, sondern um Zuneigung und das Weitergeben von liebgewonnenen Begleitern – vielleicht an ein Geschwisterkind oder an die Eltern. Es ist ein Akt reinen, selbstlosen Schenkens. Der letzte Vers "Staun ins Weihnachtslichtermeer" fasst die kindliche Haltung zusammen: ein passives, überwältigtes Betrachten und Genießen der festlichen Atmosphäre, nachdem alle aktiven Vorbereitungen getan sind.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine unmittelbar warme, innige und nostalgische Stimmung. Es ist von einer sanften, fast andächtigen Freude durchzogen, die frei von jeder kommerziellen Note ist. Die kurzen, prägnanten Zeilen und der gleichmäßige Rhythmus vermitteln ein Gefühl von behaglicher Ruhe und fokussierter Konzentration auf die kleinen, schönen Dinge. Die Stimmung ist nicht aufgeregt oder laut, sondern eher ein leises, erwartungsvolles Glühen – genau wie das Flackern einer Honigkerze. Es ist eine Einladung, innezuhalten und die magischen Momente der Vorweihnachtszeit bewusst zu erleben, mit allen Sinnen.
Ist das Gedicht zeitgemäß?
Absolut. In einer Zeit, die von Stress und Konsumdruck rund um die Feiertage geprägt ist, wirft das Gedicht ganz aktuelle Fragen auf: Können wir noch die einfache Vorfreude genießen? Was macht den Zauber der Adventszeit jenseits von Geschenkelisten wirklich aus? Die moderne Parallele liegt im bewussten Gegenentwurf. Das Gedicht feiert "Slow Christmas": das Selbstmachen (Plätzchen ausstechen), das Wiederverwenden (das alte Kuscheltier verpacken) und das achtsame Staunen über Lichter und Düfte. Es erinnert uns daran, dass die schönsten Aspekte der Weihnachtszeit oft die sind, die nichts kosten, sondern Zeit, Aufmerksamkeit und Herz erfordern. Damit ist es ein perfekter literarischer Anker in der hektischen Vorweihnachtszeit.
Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?
Sprachlich ist das Gedicht als leicht einzustufen. Der Satzbau ist klar und unkompliziert, der Wortschatz stammt aus dem alltäglichen und gefühlvollen Grundwortschatz. Begriffe wie "Honigkerze", "Strohstern" oder "Glanzpapier" sind konkret und anschaulich, auch wenn sie vielleicht für die jüngste Generation erklärungsbedürftig sein könnten – was aber einen schönen Gesprächsanlass bietet. Der regelmäßige Kreuzreim (a-b-a-b) und der eingängige Rhythmus machen es leicht memorierbar und vortragbar. Die Schwierigkeit liegt nicht in der Sprache, sondern im einfühlsamen Transport der dahinterliegenden, feinen Emotionen.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht ist vielseitig einsetzbar. Es passt perfekt für gemütliche Adventsrunden in der Familie, wenn die erste Kerze am Kranz angezündet wird. Es kann den Start in die Adventszeit in Kindergarten, Grundschule oder auch in Seniorenkreisen begleiten. Da es die Vorfreude in den Mittelpunkt stellt, eignet es sich hervorragend für die Gestaltung eines Adventskalenders, sei es als Text hinter einem Türchen oder vorgetragen am 1. Dezember. Auch für kleine Weihnachtsfeiern oder als Einstieg in eine besinnliche Morgenrunde ist es ein idealer, unaufdringlicher Impulsgeber.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Primär spricht das Gedicht Kinder im Vor- und Grundschulalter (ca. 4 bis 10 Jahre) direkt an, da es ihre Erlebniswelt und ihre unmittelbare Vorfreude widerspiegelt. Durch seine warme Nostalgie und die universellen Gefühle des Wartens und Staunens erreicht es aber auch Erwachsene, insbesondere Eltern und Großeltern, die diese Stimmung entweder mit ihren Kindern neu erleben oder sich an ihre eigene Kindheit erinnern. Es ist somit ein generationenverbindendes Gedicht, das in der Familie gemeinsam gelesen und erlebt werden kann.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Das Gedicht eignet sich weniger für Menschen, die einen sehr intellektuellen, komplexen oder kritischen Zugang zur Weihnachtslyrik suchen. Wer nach metaphorischer Tiefe, gesellschaftskritischen Untertönen oder einer avantgardistischen Sprachbehandlung sucht, wird hier nicht fündig. Ebenso könnte es für Jugendliche in der Phase der Abgrenzung vielleicht als "zu kindlich" oder "zu kitschig" empfunden werden. Sein Zauber entfaltet sich am besten in einem Setting der Entschleunigung und des Sich-Einlassens auf einfache, positive Gefühle.
Wie lang dauert der Vortrag?
Bei einem ruhigen, betonten und gefühlvollen Vortrag mit kleinen Pausen zwischen den Strophen, um die Bilder wirken zu lassen, dauert das Gedicht etwa 30 bis 40 Sekunden. Ein sehr zügiges, rein auf den Text fokussiertes Aufsagen wäre in etwa 20 Sekunden möglich, würde dem Charakter des Gedichts aber nicht gerecht. Der ideale Vortrag nimmt sich Zeit, lässt die Worte "Honigkerze", "Weihnachtslichtermeer" oder "graues Kuscheltier" nachklingen und schafft so eine kleine, besinnliche Auszeit.
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